Magie auf dem Wasser: Hrad Švihov – Die Wasserburg im Abendglanz
Der letzte große Stopp unseres Burgen-Sprints führt uns tief in das Tiefland Westböhmens in die kleine Stadt Švihov (Schwihau), die nur rund 10 Kilometer nördlich von Klatovy liegt. Dort, eingebettet im malerischen Tal des Flusses Úhlava, wartet ein architektonisches Juwel, das einen würdigen und zugleich märchenhaften Abschluss unserer Tour bildet: Burg Švihov, eine der größten Wasserburgen Böhmens.
Die Anlage unterscheidet sich grundlegend von den Felsfestungen des Böhmerwaldes. Ihr Bau begann bereits 1480 und wurde wahrscheinlich unter der Leitung des berühmten Baumeisters Benedikt Ried zu einem strategischen Wunderwerk der Spätgotik umgebaut. Der Kern der Burg wird durch zwei massive Wohnflügel definiert, flankiert von einer Kapelle im Osten und einem mächtigen dominanten Turm im Westen. Obwohl nicht mehr alle Gräben vollständig geflutet sind, sind die ursprünglichen Wassergräben noch heute erhalten und umrahmen die Burg als künstliche Insel.
Gerade im warmen Abendlicht entfaltet Švihov eine besondere Atmosphäre und ist deshalb für Besucher geöffnet – ein unvergesslicher Anblick, der militärische Genialität und romantische Schönheit perfekt vereint.

Eingebettet in Gold: Die Kulturlandschaft um Švihov
Švihov liegt an einem landschaftlich spannenden Übergang: Hier geht die wellige Hügellandschaft des Pošumaví in das weite, offene Pilsner Hügelland über. Dieser klare, weite Raum bildet einen maximalen Kontrast zu den rauen, waldreichen Bergketten des Böhmerwaldes. Die Szenerie wird dominiert vom Fluss Úhlava, dessen Wasser strategisch abgeleitet wird, um die mächtigen, heute noch teilweise erhaltenen Burggräben zu füllen. Kleine Wehreregulieren dabei den Wasserstand des Flusses, der von Auwäldern und Schilfflächen gesäumt wird. Die gesamte Umgebung ist eine landwirtschaftlich geprägte Kulturlandschaft, die im goldenen Abendlicht der November-Sonne in warmen Gelb- und Ockertönen leuchtet und der späten Szenerie eine unvergleichlich friedliche, fast märchenhafte Stimmung verleiht.
Die Úhlava (deutsch: Angel) entspringt im Herzen des Böhmerwaldes und durchfließt auf ihrem Weg in die Pilsener Ebene die gesamte Region. Obwohl sie im Vergleich zur Otava kleiner ist, spielt sie für die umliegende Landschaft eine entscheidende Rolle. Bei Švihov ist die Úhlava nicht nur eine malerische Wasserstraße, sondern wurde aktiv in die militärische Architektur eingebunden: Durch geschickte Ableitungen und regulierende Wehre speist der Fluss das gesamte doppelte Grabensystem der Wasserburg und machte sie zu einer uneinnehmbaren Festung. Die Auwälder und Schilfzonen entlang des Ufers, die im Abendlicht leuchten, zeugen von der ursprünglichen Feuchtbiotop-Natur des Flusstals, die die Burg so erfolgreich für ihre Verteidigungsstrategie nutzte.
Die Burg Švihov: Spätgotik, Wassergräben und Aschenbrödels Hof
Die Burg Švihov (Schwihau) ist nicht nur eine der größten und besterhaltenen Wasserburgen Böhmens, sondern bildet auch einen architektonischen Höhepunkt der Spätgotik. Die Anlage liegt strategisch im Flachland an der Úhlava(Angel), rund 10 km nördlich von Klatovy, und stellt einen klaren Kontrast zu den Felsburgen der Region dar.
Der Bau der Burg wurde ab 1480 unter dem königlichen Richter Půta Švihovský von Riesenburg begonnen. Zur Perfektionierung der Verteidigungsanlage wurde der berühmte Baumeister Benedikt Ried hinzugezogen. Der Kern besteht aus zwei Wohnflügeln, die von einer östlichen Kapelle und einem mächtigen Turm im Westen flankiert werden. Die Genialität lag im zweifachen System der Wassergräben, die vom Fluss gespeist wurden und die Burg in eine uneinnehmbare künstliche Insel verwandelten. Obwohl Kaiser Ferdinand III. im 17. Jahrhundert die Schleifung anordnete, verhinderten Verzögerungen die vollständige Zerstörung, wodurch Švihov als beeindruckendes Denkmal erhalten blieb.
Ihre heutige weltweite Bekanntheit erlangte Švihov als einer der Hauptdrehorte des tschechisch-deutschen Kultfilms „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Im Film diente die spätgotische Burg als malerischer, aber düsterer Hof der Stiefmutter. Diese filmische Verbindung macht die Burg bis heute zu einem Pilgerort und wird oft in Sonderausstellungen für Besucher gewürdigt.

