Mini-Roadtrip entlang der Ionischen Küste: Eine Reise in die Antike und ins Mittelalter
Länge: 69 km / Fahrzeit: 92 min / Straßen: Crotone, Capo Colonna, Le Castella, Cruto mit Calanchi
Kalabrien, die Spitze des italienischen Stiefels, verzaubert mit einer dramatischen Küstenlandschaft, uralter Geschichte und versteckten Naturwundern. Dieser Mini-Roadtrip führt von der Provinz Crotone aus auf eine Entdeckungsreise, die die Vielfalt der Region auf wenigen Kilometern einfängt.
Der Mini-Roadtrip folgt den Spuren antiker Zivilisationen am Capo Colonna, wo eine einzige Säule von der einstigen Pracht der Magna Graecia erzählt. Er führt weiter zur majestätischen aragonesischen Festung in Le Castella, die wie eine Fata Morgana im Meer schwebt. Und schließlich offenbart sich die surreale, fast außerirdische Landschaft der Calanchi del Marchesato bei Cutro.

Es ist eine Tour, die dazu einlädt, sich in eine Welt aus Geschichte, unberührter Natur und unvergleichlichen Ausblicken zu vertiefen. Ein kurzer Roadtrip, der lange in Erinnerung bleibt:
Crotone
- Historische Hauptstadt: Crotone war in der Antike unter dem Namen Kroton eine der mächtigsten und einflussreichsten griechischen Kolonien der Magna Graecia, bekannt als Zentrum für Sport, Wissenschaft und Philosophie (Heimat der Schule des Pythagoras).
- Sehenswürdigkeiten: Das Herz der Stadt ist das Centro Storico, eine verwinkelte Altstadt mit engen Gassen, die zum majestätischen Castello di Carlo V führt. Die Festung bietet einen weiten Blick über die Stadt und das Meer.
- Zentrum der Region: Als größte Stadt der Provinz dient Crotone als Ausgangs- und Endpunkt für Touren zu den umliegenden Sehenswürdigkeiten wie dem Capo Colonna.
Capo Colonna
- Historische Bedeutung: Das Kap ist eine der wichtigsten archäologischen Stätten Kalabriens. Hier stand das antike griechische Heiligtum der Hera Lacinia.
- Wahrzeichen: Das markanteste Merkmal ist die einzelne, majestätische dorische Säule, der letzte Überrest des antiken Tempels.
- Landschaft: Die Umgebung ist geprägt von der einzigartigen, erodierten Lehm- und Sandsteinlandschaft der Calanchi, die einen starken Kontrast zum Meer bildet.
Le Castella
- Die Festung: Die Hauptattraktion ist das Castello Aragonese, eine imposante Burg, die auf einer kleinen Insel liegt. Sie ist nur über einen schmalen Damm zu Fuß erreichbar.
- Maritimes Erbe: Die Festung diente im Mittelalter zur Verteidigung gegen Piraten. Der Ort liegt zudem im Meeresschutzgebiet von Capo Rizzuto.
Cutro und die Calanchi del Marchesato
- Historischer Ort: Die Stadt Cutro ist für ihren historischen Ehrentitel bekannt, der im 16. Jahrhundert für einen berühmten Schachmeister verliehen wurde.
- Naturwunder: Das Highlight sind die Calanchi del Marchesato. Diese durch Erosion entstandenen, ockerfarbenen Felsformationen erinnern an eine Mondlandschaft und sind ein einzigartiges Naturspektakel in der Region.

Crotone: Wo die griechische Antike auf den Süden Italiens trifft
Crotone, an der ionischen Küste Kalabriens gelegen, ist eine Stadt, die ihre Besucher mit einem einzigartigen Mix aus antiker Geschichte, mittelalterlichem Charme und dem unaufhörlichen Rauschen des Meeres empfängt. Die Stadt, die auf eine glorreiche Vergangenheit als mächtige griechische Kolonie Kroton zurückblickt, erzählt ihre Geschichte auf Schritt und Tritt.
Das Herz der Stadt schlägt im Centro Storico, einem verwinkelten Labyrinth aus engen Gassen, die sich um den Dom und die alten Plätze winden. Hier, wo die Zeit stillzustehen scheint, kann man die authentische Atmosphäre eines süditalienischen Fischerortes spüren. Über all dem thront das imposante Castello di Carlo V, eine der besterhaltenen Festungen Kalabriens. Von seinen Mauern aus bietet sich ein spektakulärer Panoramablick über die Dächer der Altstadt, den belebten Hafen und die weite des Meeres.
Die Küste ist das zweite Gesicht der Stadt. Crotone verfügt über einen belebten Hafen, an dem Fischerboote und Jachten gleichermaßen ankern, sowie über eine lange, von Palmen gesäumte Promenade. Die Strände in und um Crotone sind bekannt für ihr klares, türkisfarbenes Wasser und bieten sowohl ruhige Abschnitte als auch belebte Lidos.
Nur wenige Kilometer entfernt liegt das Capo Colonna, eine Landzunge, auf der eine einzelne, majestätische dorische Säule die letzte Erinnerung an das antike Heiligtum der Hera Lacinia ist. Diese Stätte ist nicht nur ein archäologisches Highlight, sondern auch ein Ort von stiller Schönheit, der die Verbindung der Stadt zu ihren griechischen Wurzeln am besten verdeutlicht.
Crotone ist eine Stadt, die dazu einlädt, sich treiben zu lassen – durch ihre historischen Gassen, am Hafen entlang oder einfach am Meer, um die Geschichte und die Schönheit Kalabriens zu erleben.
SP49: Von Crotone zum Capo Colonna
Länge: 12 km / Fahrzeit: ca. 21 min / Straßen: SP49 und SP50
Die kurze, malerische Fahrt von Crotone zum Capo Colonna ist ein beeindruckendes Erlebnis. Die gut ausgeschilderte SP49 führt dich aus der Stadt hinaus in eine Landschaft, die überraschende Kontraste bietet. Als Besucher aus Mitteleuropa, der an grüne Wiesen und Wälder gewöhnt ist, wird man von der kargen Schönheit der Region fasziniert sein.
Die Strecke verläuft durch sanfte Hügel und Felder. Dann beginnt der faszinierende Anblick der Calanchi. Diese typischen Felsformationen sind beeindruckende, lehmige Erosionslandschaften. Ihre Trockenheit und die bizarren Formen erzeugen ein wüstenähnliches Bild, das an Kalifornien oder Nordafrika erinnert.
Die Route führt direkt am Ionischen Meer entlang und bietet spektakuläre Ausblicke auf die Küste. An verschiedenen Haltepunkten, die sich perfekt für Fotos eignen, verschmelzen zwei Welten: das strahlende Türkis des Meeres trifft auf die verbrannte Natur der Landschaft.
Die SP49 mündet schließlich über eine T-Kreuzung in die SP50, die schnurgerade zum Kap führt. Dein Auto kannst du auf einem schattigen Parkplatz unter Oliven- und Eukalyptusbäumen abstellen. Der Weg zum Tempel beginnt in einem kleinen Park, in dem die Hitze spürbar ist und Zikaden zirpen. Ein heißer Wind sorgt für eine leichte Brise, bevor der schattige Bereich endet.
Dann stehst du auf einem weiten, offenen Areal in der prallen Sonne. Hier ist guter Sonnenschutz unerlässlich, da die Sonne mit gleißendem Licht auf die trockene Feldfläche scheint. Im Hintergrund ist schon die majestätische Säule des Tempels zu sehen. Da es auf dem Gelände kaum Schatten gibt, solltest du deinen Besuch gut planen, um der direkten Sonne nicht zu lange ausgesetzt zu sein.
Cape Colonna – altgriechisches Heiligtum an der süditalienischen Küste
Das Capo Colonna ist eine der bedeutendsten archäologischen Stätten in Süditalien und ein Wahrzeichen Kalabriens. Das felsige Vorgebirge liegt etwa 10 Kilometer von Crotone entfernt und ist ein Muss für jeden, der die reiche Geschichte der Region erkunden möchte. In der Antike befand sich auf dem Kap das Heiligtum der Hera Lacinia, eines der wichtigsten griechischen Heiligtümer der Magna Graecia. Der um 470 v. Chr. erbaute dorische Tempel war der Göttin Hera geweiht und zog Pilger aus der gesamten antiken Welt an. Bis zum 16. Jahrhundert standen noch mehrere Säulen, doch heute ist nur noch eine einzige, majestätische Säule übrig, die als stummer Zeuge der einstigen Pracht gilt.
Was man heute am Capo Colonna erleben kann:
- Der Archäologische Park: Die gesamte Landzunge ist ein archäologischer Park, in dem man neben der berühmten Säule auch die Überreste des Tempels, römische Bäder und die Fundamente anderer antiker Gebäude besichtigen kann.
- Das Archäologische Museum: Im Park befindet sich ein Museum, das Fundstücke aus der Umgebung ausstellt, darunter Artefunde aus dem Tempel und sogar Unterwasserfunde.
- Das Santuario della Madonna di Capo Colonna: Neben den antiken Ruinen steht eine kleine, aber bedeutende Wallfahrtskirche, die die lange spirituelle Tradition des Ortes fortsetzt. Jedes Jahr im Mai findet hier eine große Pilgerprozession statt.
- Der Leuchtturm und der Torre Nao: Am Kap befindet sich auch der historische Leuchtturm Faro di Capo Colonna und der mittelalterliche Wachtturm Torre Nao, die beide das maritime Erbe des Ortes unterstreichen.
- Aussicht und Natur: Das Kap bietet einen spektakulären Panoramablick auf das Ionische Meer. Es ist ein idealer Ort, um die Ruhe zu genießen und die atemberaubende Landschaft zu bestaunen.
Das Capo Colonna verbindet auf einzigartige Weise Geschichte, Spiritualität und Naturschönheit. Es ist ein Ort, an dem man nicht nur die Überreste der Vergangenheit sehen, sondern auch die Atmosphäre der Geschichte spüren kann.
Von Capo Colonna nach Isola di Capo Rizzuto
Länge: 28 km / Fahrzeit: ca. 34 min / Straßen: SP50 und Strada Statale 106 (E90)
Direkt am Startpunkt, dem Capo Colonna, dominiert die fast mondähnliche Szenerie der Calanchi. Diese lehmigen Erosionslandschaften in verschiedenen Ocker- und Brauntönen bilden einen dramatischen Kontrast zum tiefblauen Meer. Die Landschaft ist hier trocken und spärlich bewachsen, was ihr ein wüstenähnliches, fast prähistorisches Aussehen verleiht.
Während der Fahrt von der Küste ins Landesinnere verändert sich die Vegetation langsam. Die Umgebung von Salica ist landwirtschaftlich geprägt. Hier passiert man sanfte, von der Sonne gebräunte Hügel und Felder, auf denen Olivenhaine und Weingärten liegen, die der Region ihren einzigartigen Charakter verleihen.
Isola di Capo Rizzuto und die Ankunft in Le Castella
Von Isola di Capo Rizzuto aus führt der Weg weiter ans Meer. Die Route bietet immer wieder offene Blicke auf die weite Küste und das türkisfarbene Wasser des Ionischen Meeres. Die Landschaft wird wieder sanfter, doch die Küste bleibt dominant.
Bei der Ankunft in Le Castella präsentiert sich die berühmte aragonesische Burg, die majestätisch auf einer kleinen Insel im Meer thront. Die Festung ist nur durch eine schmale Landzunge mit dem Festland verbunden und muss zu Fuß erkundet werden. Die Kombination aus dem historischen Bauwerk, dem klaren Wasser und der umgebenden Naturlandschaft macht diesen Ort zu einem unvergesslichen Ziel.

Le Castella: Die Festung im Meer
Le Castella, ein malerischer Ortsteil der Gemeinde Isola di Capo Rizzuto, ist bekannt für seine beeindruckende Festung, die majestätisch auf einer kleinen, ins Meer ragenden Insel thront. Der Name des Ortes steht im Plural („die Burgen“) und verweist auf die vielen Befestigungsanlagen, die einst diesen Küstenabschnitt schützten.
Die aragonesische Festung: Ein Wahrzeichen im Meer
Die Fortezza di Le Castella ist das unbestrittene Highlight. Ursprünglich im 13. Jahrhundert von den Anjou erbaut und im 16. Jahrhundert unter der Herrschaft der Spanier und der Familie Carafa verstärkt, diente die Burg als wichtiger Teil der Küstenverteidigung gegen Piraten.
Die Festung ist über eine schmale Landzunge mit dem Festland verbunden und kann nur zu Fuß betreten werden. Im Inneren der Ruine lassen sich die Überreste eines kleinen Dorfes besichtigen, darunter alte Wohnhäuser, die Reste einer kleinen Kirche sowie Bastionen, die einen atemberaubenden Blick auf das umliegende Meeresschutzgebiet bieten.
Die einzigartige Lage der Burg macht sie zu einem der meistbesuchten Monumente in Kalabrien und zu einem beliebten Drehort für historische Filme, wie zum Beispiel „Die unglaublichen Abenteuer des hochwohllöblichen Ritters Branca Leone“ (1966).
Die Stadt und das Meeresschutzgebiet
Der kleine Ort Le Castella selbst ist charmant und bietet eine entspannte Atmosphäre mit Restaurants, Cafés und Geschäften. Er liegt innerhalb des Meeresschutzgebiets von Capo Rizzuto, was die Region zu einem Paradies für Schnorchler und Taucher macht. Die Küste zeichnet sich durch feine Sandstrände und seichte, kristallklare Gewässer aus, die ideal zum Baden sind.
Die SS109: Ein Roadtrip von der Burg in die Calanchi-Region
Länge: 19 km / Fahrzeit: ca. 27 min / Straßen: Strada Statale 106 (E90) und Strada Statale 109
Die Route beginnt in Le Castella, wo das Bild der Küstenlandschaft mit der aragonesischen Festung und den klaren Sandstränden dominiert. Die Straße, hauptsächlich die SS109, schlängelt sich zunächst durch eine flache Ebene, die landwirtschaftlich genutzt wird. Hier wechseln sich Felder und vereinzelte Gehöfte ab, und die Vegetation wird etwas dichter als am kargen Capo Colonna.
Nach und nach entfernt sich der Weg vom Meer und das Terrain wird leicht hügelig. Die Fahrt führt durch die für Kalabrien typische Macchia mediterranea, eine buschartige Vegetation, und durch Gebiete, in denen Ackerbau betrieben wird. Die Landschaft wirkt hier offener und weitläufiger. Der Blick schweift über Felder und sanfte Erhebungen, die unter der süditalienischen Sonne in warmen Erdtönen leuchten.
Die Fahrt endet in Cutro, einem Ort, der höher gelegen ist und eine gute Aussicht auf die umliegende Landschaft bietet. Die Strecke ist insgesamt rund 18,8 km lang und dauert etwa 27 Minuten.

Geheimnisvolle Schönheit: Die Calanchi von Cutro
Cutro ist eine Stadt in der Provinz Crotone, die in der Vergangenheit für ihre landwirtschaftliche Bedeutung bekannt war. Der Ort trägt seit 1575 den Ehrentitel „Stadt“, der von König Philipp II. von Spanien verliehen wurde, nachdem der Bürger Giò Leonardo Di Bona der erste europäische und neuweltliche Schachmeister wurde. Heute ist Cutro vor allem für seine Küstengemeinde Steccato di Cutro bekannt, einem beliebten Strandresort.

Der Park der „Calanchi del Marchesato“
Die Calanchi (dt. Erosionsrinnen) sind die charakteristischste geologische Besonderheit der Region. Dabei handelt es sich um eine Art Erosionslandschaft, die durch die Verwitterung von lehmhaltigen Böden entsteht, was dem Gebiet ein fast außerirdisches Aussehen verleiht.
Die Calanchi del Marchesato wurden von vielen Künstlern und Schriftstellern bewundert, darunter der berühmte italienische Regisseur Pier Paolo Pasolini, der sie in seinem Reportagebuch „La lunga strada di sabbia“ (Die lange Sandstraße) als „gelbe Dünen“ beschrieb.
Aktivitäten und Besichtigungen
Der Ort Cutro selbst bietet einige historische Sehenswürdigkeiten, aber der Hauptgrund für einen Besuch ist die umgebende Landschaft. Eine alte Straße, die kürzlich wieder instand gesetzt wurde, führt zu den Calanchi. In den Sommermonaten werden dort oft geführte Touren angeboten, bei denen die Besucher die dramatischen Schluchten und Erhebungen erkunden können.
Für Naturliebhaber gibt es Wanderwege, die durch diese einzigartige Landschaft führen und einen weiten Blick über die Ebene bis hin zur Küste und sogar auf die Berge der Sila bieten. Das Gebiet beherbergt auch eine vielfältige Flora, darunter Eukalyptusbäume und Stechginster.
