Kilimandscharo-Massiv

Der Kilimandscharo (auch Kilimanjaro, Kilimandscharo-Massiv oder Mount Kilimanjaro, von 1902 bis 1918 Kaiser-Wilhelm-Spitze oder auch Wilhelmskuppe) ist mit 5.893 m (offiziell: 5.895 m) Höhe über dem Meeresspiegel das höchste Bergmassiv Afrikas. Das Massiv im Nordosten von Tansania hat mit dem Kibo den höchsten Berg des afrikanischen Kontinents.

1987 wurde die Landschaft von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt.

Rund 350 km südlich des Äquators befindet sich das Kilimandscharo-Massiv im Nordosten von Tansania, etwa 500 km nordwestlich der Stadt Daressalam und nahe der kenianischen Grenze (Kenias Hauptstadt Nairobi liegt 200 km nordwestlich.). Bis zur Mitte des Viktoriasees sind es knapp 560 km nach Nordwesten.

Während das 750 bis 1.000 m hohe Gelände um das Kilimandscharo-Massiv in Richtung Osten nach dem 2463 m hohen Pare-Gebirge allmählich zum Indik hin abfällt, geht es nach Westen und Norden in die Gebirgswelten und Hochländer von Tansania und Kenia über, sowie nach Süden in die Massai-Steppe. Ungefähr 70 km südwestlich des Bergmassivs ragt der 4.562 Meter hohe Mount Meru auf.

Der höchste Gipfel des Massivs und damit höchster Punkt Afrikas ist mit 5.895 Metern der Kibo (Uhuru Peak). Vom Batian, dem im Mount-Kenya-Massiv befindlichen zweithöchsten Berg des Kontinents, ist der Kibo 325 km südlich entfernt. Bis zum Margherita Peak im Ruwenzori-Gebirge sind es 900 km nach Nordwesten.

Das Massiv erstreckt sich über eine Fläche von rund 80 × 60 km.

Das Kilimandscharo-Massiv ist vulkanischen Ursprungs. Es befindet sich auf der östlichen Grabenschulter des Ostafrikanischen Grabenbruchsystems. In Verbindung mit kontinentalen Grabenbrüchenbesteht meist vulkanische Aktivität, was mit dem Aufstieg von Asthenosphärenmaterial (oft auch Manteldiapire) und der dadurch einhergehenden Lithosphärenausdünnung zu begründen ist. Im Gegensatz zum Roten Meer und dem Golf von Aden, die von mittelozeanischen Rücken durchzogen werden, ist der Ostafrikanische Grabenbruch keine Plattengrenze. Allerdings kann ein kontinentaler Grabenbruch das Anfangsstadium des Aufbrechens von Kontinenten darstellen.

Am Kilimandscharo-Massiv, das etwa zwei bis drei Millionen Jahre alt ist, fand die vermutlich größte Eruption vor rund 360.000 Jahren statt. Zuletzt soll der Kibo um 1700 ausgebrochen sein, seitdem verharrt die vulkanische Aktivität auf einem niedrigen Niveau (Fumarole), ist jedoch keineswegs erloschen.

Das Kilimandscharo-Massiv besteht im Wesentlichen aus drei erloschenen Vulkanen, deren höchster der bereits erwähnte Kibo (= Der Helle) ist. Der auf 5895 m liegende Gipfel des Kibo wird Uhuru Peak genannt. Das Gipfelplateau beinhaltet den 1,9 Kilometer mal 2,4 Kilometer großen Kibo-Krater. In diesem liegt der Reusch-Krater (etwa 800 Meter Durchmesser; bis 200 Meter tief), an dessen Kraterrand wiederum liegt ein kleiner Krater, der Inner Cone (5835 m).

Etwa zehn Kilometer östlich des Kibos und durch einen weiten, durchschnittlich etwa 4300 m hohen Sattel mit diesem verbunden, ragt der felsige, 5148 m hohe Mawenzi (= Der Dunkle) auf, der keinen Gletscher hat. Über einen im Mittel 3700 mhohen Sattel ist circa 15 Kilometer westlich des Kibo der Shira (3962 m) erreichbar. Der Shira ist ein plateauartiger Berg und ebenfalls ohne Gletscher.

Obwohl sich das Kilimandscharo-Massiv in den tropisch-heißen Regionen der Erde befindet, ist es neben dem Ruwenzori-Gebirge und dem kaum noch vergletscherten Mount-Kenya-Massiv, die ebenfalls in Äquatorial-Ostafrika liegen, der dritte vergletscherte Hochgebirgszug des Kontinents.

Die jüngere Vergletscherung am Kilimandscharo beschränkt sich auf den Kibo. Zwischen 1912 und 2009 schrumpfte die Eiskappe von 12 km² auf 1,85 km², was einem Verlust von 85 % der Fläche entspricht. Hauptgrund für diesen Rückgang ist ein regional trockeneres Klima seit Ende des 19. Jahrhunderts.

Die von verschiedenen Medien oftmals zitierten Satelliten-Fotos aus den Jahren 1993 und 2000, die den Rückgang illustrieren sollten, sind bezüglich des Gletscherschwunds jedoch nur bedingt aussagekräftig. Das 1993er Foto zeigt die Situation unmittelbar nach einem Neuschneefall, während im 2000er Foto kaum Neuschnee zu erkennen ist. Der markante Unterschied zwischen den beiden Bildern basiert also auf der räumlichen Ausdehnung der saisonalen Schneedecke.

2009 umfasste die Vergletscherung Gletscher am Gipfelplateau und an den Hängen des Kibo. Am Gipfelplateau bildeten das Nördliche und das Südliche Eisfeld die größten Einheiten, das Östliche Eisfeld mit dem Rebmann-Gletscher und der Furtwängler-Gletscher waren bedeutend kleiner. Die Hanggletscher befanden sich vorrangig am Südhang des Kibo, zudem waren an der Westflanke noch Überbleibsel der einst mächtigen Vergletscherung zu sehen.

Die neueste Übersicht über die Entwicklung der Eismassen wurde kürzlich neu zusammengefasst. Dabei wurde festgestellt, dass die Gletscherfläche von 11,40 km2 um das Jahr 1912 auf 1,76 km2 im Jahr 2011 schrumpfte, was einen Verlust von 85 % in den letzten 100 Jahren bedeutet.

Das typische Klima in der Region um das Kilimandscharo-Massiv folgt einem ausgeprägten Jahresgang des Niederschlags mit zwei Regenzeiten (März-Mai, Oktober-Dezember) und zwei Trockenzeiten, wobei die kleine Trockenzeit (Januar und Februar) in einzelnen Jahren ebenfalls niederschlagsreich sein kann. Die mittlere Monatstemperatur an der Basis des Berges erreicht ganzjährig mehr als 20 °C. Am Massiv selber ändert sich das Klima vor allem in vertikaler Richtung stark, was sich in der Abfolge verschiedener Vegetationszonen widerspiegelt. Die tiefer gelegenen Gebiete (bis ca. 3000 m) sind feucht, oftmals in Wolken gehüllt und von üppiger Regenwaldvegetation bedeckt. Mit der Höhe wird der Bewuchs immer karger, Temperatur und Niederschlag nehmen ab. Am Gipfelplateau des Kibo sind die beiden Regenzeiten zwar noch ausgeprägt, allerdings beträgt die jährliche Niederschlagsmenge nur mehr ein Zehntel jener im Regenwaldgürtel. Die Temperatur steigt selbst in den Nachmittagsstunden nur selten über den Gefrierpunkt. Dies gestaltet den Gipfelbereich zu einer trockenen, eisigen Umgebung.

Am Kilimandscharo-Massiv entspringen zahlreiche Gebirgsbäche, die beispielsweise am vergletscherten Gipfel des Kibo entstehen und durch die dichten Wälder die Berghänge hinab rauschen. Sie streben vom Massiv in alle Himmelsrichtungen davon. Aus der Vereinigung von solchen teils reißenden Bächen bzw. kleinen Flüssen entstehen später der Pangani und der Galana.

Wegen der steil abfallenden Berghänge gibt es am Kilimandscharo-Massiv nur kleine Seen. Doch befindet sich an seinem Südostfuß der Chala-See (auch Dschalasee genannt; 877 m; 4 km²) und etwas weiter südlich liegt der Jipe-See (707 m; 46 km²). Beide Stillgewässer befinden sich auf der Grenze von Tansania und Kenia. Am Südwestfuß des Massivs, bereits im Arusha-Nationalpark, liegen die Momella-Seen.

Das Kilimandscharo-Massiv stellt für die afrikanische Flora und Fauna einen wichtigen und artenreichen Lebensraum dar.

Unterhalb der Gletscher, Schneefelder und Frostschuttwüsten schließt sich teils üppig sprießendes Grasland an, das in Strauchland übergeht. Im Süden reicht die Baumgrenze bis auf maximal 3.500 m Höhe, durchschnittlich liegt sie bei 2.700 bis 3.000 m über dem Meeresspiegel.

Bedingt durch das feucht-heiße Klima hat sich nicht nur in den unteren Regionen der Gebirgswelt eine einzigartige Flora im urwaldartigen Regenwald entwickelt, in dem ungezählte Pflanzenarten mit prachtvollem Wuchs gedeihen – sie werden zumeist größer als anderswo. Der Regenwald befindet sich zwischen 1.400 und 3.000 m Höhe, maximal reicht er bis 3.300 m Höhe. In der Umgebung des Bergriesen gibt es Gras- und Baum-Savannen sowie Sümpfe.

Zur Flora am Kilimandscharo-Massiv und in dessen Umgebung gehören unter anderem:

  • Akazien
  • Baumheide
  • Farne
  • Flechten
  • Erika-Sträucher – bis 10 m hoch
  • Koniferen
  • Kreuzkraut – 5 bis 6 m hoch
  • Lianen
  • Lobelien
  • Moose
  • Olivenbäume
  • Orchideen
  • Palmen
  • Riesen-Senecien
  • Wacholder
  • Zedern

Die Gebirgswelt des Kilimandscharo-Massivs und seine Umgebung birgt eine artenreiche Fauna. Einige Beispiele:

  • Affen – Anubispavian, Schwarz-weiße Stummelaffen und Diademmeerkatze
  • Afrikanische Striemen-Grasmäuse
  • Büffel
  • Buschböcke
  • Ducker
  • Elefanten – Bestandszahlen: 1197 im Jahr 1976, 756 im Jahr 1981, 1000 im Jahr 1987, schätzungsweise 900 im Jahr 1990
  • Enten
  • Flamingos
  • Gänse
  • Hyänen
  • Ibisse
  • Kuckuckarten
  • Leoparden
  • Löwen
  • Meerkatzen
  • Nashörner – wahrscheinlich noch einzelne Spitzmaulnashörner
  • Pelikane
  • Reiher
  • Störche
  • Riesenwaldschwein
  • Wasserhuhn
  • Zebras
  • Zugvögel
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http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/52/Nyumba_ya_Mungu_Reservoir_%2B_Kilimandscharo.jpg
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/52/Elephants_Kili_2.jpg/640px-Elephants_Kili_2.jpg
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/fa/Elephants_at_Amboseli_national_park_against_Mount_Kilimanjaro.jpg
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