Burg Werdenfels

Die Ruine Werdenfels von Burgrain bei Garmisch-Partenkirchen gehört zu den besterhaltenen Burgruinen des südlichen Oberbayerns. Die Burg weist eine bewegte Geschichte zwischen regen Handel, üppigem Reichtum und grauenhafter Willkür auf. Werdenfels war einst Machtzentrum der gleichnamigen Grafschaft. Die Feste war Sitz und Wohnort des Pflegers.

Lage: 47° 30′ 59,2″ N, 11° 5′ 30,8″ O

Ort: Burgrain, Garmisch-Partenkirchen

Burgtyp: Höhenburg mit Spornlage

Erhaltungszustand: Ruine

Erbauung: zwischen 1180 und 1230, Erbauer unbekannt

Funktion: Sitz des Pfleg- und Richteramtes der Grafschaft Werdenfels


Lage und Umgebung des Burgstandortes:

Die Ruine der Burg Werdenfels liegt auf einem 80 m hohen Hang über dem Loisachtal zwischen Garmisch und Farchant. Die Burg war einst eine Spornburg über der Loisach und Verwaltungssitz sowie Machtzentrum der Grafen von Werdenfels. 1632 starb das Grafengeschlecht aus und die Burg verfiel zunehmend. Heute ist die Burgruine frei zugänglich und ein äußerst beliebtes Ausflugsziel. Der Ausblick vom Burgberg reicht über Garmisch-Partenkirchen und dem Wettersteingebirge. Die Burg liegt auf einem östlichen Ausläufer der Kramerspitz (1985 m) in den Ammergauer Alpen. Von Nordosten bis Südosten fällt das Gelände sehr felsig und steil ab, während der südwestliche Hang recht steil ansteigt.


Geschichte der Burg Werdenfels:

Die Burg Werdenfels war einst feudales Machtzentrum der gleichnamigen Grafschaft. Erbaut wurde die Burg wohl zwischen 1180 und 1230. Die Erbauer sind unbekannt. Ab 1249 gehörte die Feste des Hochstifts Freising an. 1294 übergab Graf Berthold III. von Eschenlohe dem Freisinger Hochstift einen Teil seiner Grafschaft und wurde anschließend als Burghüter von “Werdenvelß”. Am Ende des 13. Jahrhunderts wurde die Grafschaft Werdenfels ausgerufen. Seit 1360 war der Machthaber über Werdenfels zugleich Richter und Pfleger. Dadurch durfte er über Leib und Leben richten. Erster Verwalter mit beiden Funktionen war Hans Kirchhaimer. Im 15. Jahrhundert kam es zu mehreren Verpfändungen. Ab dem 16. Jahrhundert wurde der bauliche Zustand der Burg immer maroder. Auch durchgeführte Renovierungen verhalfen nicht zur Besserung und so musste der Sitz nach Wang verlegt werden. Ab 1676 war die Burg so hinüber, dass diese als Steinbruch verwendet worden ist. Seit 1822 spricht man von einer Ruine.


Funktion und Aussehen der Burg:

Die Funktion der Burg war wohl eine Fernüberwachung der wichtigen Handelsstraßen im Tal. Eine Wehrfunktion ist weniger nachweisbar. Die genaue Gründungszeit ist bis heute nicht geklärt. Heute sind noch Mauerreste aus Kalkstein vorhanden. Im Süden und Westen schützt ein Halsgraben die Anlage. Die Kernburg ist 28 x 25 m groß und liegt erhöht. Der Kernburg sind zwei Vorburgen vorgelagert. Der Bergfried erhob sich am/über dem Nordwesteck der Hauptburg. Der Turm (abgängig) diente wohl als Gefängnis während der Hexenprozessionen im 16. bis 18. Jahrhundert.

Aus den Resten des Feudalsitzes lassen sich noch einige Räumlichkeiten rekonstruieren. Die Kernburg (Palas) weist große Spitzbogenöffnungen auf, die das Erdgeschoss zum Innenhof hin anscheinend loggiaartig öffneten. Darüber befanden sich höchstwahrscheinlich zwei Geschosse mit wohnlicher Nutzung. Die Burgkapelle muss in diesem Komplex erbaut worden sein. Beheizt wurden die Wohnräume durch Kachelöfen und Glutpfannen. Die heutige Trennwand war einst nicht erhalten und wurde sekundär eingebaut. Die Burg wies zwei Vorburgen auf. Die Kernburg war durch drei Tore geschützt, wovon das äußere Tor mit einem Wehrturm und Zugbrücke bewehrt wurde. Der Bergfried war das höchste Gemäuer der Burg und galt als Machtsymbol. Er ist verfallen. Heute zeugt nur noch ein Schutthügel neben der Kernburg von den hohen Turm. Der Bergfried stand mauerbündig an der Torfront und diente in der frühen Neuzeit als Gefängnis (Hexen, Wilderer). Heute stellt die Ruine zu Werdenfels ein wichtiges Zeugnis mittelalterlicher Burggeschichte dar. Erhalten sind die Nord- und eine Zwischenwand des Palas (24,8 m x 11,4 m). Zudem lässt sich noch das Mauerwerk der beiden Vorburgen erkennen. Die Nordwand weist bis heute noch drei große Spitzbögenöffnungen auf. Die Funktion der Burg gibt bis heute Rätsel auf. Aufgrund der geringen Mauerstärke (ca. 90 cm) war Werdenfels als Wehrbau nicht geeignet, sondern fungierte eher als Verwaltungssitz. Der Bergfried war der wehrhafteste Teil der Burg.

Der Palas von Werdenfels (Wohnteil der Burg)


Grafschaft Werdenfels:

Die Grafschaft Werdenfels war eine Reichsgrafschaft im heutigen Werdenfelser Land. Entstanden ist die Grafschaft 1294 aus den Besitztümern der Grafen von Eschenlohe: Graf Perchthold von Eschenlohe hat seine Grafschaft an Bischof Enichen von Freising verkauft. Der Sitz des oberesten Gerichts war zwar in Garmisch, dennoch fanden Sitzungen zunächst auf der Burg statt. Die Grafschaft verfügte über Erz- und Silbervorkommen. In der frühen Neuzeit gewannen die Grafen zunehmend an Bedeutung, da diese die Handelsstraße nach Italien kontrollierten. Aufgrund des Bozner Marktes und der dorthin führenden Handelsroute durch Mittenwald erreichte Werdenfels einen gewissen Wohlstand. Die Gegend wurde ab dem 15. Jahrhundert dadurch als „goldenes Landl“ bezeichnet.

Hexenprozesse:

Werdenfels war einst Schauplatz düsterer und trauriger Geschichte. 1583 wurde Caspar Poißl neuer Pfleger der Grafschaft und veranlasste in seiner Amtszeit eine grauenhafte Hexenverfolgung, die im 16./17. Jahrhundert durchaus legitim und geltendes Recht war. Ingesamt wurden 51 Personen zwischen 1590 und 1591 als Hexen/Zauberer verurteilt und hingerichtet. Die Burg diente als Richtplatz und Gefängnis für die zu Unrecht beschuldigten Menschen. Mit dem Tod des Pflegers verlor auch der tyrannische Fanatismus seinen Zuspruch und die Hexenjagd wurde allmählich beendet. Poißl auch bekannt als “Hexenrichter von Werdenfels”, und der gnadenlose Schafrichter Jörg Abriel handelten unter dem Deckmantel einer juristischen Vorgabe, die durch die Kirche unterstützt und veranlasst wurde. Der Hexenglaube und die damit einhergehenden Hexenprozesse waren zu dieser Zeit fester Bestandteil in der Gesellschaft. Heinrich Kramer verfasste im 15. Jahrhunderts ein abscheuliches Werk, den Hexenhammer, der ein verachtendes und hasserfülltes Frauenbild vermittelte. Er empfahl hart gegen Hexen vorzugehen und fand sogar päpstliche Unterstützung. Dämonen, Aberglaube und Hexereien waren erst gegen Ende des 13. Jahrhunderts in der christlichen Kirche fester Bestandteil. Thomas von Aquin brachte den Aberglauben mit den Ketzern in Einklang: Wer nicht an Hexerei und Dämonen glaubt sei ein Ketzer. Zuvor, sprich im 12. Jahrhundert stempelte die Kirche den Glauben an Dämonen und Magie als Irrwitz ab. Mit Thomas von Aquin kam allerdings die Kehrtwende. Über die Jahrhunderte erreichte dieser Aberglaube seinen Höhepunkt, in dem unschuldige Menschen gefoltert, geschändet und getötet wurden.


Quellen- und Literaturverzeichnis:

1) Werner Meyer: Burgen in Oberbayern – ein Handbuch. Verlag Weidlich, Würzburg 1986, ISBN 3-8035-1279-4, S. 128.

2) Michael W. Weithmann: Inventar der Burgen Oberbayerns. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. Herausgegeben vom Bezirk Oberbayern, München 1995, S. 490.

3) Heinrich Spichtinger: Werdenfels, Geschichte einer Burg. Garmisch-Partenkirchen 1991.

4) Josef Ostler, Michael Henker, Susanne Bäumler: Grafschaft Werdenfels 1294 – 1802. Garmisch-Partenkirchen 1994.

5) Michael Weithmann: Ritter und Burgen in Oberbayern – Streifzüge ins mittelalterliche Land zwischen Alpen, Donau, Lech und Salzach. Dachau 1999, ISBN 3-89251-276-0.

6) Joachim Zeune, Heinrich Spichtinger: Burg Werdenfels – kleiner Führer. Garmisch-Partenkirchen (ca. 2000).

7) Tafeln der Burgurine Werdenfels: Spichtinger, Heinrich (Gesamtkonzept/Planung). Zeune, Joachim (wissenschaftliche Beratung); Büro für Burgenforschung. Mark Garmisch-Partenkirchen, Garmisch-Partenkirchen Tourismus.