Bari ist die Hauptstadt der Region Apulien und eine bedeutende Hafenstadt an der Adriaküste im Südosten Italiens. Sie ist eine lebendige Metropole, in der antike Geschichte, pulsierendes modernes Leben und tiefe kulturelle Traditionen aufeinandertreffen.
Die Geografie der Stadt wird maßgeblich durch ihre Lage am Meer bestimmt. Mit ihrem wichtigen Seehafen dient Bari als Tor zu den Balkanländern und zum Nahen Osten. Das mediterrane Klima mit heißen, trockenen Sommern und milden Wintern macht die Stadt das ganze Jahr über zu einem attraktiven Reiseziel.
Die Geschichte Baris ist ebenso faszinierend. Nach der römischen Ära und einer kurzen Periode unter arabischer Herrschaft wurde die Stadt zu einem bedeutenden Zentrum der byzantinischen Macht in Süditalien. Die Ankunft der Normannen im 11. Jahrhundert und später der Staufer prägte das Stadtbild nachhaltig, wovon die beeindruckende Festung Castello Normanno-Svevo zeugt. Doch der wohl bedeutendste Moment in der Stadtgeschichte war die Ankunft der Reliquien des Heiligen Nikolaus von Myra im Jahr 1087. Dies machte Bari zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte für katholische und orthodoxe Christen weltweit.
Die Kultur und Traditionen der Stadt sind eng mit ihrer Geschichte verwoben. Die verwinkelte Altstadt, Bari Vecchia, ist das Herzstück des traditionellen Lebens. Hier kann man beobachten, wie ältere Frauen auf der berühmten „Strada delle Orecchiette“ die traditionelle apulische Pasta von Hand formen. Die Verehrung des Heiligen Nikolaus ist immer noch allgegenwärtig, was sich in den jährlichen, farbenfrohen Feierlichkeiten im Mai widerspiegelt. Die Stadt ist zudem ein Paradies für Liebhaber der Street-Food-Kultur; lokale Spezialitäten wie „Sgagliozze“ und „Panzerotti“ sind hier unverzichtbar.

Bari Vecchia: Das historische Herz und die Seele der Stadt
Bari Vecchia, die Altstadt von Bari, ist das historische Herz der Stadt und ein faszinierendes Labyrinth aus engen Gassen, kleinen Plätzen und jahrhundertealten Gebäuden. Es ist ein Ort, an dem das authentische süditalienische Lebensgefühl besonders spürbar ist.
Die Gassen:
Die Gassen sind das prägendste Merkmal der Altstadt. Sie sind oft so schmal, dass sie nur zu Fuß begehbar sind. Das Gassengewirr ist nicht nur malerisch, sondern dient auch als natürliches Belüftungssystem und Schattenspender in den heißen Sommermonaten. Beim Flanieren durch die Gassen kann man Einheimische beobachten, die auf der Straße plaudern, Wäsche zwischen den Häusern aufhängen und ihren täglichen Aktivitäten nachgehen.
Die „Strada delle Orecchiette“:
Ein einzigartiges Highlight ist die sogenannte „Strada delle Orecchiette“ (Straße der kleinen Ohren). Hier, in der Via Arco Basso, sitzen Frauen vor ihren Häusern und stellen die traditionelle apulische Pasta Orecchiette von Hand her. Man kann ihnen bei dieser Handwerkskunst zusehen und oft die frisch zubereitete Pasta direkt von ihnen kaufen. Dieser Anblick ist ein authentisches Stück italienischer Kultur und ein unvergessliches Erlebnis.
Sehenswürdigkeiten in der Altstadt:
Trotz des verschachtelten Aufbaus befinden sich in Bari Vecchia einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt:
- Die Basilika San Nicola, ein bedeutendes romanisches Bauwerk, das die Reliquien des Heiligen Nikolaus beherbergt.
- Die Kathedrale von Bari (Cattedrale di San Sabino), bekannt für ihre beeindruckende Krypta und frühchristlichen Mosaike.
- Das Castello Normanno-Svevo, eine mächtige Festung, die am Rande der Altstadt thront.
- Die Piazza Mercantile und die Piazza del Ferrarese, belebte Plätze, die beliebte Treffpunkte für Einheimische und Touristen sind und von Cafés und Restaurants gesäumt werden.
Bari Vecchia ist ein Ort, an dem die Geschichte greifbar wird und das Leben im Rhythmus alter Traditionen pulsiert. Es ist der perfekte Ort, um sich zu verlieren und die wahre Seele der Stadt zu entdecken.
Zwei Ikonen der Altstadt: Die Kathedrale und die Piazza Federico II
Die Cattedrale di San Sabino und die Piazza Federico II di Svevia sind zwei eng verbundene Wahrzeichen im Herzen der Altstadt von Bari. Zusammen bilden sie ein historisches Ensemble, das die reiche Vergangenheit der Stadt widerspiegelt.
Die Kathedrale von Bari: Cattedrale di San Sabino
Die Cattedrale di San Sabino, oder die Kathedrale von Bari, ist ein prächtiges Beispiel für die apulisch-romanische Architektur und eines der bedeutendsten religiösen Bauwerke der Stadt. Sie wurde im 11. Jahrhundert auf den Ruinen einer früheren byzantinischen Kathedrale errichtet, die bei einem Aufstand gegen die Normannen zerstört worden war.
Architektur und Inneres:
- Außenansicht: Die Fassade der Kathedrale ist schlicht und harmonisch, dominiert von einem großen Rosettenfenster, das das Licht bricht. Der imposante Glockenturm, der im 12. Jahrhundert erbaut wurde, erhebt sich stolz neben dem Hauptschiff.
- Inneres: Das Innere ist in drei Schiffe unterteilt, die von Säulen mit Kapitellen gestützt werden. Obwohl das Innere im Barockstil überarbeitet wurde, behält die Kirche ihren ursprünglichen, majestätischen Charakter. Die Krypta ist besonders sehenswert: Hier werden die Reliquien des Heiligen Sabinus, des Schutzpatrons der Stadt, aufbewahrt.
- Archäologische Ausgrabungen: Unter der Kathedrale befindet sich eine faszinierende archäologische Stätte. Hier können Besucher die Überreste der römischen und byzantinischen Vorgängerbauten besichtigen, einschließlich eines frühchristlichen Mosaiks aus dem 6. Jahrhundert.
Die Piazza Federico II di Svevia
Die Piazza Federico II di Svevia ist ein großer, offener Platz, der sich zwischen der Kathedrale und dem Castello Normanno-Svevo erstreckt. Obwohl der Platz selbst keine antiken Ruinen aufweist, ist er von großer historischer Bedeutung.
- Namensgeber: Der Platz ist nach Kaiser Friedrich II. benannt, der eine tiefe Verbindung zu Apulien hatte und maßgeblich am Wiederaufbau und der Umgestaltung des angrenzenden Schlosses beteiligt war.
- Historische Bedeutung: In der Vergangenheit war der Platz Schauplatz von Märkten und öffentlichen Versammlungen. Er bildete das Bindeglied zwischen der politischen Macht (symbolisiert durch die Burg) und der religiösen Macht (symbolisiert durch die Kathedrale).
- Heutige Nutzung: Heute ist die Piazza ein zentraler Treffpunkt und ein beliebter Ausgangspunkt für die Erkundung der Altstadt. Besucher können hier eine Pause einlegen, die historische Kulisse bewundern und sich in einem der umliegenden Cafés entspannen.
Zusammen bilden die Kathedrale und die Piazza ein perfektes Duo, das die historische und kulturelle Seele Baris verkörpert. Sie laden dazu ein, die reiche Geschichte der Stadt zu erkunden und die architektonischen Schätze zu bewundern.
Die Festung der Kaiser und Könige: Das Castello Normanno-Svevo in Bari
Das Castello Normanno-Svevo, oder die normannisch-staufische Burg, ist ein monumentales Wahrzeichen am Rande der Altstadt von Bari. Seine Geschichte spiegelt die wechselvolle Vergangenheit der Region Apulien wider und ist untrennbar mit den Herrscherdynastien verbunden, die hier ihre Spuren hinterließen.
Die Ursprünge der Festung reichen bis in die byzantinische Zeit zurück, als an dieser Stelle bereits eine befestigte Anlage existierte. Der Bau der heutigen Burg begann jedoch im 12. Jahrhundert unter dem normannischen König Roger II. von Sizilien, der sie um 1132 errichten ließ. Ihr Schicksal war jedoch kurzlebig, denn nur 24 Jahre später wurde die Burg bei einem Aufstand gegen die normannische Herrschaft fast vollständig zerstört.
Der Wiederaufbau der Burg ist eng mit dem Namen Kaiser Friedrich II. verbunden. Der Stauferkaiser, bekannt für seine Liebe zu Apulien und seine Leidenschaft für Architektur, ordnete ab 1233 den Wiederaufbau und die Verstärkung der Festung an. Unter seiner Herrschaft entstand der markante Innenhof mit dem trapezförmigen Grundriss und den hohen Ecktürmen. Aus dieser Zeit stammen auch die prächtigen Portale und figurengeschmückten Säulen, die das staufische Prunktor zieren.
In den folgenden Jahrhunderten erfuhr das Castello weitere bedeutende Umbauten. Unter der Herrschaft der Angiovinerund später der Aragonesen wurde die Anlage an die Anforderungen der modernen Kriegsführung angepasst. Im 16. Jahrhundert, unter den Sforzas und der Königin von Polen, Bona Sforza, wurden die massiven Außenmauern und Bastionen errichtet, um die Burg gegen die zunehmende Bedrohung durch Kanonen und Feuerwaffen zu schützen. Die nördliche Seite war damals noch direkt vom Meer umspült, während die anderen Seiten durch breite Gräben geschützt waren.
Im Laufe seiner Geschichte diente das Castello Normanno-Svevo nicht nur als Residenz und Verteidigungsanlage, sondern auch als Gefängnis und Kaserne. Heute beherbergt die sorgfältig restaurierte Festung ein Museum, das Besuchern Einblicke in die archäologischen Funde und die reiche Geschichte der Region bietet. Man kann die Überreste der byzantinischen Vorgängerbauten besichtigen und durch die beeindruckenden Innenhöfe und Ausstellungsräume schlendern, die von der tausendjährigen Geschichte dieses Bauwerks erzählen.
