Hegauer Kegelbergland

Im Hegauer Kegelbergland unmittelbar westlich Singens finden sich eine Reihe kuppiger, kegelförmiger Schlote von erloschenen Vulkanen, die mit isolierten Höhen zwischen 643 m und 867 m sämtlich die auf 400–600 m ü. NN liegende Landschaft überragen.


Geologie:

Miozän:

In der Mitte des Miozäns (vor etwa 14 Mio. Jahren) setzte im Hegaugebiet, das am Schnittpunkt zweier Störungssysteme liegt, ein starker Vulkanismus ein (beim Hohenstoffeln erst 1,5 Mio. Jahre später). Es bildeten sich rund ein Dutzend Vulkane, die große Mengen Tephra förderten. Dadurch bildete sich eine 100 m mächtige Tuffschicht. Vor 9 Mio. Jahren intrudierte in die östlichen Schlote Phonolith. Dieser konnte jedoch nicht bis zur Erdoberfläche gelangen und erstarrte unter der Tuffschicht. Vor 6 Mio. Jahren erfolgte die Intrusion von Melilithit („Hegauer Basalt“) in die westlichen Schlote, wo dieses ebenfalls erstarrte. Der Grund für diese Vulkantätigkeit wird in einer für geologische Verhältnisse schnellen Absenkung des Oberrheingrabens gesehen.

Pleistozän:

Im Pleistozän wurde im Zuge der Riß-Kaltzeit (vor etwa 150.000 Jahren) auch das Hegau-Gebiet von einem dicken Eispanzer bedeckt. Der Gletscher räumte Molasse und Tuff ab, die härteren Phonolith- bzw. Basaltkerne waren jedoch widerstandsfähiger und hielten den Eismassen stand. Auf diese Weise wurde das erstarrte Magma freigelegt, und erst dadurch bekam die Landschaft ihr heutiges Aussehen.


Phonolithbergen:

Der Osten des Kegelberglands ist durch eine Reihe von Phonolithbergen geprägt.
Von Norden nach Süden sind das:

  • Mägdeberg (654,2 m, am Nordwestgipfel 661,7 m): Umfangreiche, gut erhaltene Burgruine der Burg Mägdeberg (Nachweis um 1240: „in castro Megideberc“) auf dem gleichnamigen Phonolithkegel. Den Namen bekam der Berg der Legende nach durch die Wallfahrt der englischen Königstochter Ursula, die mit tausenden Mägden an seinem Fuß lagerte (Name von althochdeutsch „maga(i)d“ = „Jungfrau“).
  • Hohenkrähen (ugs. „Krähen“) (642,5 m) als kleinster, steilster und zugleich markantester Kegel mit der krönenden Ruine Hohenkrähen, einer ehemaligen Raubritterburg (vgl. kelt. craig = „steiler Fels“, um 1200 belegt als „creigin“ oder „creien“).
  • Staufen (593,3 m): Die frühere Festung ist vollständig zerstört.
  • Hohentwiel (ugs. „Hontes“) (689,9 m), Wahrzeichen der Stadt Singen. Die ehemalige Festung Hohentwiel (möglicherweise aus kelt. „twiel“ = „Fels“ / vielleicht aber auch alemannisch aus der idg. Wurzel „tui“ = „anschwellen“) war mit einem Festungsareal von 9,92 ha die größte und wichtigste der zahlreichen Hegauburgen. Sie wurde 1800 auf Anweisung Napoleons geschleift.

Nordwestlich des Mägdebergs leitet der nicht vulkanische Philippsberg (ca. 625 m) zur Basaltreihe über.


Basaltberge:

Hohenstoffeln

Den Westen des Kegelberglands nehmen zwei Basaltberge ein, die in einer nach Norden noch deutlich weiter reichenden Reihe stehen. Die Kegelreihe beginnt bereits am (Nordwest-)Trauf der Schwäbischen Alb und zieht sich von westlich Geisingens zunächst nach Südosten, um erst allmählig nach Süden abzugleiten, wo der naturräumliche Hegau erreicht wird.
Von Norden nach Süden sind das:

  • Wartenberg (844,4 m): Zwei Kilometer westlich der Stadt Geisingen gelegen. Der Wartenberg liegt am Westrand der Baaralb (genauer: am Westrand der Geisingen-Spaichinger Waldberge), an der Nahtstelle zur Baar. Geologisch gehört er zu den Hegauvulkanen. Im 12. Jahrhundert bauten die Wartenberger, die Geisinger Ortsherren, hier eine erste Burg. Heute befinden sich hier sowohl die Ruine der ersten Burg, die Burgruine Wartenberg, als auch ein kleines Lustschloss mit englischem Garten.
  • Höwenegg (812 m), vier Kilometer südlich von Immendingen im Naturschutzgebiet Hewenegg, im Zentrum der Hegaualb: Die Bergspitze ist infolge eines alten Basaltabbaus abgetragen. An dessen Stelle ist nur noch ein 80 m tiefer Steinbruch übrig, in dem sich ein See befindet. An den südlichen Hangfüßen existiert – im Sedimentbereich eines ehemaligen Kratersees – eine der wichtigsten tertiären Fossilienfundstätten Deutschlands. Das Hewenegg ist heute ein Naturschutzgebiet. Die ehemalige, zur Herrschaft Hewengehörende Burg Hewenegg fiel ebenfalls dem Steinbruch zum Opfer (deshalb auch als Burgstelle Hewenegg bezeichnet); die Burg wurde zusammen mit Neuhewen 1639 zerstört. 400 m südwestlich der Hauptburg befand sich eine kleine Burg (auch Vorburg und Burgstall genannt); von ihr erhielt sich der Burgrest Hewenegg, eine Burgruine.
  • Neuhewen, der höchste der Hegauberge (867 m), ebenfalls zentrale Hegaualb: Burgruine Neuhewen („Stettener Schlössle“), nahe der Stadt Engen, erbaut um 1200. Burg und Ort Stetten waren ursprünglich im Besitz der Herren von Höwen (Hohenhewen). Gemeinsam mit der Burg Höwenegg (auch Burg Hewenegg genannt) sollte Burg Neuhewen das Herrschaftsgebiet nach Norden hin absichern.
  • Hohenhewen (ugs. „Höwen“) (846 m), nördliche Nahtstelle des Kegelberglands zur Hegaualb: Ruine Hohenhewen auf dem gleichnamigen Basaltkegel (vgl. kelt. „ceven“ = „Bergkuppe“). Hausberg des Ortes Welschingen.
  • Hohenstoffeln (ugs. „Stoffel“) (844 m): Basaltberg mit ehemals drei Burgruinen Vorder-, Mittel- und Hinterstoffeln. (1506 „in Stofola“ genannt, von ahd. „stophil“ = „kleiner Fels“). Die Hinterburg wurde insbesondere in den 1930er-Jahren durch den Steinbruchbetrieb für den Straßenbau ganz abgetragen, von Mittel- und Vorderburg sind noch Reste zu erkennen.

Alle diese Berge haben oder hatten eine Burgruine auf ihrem Gipfel.