Tagesausflug am 11.01.17 ins Kloster Benediktbeuern

Das Kloster Benediktbeuern ist eine ehemalige Abtei der Benediktiner und heute eine Niederlassung der Salesianer Don Boscos in Benediktbeuern in Bayern in der Diözese Augsburg unweit des Kochelsees.

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Geschichte des Klosters:

Gründung:

Kloster Buron/Benediktbeuern ist sehr wahrscheinlich bereits 725/728 von Karl Martellwährend zweier Feldzüge nach Bayern als weltlicher Stützpunkt und als Wach- und Kontrollstation vor dem Kesselberg an taktisch günstiger Stelle gegründet worden. Karl Martell setzte dabei den hochadeligen AlemannenLantfrid, ein Mitglied der Huosi, als seinen verlässlichen Vasallen ein. Um 739/740 wurde das St. Jakob und St. Benedikt geweihte Kloster als Benediktinerabtei begründet. Erzbischof Bonifatius führte Lantfrid als Benediktinerabt ein und weihte die erste Klosterkirche.

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Die drei Mitbegründer des Klosters

Das Kloster nach der Gründung:

Es gab eine Schreib- und Unterrichtsschule, von deren Arbeit zahlreiche Codices aus dem 8. und 9. Jahrhundert zeugen. Das im 8. Jahrhundert in Kochel am Seebegründete Frauenkloster verlegte nach Zerstörung durch die Ungarn 908 (spätestens 955) in das Kloster Benediktbeuern, wo es bis ins 14. Jahrhundert seinen Sitz auf der Nordseite des Männerklosters hatte . Daher rührt auch der doppelte Abtstab (Abt und Äbtissin) im Wappen des Klosters Benediktbeuern.

Zerstörung durch die Magyaren und Wiederaufbau durch den Hl. Ulrich:

Im Jahr 955 wurde das Kloster Benediktbeuern jedoch durch die Magyaren (Ungarn) zerstört, was mit dem Ende des karolingischen Schulwesens einherging. Das Kloster wurde jedoch durch den hl. Bischof Ulrich von Augsburg (923-973) wiederaufgebaut und 1031 durch Benediktiner aus dem Kloster Tegernsee neu besiedelt. Unter Abt Gothelm und den Mönchen Gotschalk und Adalbert kam es zu einer neuen Blüte der Schreibschule und auch die botanischen Forschungen und die Anlage von Heilkräutergärten um 1200 sind bezeugt. Um 1250 deckte die Klosterbibliothek mit rund 250 Handschriften den ganzen Bereich des damaligen höheren Bildungswesens ab. 1530/40 wurde die systematische Klostergeschichtsschreibung durch P. Antonius Funda vertieft. Es wurden in Benediktbeuern theologische, philosophische und naturwissenschaftliche Studien betrieben.

Dreißigjähriger Krieg und Barockzeit:

Im dreißigjährigen Krieg wurde das Gymnasium aufgelöst, allerdings bereits 1689 mit sprachlichen, musischen, mathematischen und botanischen Schwerpunkten wiedereröffnet. Kurz vorher zwischen 1669 und 1679 wurde die heutige barocke Form der Klosteranlage geschaffen und ab 1672 die Klosterkirche St. Benedikt neu gebaut. 1700 wurde durch P. Karl Meichelbeck OSB (1669–1734) erstmals die quellenkritische Methode der Geschichtsschreibung in Süddeutschland mustergültig angewandt. Er ist der Verfasser der Historia Frisingensis (Geschichte des Bistums Freising) und des Chronicon Benedictoburanum (Geschichte des Klosters Benediktbeuern). Von ihm stammt auch das hagiografische Werk Leben / Leyden / Todt / Erhebung / vnd Gnaden=reiche Gutthätigkeit Der grossen Heiligen Martyrin Anastasiae (1710), in dem er u. a. ausführlich das sogenannte Kochelsee-Wunder beschreibt, die Rettung des Klosters im Spanischen Erbfolgekrieg am 28. Januar 1704. 1698 wurde die Hochschule (commune studium) im äußeren Nordtrakt eröffnet. Der Bibliothekskomplex stammt aus dem Jahr 1722. 1751 bis 1753 wurde die Anastasiakapelle im Nordosten der Klosterkirche erbaut.

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Der Barocksaal: die Gemälde zeigen die Sternzeichen, die Tugenden des Menschen, die vier Elemente und die himmlische Welt

Säkularisation bis zum 20. Jahrhundert:

Den Klosterkomplex erhielt Josef von Utzschneider. Joseph von Fraunhofer errichtete hier 1805 eine Glashütte. Er konnte hier unter anderem das schlierenfreie bzw. wellenfreie Flintglas entwickeln und entdeckte die Fraunhoferschen Linien, die für die Entwicklung der Spektralanalyse bedeutsam geworden sind. 1818 übernahm der Bayerische Staat das Kloster und nutzte es als militärischen Fohlenhof (Remonte-Depot) bis 1921, als Kaserne, Invalidenheim, Genesungskrankenheim für Soldaten, als Gefängnis und ab 1921 als landwirtschaftlichen Reichsbetrieb. 1925 wurde die ehemalige Klosterbrauerei geschlossen.

20. Jahrhundert bis Heute:

Seit 1930 nutzen die Salesianer Don Boscos die Gebäude wieder als Niederlassung einer Ordensgemeinschaft. Heute leben und arbeiten dort rund 50 Salesianer Don Boscos. Direktor des Klosters ist P. Reinhard Gesing SDB, die Salesianer haben keinen Abt, sondern stets einen Direktor. Stellvertreter ist P. Ernest Zeisel SDB.

Großbrände:

Das Kloster erlebte mehrere Großbrände. 1490 wurde dabei das zentrale Klostergebäude zerstört. Den letzten erlebte es 1979, als unter anderem der halbe Nordtrakt mit dem Fachhochschulgebäude in Flammen aufging.


Klosterkirche St. Benedikt:

Die Klosterkirche St. Benedikt (auch umgangssprachlich Basilika St. Benedikt und Klosterbasilika genannt) ist die ehemalige Abteikirche und jetzige Pfarrkirche in Benediktbeuern. Das Gebäude ist eine der ersten bedeutenden Barockkirchen auf dem Land in Oberbayern und Teil des Klosters Benediktbeuern. 1972 wurde die Kirche zur Basilica minorerhoben.

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Eingangsportal der Klosterkirche

Geschichte:

Die Basilika wurde im 17. Jahrhundert unter dem Abt Plazidus Mayr als Klosterkirche der Benediktinerabtei, des Klosters Benediktbeuern, im Baustil des italienischen Frühbarock erbaut. In der äußeren Gestaltung der Fassade weist das Gebäude noch Merkmale der Spätrenaissance auf. Unter der Leitung von Caspar Feichtmayr wurden von 1672 bis 1681 die Türme und die Sakristei erbaut, im Anschluss daran wurde von 1681 bis 1686 das übrige Gotteshaus errichtet, dessen Kirchenschiff 18 Meter hoch und 26 Meter breit ist. St. Benedikt war bis zur Säkularisation 1803 Klosterkirche und ist heute die Pfarrkirche der Pfarrei Benediktbeuern. Wegen Einsturzgefahr wurde die Kirche von 1962 bis 1973 renoviert. Papst Paul VI. erhob die Klosterkirche am 29. Mai 1972 mit dem Apostolischen Schreiben Quantopere sint zur Basilica minor. In der Kirche fand 2012 die evangelische Trauerfeier für Harry Valérien statt.

Einrichtung:

Der Innenraum ist ausgiebig mit Stuck verziert. Die Gewölbebilder stammen von Hans Georg Asam und gelten als die frühesten Fresken der altbayerischen Barockkunst.

Das Hauptaltarbild (1788) und die Bilder der vordersten Seitenaltäre sind Werke von Martin Knoller. Die Stuckplastik links des Altarbildes stellt den hl. Bonifatius, den Mitbegründer Benediktbeuerns dar, die Plastik rechts stellt Ulrich von Augsburg dar.

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Auf dem 1973 errichteten neuen Altar über den Chorstufen wird an Festtagen das vom Münchner Goldschmied Peter Streissel 1794 geschaffene Armreliquar des Heiligen Benedikt ausgestellt. Hinter dem Hochaltar, durch Fenster mit dem Schiff verbunden befindet sich der Psallierchor, darunter die Sakristei. An der Nordostecke der Kirche wurde 1753 die Rokokokapelle zu Ehren der hl. Anastasia von Sirmium errichtet.

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