Mini-Roadtrip durch das Herz des Marchesato Crotonese: Eine Reise in die Vergangenheit und Gegenwart
Länge: 77 km / Fahrzeit: 92 min / Straßen: Strongoli, Rocca di Neto, Santa Severina, San Mauro Marchesato, Scandale, Crotone
Manchmal sind es die kurzen, spontanen Reisen, die die tiefsten Eindrücke hinterlassen. An einem heißen Sommertag, als der Schirokko mit seiner flimmernden Hitze über die Landschaft strich, begaben wir uns auf einen Mini-Roadtrip in eine der faszinierendsten, aber oft übersehenen Regionen Kalabriens: das Marchesato Crotonese. Unser Ziel war nicht nur ein Ort, sondern eine ganze Welt aus Geschichte, Natur und Kultur, die sich auf wenigen Kilometern entfaltet.
Unser Hauptziel der Reise war das malerische Bergdorf Santa Severina, das wie ein „steinernes Schiff“ über dem weiten Val di Neto thront. Von den majestätischen Mauern seiner Burg, dem Castello Carafa, spürten wir den Atem der Geschichte. Wir schlenderten durch die engen Gassen des Centro Storico, wo jedes Kopfsteinpflaster von den Byzantinern, Normannen und Arragonesen zu erzählen schien. Sogar eine kleine, romantische Bank an der Via Monachelle lud mit ihrem zweisprachigen Schild dazu ein, die atemberaubende Aussicht mit einem Kuss zu besiegeln.
Doch die wahre Entdeckung war die Landschaft selbst. Auf der Fahrt nach Süden, über die SS107bis und später die SP56, entrollte sich vor uns ein Panorama, das gleichermaßen rau und poetisch war. Die trockenen, goldenen Hügel mit ihren dramatischen Calanchi erinnerten uns an Landschaften aus amerikanischen Filmen. Die modernen Windräder, die sich in den Himmel drehten, standen in einem faszinierenden Dialog mit der uralten Erde. Es war eine Reise, die uns die Vielfalt und den Charakter dieser einzigartigen Region näherbrachte – eine, die man nicht einfach nur bereist, sondern erlebt.

Von Ciro Marina über Tronca nach Strongoli
Länge: 20 km / Fahrzeit: 25 min / Straßen: Strada Statale 106 Jonica (E90); Contrada Monaco
Die Fahrt folgt der ionischen Küste. Nachdem man Cirò Marina verlassen hat, fährt man in südlicher Richtung auf der SS 106. In Tronca kann man abbiegen, um die Küstenzone zu erkunden, bevor man ins Landesinnere zum historischen Zentrum von Strongoli aufsteigt. Dieser Abschnitt bietet einen landschaftlich reizvollen Kontrast zur geradlinigen SS 106.

Der Weg führt zunächst durch eine Landschaft, die von Olivenhainen und Ackerland geprägt ist. Die Straße Contrada Monaco beginnt, sich den steilen, felsigen Hang des Hügels hinaufzuschlängeln. Sie bietet einen immer weiter werdenden Blick auf die umliegende Landschaft des Marchesato, die von den einzigartigen, erodierten Calanchi-Formationen durchzogen ist.
Die Straße endet am historischen Kern der Stadt, der direkt in das felsige Fundament des Hügels eingebettet ist und sich um die Spitze mit den Ruinen des Kastells windet.

Strongoli – das Hügeldorf auf dem Felsen
Strongoli ist eine historische Stadt in der Provinz Crotone, deren reiche Vergangenheit untrennbar mit ihrer markanten geografischen Lage verbunden ist.
Die Stadt thront auf einem Hügel, der als natürliches Bollwerk über die weite Ebene des Valle del Neto blickt. Hier befand sich die antike griechische Siedlung Petelia, die für ihre Standhaftigkeit gegen Hannibal bekannt war. Die Lage auf 342 Metern Höhe schützte die Stadt, die ihren Namen aus dem Griechischen „Strongylòn“(die Runde) ableitet, und bietet heute einen weiten Blick über das Meer bis zur Küste von Strongoli Marina.
Das Herz der Stadt ist das Centro Storico, ein Labyrinth aus engen Gassen, das die Ruinen des mittelalterlichen Kastells und die Kathedrale der Heiligen Peter und Paul beherbergt. Das Kastell, dessen Ursprünge bis in die byzantinische Zeit zurückreichen, ist ein zentrales Wahrzeichen.
Die Kultur Strongolis ist tief in der Landwirtschaft verwurzelt. Traditionen und die lokale Küche sind von der Produktion von Wein und Olivenöl geprägt. Das Leben im Ort ist von einer Gemeinschaft geprägt, die ihre historischen Wurzeln und Traditionen bewahrt.
Von Strongoli über die SP16 nach Rocca di Neto
Länge: 15 km / Fahrzeit: ca. 20 min. / Straßen: SP16
Es folgt eine landschaftlich reizvolle Autofahrt auf der SP16 zwischen Strongoli und Rocca di Neto. Die 15 Kilometer lange Strecke, die etwa 20 Minuten dauert, beginnt am Fuße des Felsens von Strongoli.
Wie auf den Bildern zu sehen ist, verläuft die Straße durch die hügelige Landschaft des Marchesato, die von Olivenhainen und Feldern geprägt ist. Die Route führt entlang bizarrer Hügel, die wie natürliche Festungen aus der Landschaft ragen und deren Hänge von erodierten Calanchi-Formationen durchzogen sind.
Die SP16 ist kurvenreich und stellenweise schmal, aber nur wenig befahren. Eine Bogenbrücke führt über den Fluss Vitravo. Die Fahrt endet schließlich im Ort Rocca di Neto.
Durchs Val di Neto: Von Rocca di Neto hinauf nach Santa Severina
Länge: 15 km / Fahrzeit: ca. 17 min. / Straßen: SP16; Strada Statale 107 (E846); SP24; Strada Statale 107bis
Der Weg von Rocca di Neto nach Santa Severina führt durch das Herz des Val di Neto und zeichnet sich durch seine malerische und vielfältige Landschaft aus.
Die Route beginnt auf der SP16, wo die Straße durch die weite Ebene des Tals führt. Hier, wo sich das breite Flussbett des Neto schlängelt, ist die Landschaft von Feldern und Weideland geprägt, auf dem oft Rinder grasen. Die Ebene wird von markanten, teils bizarr geformten Felsen gesäumt, die typisch für die Region sind.
Nach einer Fahrt auf der Strada Statale 107 (E846) nimmt der Weg eine entscheidende Wende auf der SP24. Diese Straße führt über eine Brücke, die den Fluss Neto überquert, und beginnt dann den Aufstieg. Sie schlängelt sich durch die klassische Hügellandschaft hinauf und bietet immer wieder beeindruckende Ausblicke, bevor sie schließlich in Santa Severina endet, das hoch auf einem Felsen thront.
Santa Severina: Das „Steinerne Schiff“ im Neto-Tal
Santa Severina ist eine der faszinierendsten historischen Städte Kalabriens, die sich mit ihrem einzigartigen architektonischen Erbe und ihrer strategischen Lage wie ein „steinernes Schiff“ über das Val di Neto erhebt.
Die Geschichte der Stadt reicht bis in die Antike zur griechischen Siedlung Siberene zurück. Ihre Bedeutung wuchs unter byzantinischer Herrschaft, bevor sie von den Normannen erobert wurde. Sie liegt auf einem markanten Felsen mit weitem Blick über das Tal und ist geografisch als natürliches Bollwerk positioniert.
Das Stadtbild ist ein lebendiges Museum. Das normannische Kastell, das sich majestätisch auf der Spitze des Hügels erhebt, ist ein dominantes Wahrzeichen. Direkt daneben befindet sich das Battistero, ein Meisterwerk byzantinischer Kunst. Die Kathedrale und der historische Ortskern runden das Bild ab.
Santa Severina gehört zu den „schönsten Orten Italiens“ und ist ein bedeutendes kulturelles Zentrum, in dem verschiedene historische Einflüsse harmonisch miteinander verschmelzen. Die Stadt hat ihre Traditionen bewahrt und bietet heute eine einzigartige Verbindung von Geschichte, Kunst und lokaler Identität.
Entlang am Monte Fuscaldo von Santa Severina nach San Mauro Marchesato
Länge: 7 km / Fahrzeit: ca. 10 min. / Straßen: Strada Statale 107bis
Die Fahrt von Santa Severina nach San Mauro Marchesato über die SS107bis ist eine kurze, aber malerische Strecke, die einen eindrucksvollen Einblick in die Geografie der Region gibt.
Die Route beginnt in Santa Severina, das majestätisch auf den Ausläufern des Monte Fuscaldo thront. Von dort aus führt die Straße hinunter in die umliegende Landschaft. Die Fahrt ist geprägt von der typischen Hügellandschaft des Marchesato Crotonese, mit sanften Erhebungen und dem weiten Ausblick über das Val di Neto. Entlang des Weges ist die Vegetation von mediterranen Pflanzen und Eichenwäldern bestimmt.
Nach etwa 7 Kilometern erreicht man das ebenfalls auf einem Hügel gelegene San Mauro Marchesato. Die Strecke ist relativ kurz und bietet einen fließenden Übergang von der imposanten Position Santa Severinas in die Weite des Tales.
Über die SS107bis von San Mauro Marchesato nach Scandale
Länge: 5 km / Fahrzeit: ca. 10 min. / Straßen: Strada Statale 107bis
Die Strecke auf der SS107bis von San Mauro Marchesato nach Scandale führt durch eine Landschaft, die das Herz des kalabresischen Marchesato Crotonese darstellt.
Die Straße schlängelt sich durch eine hügelige und überwiegend trockene Landschaft. Der Blick nach Süden, zur Küste hin, ist besonders weit und eindrucksvoll. Man sieht eine Folge von sanften, kahlen Hügeln, die oft von Erosion gezeichnet sind und die typischen „Calanchi“ (Erosionslandschaften) bilden. Diese geologische Formation verleiht dem Panorama ein fast mondähnliches Aussehen und erzählt die Geschichte von Wasser und Wind in dieser Region.
In Richtung Süden, zum Ionischen Meer hin, öffnet sich die Landschaft noch mehr. Bei klarer Sicht reicht der Blick über die Ebene des Flusses Neto bis zur Küste. Das Licht, das durch die Hügel und die Weite des Himmels reflektiert wird, verleiht der Szenerie eine einzigartige, fast mystische Atmosphäre.
Die gesamte Region ist für ihr heißes, trockenes Klima bekannt. Besonders im Sommer kann der Scirocco, ein heißer Süd- bis Südostwind aus der Sahara, die Luft aufheizen und sie mit feinem Sandstaub beladen, was zu einer diesigen, gelblichen Färbung des Himmels führen kann. Dieser Wind trägt zur Trockenheit der Landschaft bei und lässt die Felder und Weiden schnell verbrennen, was die Weite des Ausblicks noch stärker betont. Man spürt die Kraft dieses heißen Windes, der die Luft flimmern lässt und die Landschaft in ein ockerfarbenes Licht taucht.
Über die SP56 von Scandale nach Crotone
Länge: 15 km / Fahrzeit: ca. 20 min. / Straßen: SP56 (SS 107bis)
Die Fahrt auf der SP56 von Scandale nach Crotone führt durch die einzigartige Hügellandschaft des Marchesato.
Die Straße schlängelt sich durch ein weites und offenes Terrain, das von sanften, aber teils kargen Hügeln geprägt ist. Die Landschaft, die sich in den Sommermonaten in goldbraune Farbtöne kleidet, schafft ein Gefühl von Weite und Unendlichkeit, das an weite amerikanische Landschaften erinnert.
Ein markantes Merkmal dieser Strecke sind die Windparks, die sich in der Nähe von Crotone befinden. Die modernen Windräder thronen auf den Hügelkuppen und bilden einen faszinierenden Kontrast zur antiken, landwirtschaftlich genutzten Landschaft. Ihr gleichmäßiges Drehen in dem heißen Südwind, der die Luft flimmern lässt, unterstreicht das weite, offene Panorama.
Die Route bietet einen eindrucksvollen Abschluss der Reise durch das Marchesato, indem sie die Hügellandschaft langsam in die Küstenebene von Crotone übergehen lässt.
