🇦🇹 Tirol (A): Silberstadt Schwaz (28.08.25)

Die Silberstadt Schwaz ist eine historische Stadt in Tirol, Österreich, die im Inntal liegt und von den majestätischen Gipfeln der Tuxer und dem Karwendel umgeben ist. Die Stadt ist vor allem für ihre reiche Vergangenheit als Bergbaustadt bekannt.

Im 15. und 16. Jahrhundert war Schwaz das Zentrum des europäischen Silberbergbaus. Zu dieser Zeit war sie nach Wien die zweitgrößte Stadt der Habsburgermonarchie. Der Reichtum aus dem Silber- und Kupferabbau prägte das Stadtbild und die Geschichte der Region.

Wichtige Sehenswürdigkeiten

  • Das Silberbergwerk Schwaz: Die Hauptattraktion der Stadt. Hier können Besucher in die Vergangenheit eintauchen und die Arbeitsbedingungen der Bergleute erleben. Eine Fahrt mit der Grubenbahn führt 800 Meter tief in den Berg, wo man die Stollen und die Geschichte des Bergbaus erkundet.
  • Die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt: Eine der größten Hallenkirchen Tirols, die mit ihrem markanten Kupferdach beeindruckt.
  • Das Franziskanerkloster Schwaz: Ein historisches Kloster mit einem malerischen Innenhof und gut erhaltenen Fresken.
  • Das Schloss Freundsberg: Eine mittelalterliche Burg, die hoch über der Stadt thront und heute ein Heimatmuseum beherbergt.

Schwaz vereint eine faszinierende Bergbaugeschichte mit einer beeindruckenden alpinen Kulisse und ist ein lebendiges Zeugnis seiner glanzvollen Vergangenheit.


Lebendiges Zentrum: Die Franz-Josef-Straße in Schwaz

Die Franz-Josef-Straße ist eine der zentralen Straßen in der Altstadt von Schwaz. Ursprünglich war sie eine wichtige Durchgangsstraße, wurde jedoch in eine Fußgängerzone umgewandelt und ist heute ein beliebter Ort für Einheimische und Touristen.

Die Straße wurde im Jahr 1899 nach Kaiser Franz Joseph I. benannt, anlässlich der Stadterhebung von Schwaz, die ebenfalls durch den Kaiser erfolgte. Diese Ehrung unterstreicht die historische Bedeutung der Straße und ihre Rolle in der Entwicklung der Stadt. Zuvor war sie als „Obere Marktstraße“ bekannt.

Die Franz-Josef-Straße zeichnet sich durch ihre gut erhaltenen historischen Gebäude aus, von denen viele im Kern noch aus der Blütezeit des Bergbaus im 15. Jahrhundert stammen. Sie führt von der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt zum Rathaus und ist das Herzstück der Schwazer Altstadt. Hier finden sich zahlreiche Geschäfte, Cafés und Restaurants, die die belebte Atmosphäre der Straße prägen.


Tiroler Loggia: Das Rathaus von Schwaz

Das Rathaus von Schwaz liegt in der zentralen Altstadt, direkt an der Franz-Josef-Straße. Obwohl es nicht die prachtvolle Fassade mancher alter Rathäuser hat, ist es dennoch ein wichtiger Bestandteil des historischen Zentrums und der Stadtverwaltung.

Das Rathaus befindet sich in einem Gebäude, das sich harmonisch in das Bild der umliegenden Kaufmannshäuser einfügt. Es dient der Stadtverwaltung und ist ein zentraler Treffpunkt für Bürger und offizielle Anlässe.In der Nähe des Rathauses gibt es auch das Fuggerhaus, das die historische Bedeutung der Stadt unterstreicht, sowie das Franziskanerkloster. Diese Lage macht das Rathaus zu einem integralen Teil des historischen Ensembles von Schwaz.


Ein einzigartiges Gotteshaus: Die Pfarrkirche von Schwaz

Die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Schwaz ist ein herausragendes Beispiel spätgotischer Architektur und eine der bedeutendsten Kirchen in Tirol. Aufgrund des florierenden Silberbergbaus im 15. Jahrhundert musste die Kirche erweitert werden, um der stark wachsenden Bevölkerung gerecht zu werden.

Die Kirche wurde zwischen 1460 und 1478 erbaut und zeichnet sich durch eine Besonderheit aus, die sie in Europa einzigartig macht: Sie ist eine vierschiffige Hallenkirche. Diese ungewöhnliche Bauweise ermöglichte die Trennung der Gemeindemitglieder nach ihrem gesellschaftlichen Status: Die Knappen und Bergarbeiter hatten ihren eigenen Bereich, während die Bürger der Stadt in einem separaten Schiff untergebracht waren. Berichten zufolge gab es in der Vergangenheit sogar Holzwände, um die Bereiche zu trennen, was zuweilen zu Auseinandersetzungen führte.

Das markante, fünfteilige Dach der Kirche ist mit rund 15.000 handgehämmerten Kupferplatten bedeckt und ist ein beeindruckendes Zeugnis des damaligen Reichtums der Stadt. Es symbolisiert den wirtschaftlichen Aufschwung, der durch den Silber- und Kupferbergbau ermöglicht wurde.

Die Kirche steht unter Denkmalschutz und ist ein wichtiges kulturhistorisches Denkmal, das die enge Verbindung zwischen dem Bergbau und der Kunst in der Region veranschaulicht.


Vom Friedhof zum Garten: Der Stadtpark von Schwaz

Der Stadtpark in Schwaz hat eine besondere Geschichte, da er sich auf dem Gelände eines ehemaligen Friedhofs befindet. Er liegt direkt neben der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt und wird seit 1977 als Park genutzt. Erkennbar ist seine Vergangenheit an den erhaltenen Arkadengängen und den alten Grabstätten, die noch immer zu sehen sind. In der Mitte des Parks steht ein großes Christus-Kreuz aus dem Jahr 1856.

Eine Symbiose von Geschichte und Kunst: Die Arkaden von Schwaz

Die Arkaden am Stadtpark in Schwaz sind ein besonderes architektonisches Element, das die Geschichte des Ortes als ehemaliger Friedhof der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt widerspiegelt. Obwohl der Friedhof 1977 in einen Parkumgewandelt wurde, blieben die Arkaden erhalten. Sie beherbergen noch heute eindrucksvolle Grabsteine und kunstvolle Fresken, die Szenen der Passion Christi darstellen. In neuerer Zeit wurden Teile der Arkaden auch als Ausstellungsfläche für moderne Kunst genutzt, was eine faszinierende Verbindung von historischem Erbe und zeitgenössischer Kreativität schafft.


Die Stimme der Stadt: Der Neue Glockenturm von Schwaz

In Schwaz bezieht sich der Begriff „Neuer Glockenturm“ auf ein eigenständiges Bauwerk, das im Jahr 1911 fertiggestellt wurde. Er steht abseits der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt und löste den alten Glockenturm ab, der für das schwere Geläut der Kirche nicht mehr stabil genug war.

Die Stadt Schwaz hatte im 15. Jahrhundert eine Glocke erhalten, die zu groß und zu schwer für den alten Turm der Pfarrkirche war. Es wurde sogar festgestellt, dass der alte Turm durch das Läuten der Glocken Schäden erlitt und gefährlich überhing. Aus diesem Grund wurde 1904 das Läuten der großen Glocken per Erlass verboten. Die empörte Bevölkerung protestierte, was schließlich zum Bau eines neuen, freistehenden Glockenturms führte.

Der Turm, der 1910 nach Plänen von Stadtbaumeister Franz Xaver Ruepp erbaut wurde, ist heute ein markantes Wahrzeichen von Schwaz. Das siebenstimmige Geläut der Kirche, das 1911 erstmals aus dem neuen Turm erklang, konnte nun wieder ohne Gefahr für das historische Kirchengebäude geläutet werden.

Neben seiner Funktion als Glockenturm wird der Turm heute auch von Tieren genutzt: Turmfalken und Gänsesäger nisten in seinem oberen Bereich, was der Stadt einen zusätzlichen, einzigartigen Charme verleiht.


Handel und Reichtum: Das Fuggerhaus in Schwaz

Das Fuggerhaus in Schwaz, gelegen in der zentralen Franz-Josef-Straße, ist ein historisches Gebäude, das die enge Verbindung der Stadt mit der mächtigen Kaufmannsfamilie Fugger aus Augsburg bezeugt. Im 16. Jahrhundert, auf dem Höhepunkt des Schwazer Silber- und Kupferbergbaus, diente das imposante Haus als lokaler Hauptsitz und Verwaltungssitz für das Handelshaus unter der Leitung von Jakob Fugger „dem Reichen“. Von hier aus wurden die gewaltigen Geschäfte und der Reichtum der Fugger im Silberbergwerk Schwaz koordiniert. Das Gebäude, das im Kern aus dem 15. Jahrhundert stammt, ist ein eindrucksvolles Beispiel für einen Kaufmannshof. Mit seinen prächtigen Fassaden und dem charakteristischen Erker steht das Fuggerhaus bis heute als Symbol für den Reichtum und die Macht, die der Bergbau einst nach Schwaz brachte.


Ort der Stille: Das Franziskanerkloster von Schwaz

Das Franziskanerkloster Schwaz ist ein bedeutendes religiöses und kulturelles Zentrum in der Stadt, das direkt an die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt anschließt. Es wurde im 15. Jahrhundert gegründet und ist bis heute ein aktiver Konvent.

Das Kloster wurde im Jahr 1447 von Georg und Hans von Rottenburg als Karmeliterkloster gegründet, aber bereits 1507 an die Franziskaner übergeben. Die Klosterkirche, die Kirche zum Heiligen Franziskus, ist eine dreischiffige Hallenkirche im gotischen Stil. Ihr Inneres ist jedoch im Barock umgestaltet, was eine interessante Mischung der Stile schafft.

Besonders sehenswert ist der Kreuzgang des Klosters. Er gilt als einer der schönsten in Tirol und ist reich mit Fresken aus dem 16. Jahrhundert ausgeschmückt. Die Freskenzyklen zeigen Szenen aus dem Leben Jesu und der Jungfrau Maria, aber auch Heilige, die in den Tiroler Bergen verehrt werden.

Das Franziskanerkloster Schwaz ist nach wie vor eine lebendige Gemeinschaft und ein Ort der Stille und Besinnung im Herzen der Stadt. Der Klostergarten und die Arkaden des Kreuzgangs bieten eine Oase der Ruhe und können teilweise besichtigt werden. Das Kloster beherbergt auch eine der ältesten Klosterschulen Tirols und ist ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes von Schwaz.


Heiliger Ort der Nächstenliebe: Die Spitalkirche von Schwaz

Die Spitalkirche in Schwaz, auch als St. Nikolaus-Kirche bekannt, ist eine historische Kirche, die eng mit der sozialen Geschichte der Stadt verbunden ist. Sie liegt am Rande der Altstadt, in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Spitals.

Die Kirche wurde im späten 15. Jahrhundert, genauer gesagt im Jahr 1494, erbaut. Sie diente als Spitalkirche, also als Gotteshaus für die Kranken und die Bediensteten des dazugehörigen Spitals, das von der reichen Knappschaft Schwaz’ gegründet wurde. Architektonisch ist die Kirche im spätgotischen Stil errichtet. Im Inneren wurde sie jedoch im 18. Jahrhundert barockisiert, was einen interessanten Kontrast zwischen der äußeren und inneren Gestaltung schafft.

Ein besonderes Merkmal der Spitalkirche sind ihre Kunstwerke. So beherbergt sie einen bemerkenswerten Barockaltarund einige historische Statuen. Die Kirche steht als bedeutendes Kulturdenkmal für die Fürsorge und den Reichtum der Silberstadt, der nicht nur in Prunkbauten, sondern auch in sozialen Einrichtungen investiert wurde. Heute dient sie als Kirche der orthodoxen Gemeinde.


Höhenfestung am Gipfel: Die Burg Freundsberg in Schwaz

Die Burg Freundsberg ist ein markantes Wahrzeichen von Schwaz in Tirol. Sie thront auf einem steilen Hügel am südlichen Stadtrand, rund 170 Meter über dem Inntal. Die gut erhaltene Höhenburg bietet einen weiten Blick über die Stadt und die umliegende Bergwelt.

Die Burg wurde um das Jahr 1150 von den Herren von Freundsberg als ihr Stammsitz gegründet. Zunächst bestand die Anlage nur aus einem massiven, fünfstöckigen Wohnturm, der heute noch den Kern der Burg bildet. Im 15. Jahrhundert wurde die Burg von Erzherzog Sigismund dem Münzreichen erworben und zu einem Jagdschloss ausgebaut.

Seit 1948 dient der Turm der Burg Freundsberg als Heimatmuseum der Stadt Schwaz. Es beherbergt eine umfangreiche Sammlung zur Geschichte der Stadt und der Region, mit einem besonderen Fokus auf den Silberbergbau. Ausgestellt werden hier Exponate zum Bergbau, zum Schwazer Schützenwesen und zur Entwicklung der Stadt. Im Innenhof der Burg befindet sich zudem ein beliebtes Gasthaus.

Die Burg Freundsberg ist nicht nur ein historisches Denkmal, sondern auch ein kultureller Treffpunkt und ein idealer Ausgangspunkt, um die malerische Umgebung zu erkunden.