Burgstall Fraßhausen

Hinter dem Kögel-Hof befindet sich ein deutlich erkennbarer Burgstall. Dieser ist als Bodendenkmal der Bayerischen Denkmalpflege geschützt (Nr. D-1-8035-0104). Hier wurden Metallfunde aus dem hohen und späten Mittelalter gefunden.¹

Allgemeine Information:

Der heutige Burgstall war Standort eines gemauerten Turmes der von Holzplanken umgeben war (Chronik 1442 von Oswald Tuchsenhauser). Der Turm war Teil eines Sedlhofes, einem Adelssitz der auf die Zeiten der Andechser Grafen zurück geht. Fraßhausen ging aus einem Ministerialensitz der Andechser Grafen hervor. 

Adelsfamilien (für Burgturm relevant) und Besitzer:

  • Ministerialsitz der Andechser Grafschaft 
  • Kloster Tegernsee; Ulrich von Ascholding (Ulricus de Ascholting) wurde 1286 von Abt Heinrich III. mit verschiedenen Höfen belehnt, darunter auch der in Fraßhausen.
  • Geschlecht der Ascholtigner: 1286-1347; das Geschlecht der Fraßhauser ging aus die Ascholtinger hervor.
  • Geschlecht der Fraßhauser: 1347 – 1431 
  • Geschlecht der Tuchsenhauser: 1431 – 1510 (wobei der Burgturm ab 1494 abgetragen wurde). Nachfolgend werden die einzelnen Adeslherren zu Tuchsenhausen des Sedlehofes Fraßhausen mit ihrer Herrschaftszeit aufgezählt:
    • Oswald Tuchsenhauser (1431-1462)
    • Hans Tuchsenhauser (1462-1498); unter Hans Tuchsenhauser wurde der Burgturm 1494 an das Gotteshaus Feldkirchen verkauft.
    • Erbstreit zwischen Cosmas und Sebastian Tuchsenhauser (unmündig; Söhne von Hans T. und Anna H.), Jakob Tuchsenhauser (Bruder von Hans T.) und Anna Hamerspacherin (1498-1510)
    • Anna Hamerspacherin (ab 1510) – Die Grafschaft Tuchsenhausen verlor den Besitz zu Fraßhausen.

Historie des Burgturmes:

  • 11./12. Jahrhundert: Ministerialsitz der Andechser Grafschaft
  • 1286: Ersterwähnung des Sedlhofes in Fraßhausen
  • 1431: Fraßhausen wird ein Edelsitz durch die Tuchsenhauser
  • 1442: Urkundliche Beschreibung des Turmes
  • 1494: Abriss des Turmes, aufgrund des Verkaufes durch Hans Tuchsenhauser an das Gotteshaus Feldkirchen.
  • 1500: Erbauung des Gotteshauses in Feldkirchen

Lage:

Der Burgstall liegt nordwestlich vom Kögl-Hof in Fraßhausen. Er gehört zum Gemeindegebiet Dietramszell (83623) und liegt an der Abfallkante zum Reichertshausener Tal. Unmittelbar in Richtung Westen beginnen die Thanninger Weiher.

Koordinaten: 47°54’52.7″N 11°34’10.5″E (47.914643, 11.569578)


Beschreibung:

 Heute ist nur noch der Standort des Turmes erhalten. 1494 wurde der gemauerte Turm an das Gotteshaus Feldkirchen verkauft und somit geschliffen. Die Steine wurden für den Bau der Kirche verwendet. Vor dem Kauf  handelte es um ein gemauertes Bauwerk, dass von Planken umgeben war.

1442:

Nach der Chronik ist der Turm („Turn“), der Burgstall und der Sedelhof ein freier eigener Sitz. Der gemauerte Turm ist von einer Plankenwand umgeben (vergleichbar mit einer mittelalterlichen Motte). Der Burgstall und der Turm ist vom Sedelhof durch einem Graben getrennt. 

Heute:

Vorzufinden ist ein doppelter Graben mit dazwischenliegenden Wall, sowie einer abgetrennten Spornburg mit einem flachem Kernburgareal (Ø ca. 30 m). Dieses Areal ist von einem stufenartigem Ringgraben mit schwach erhaltenem Ringwall in den Spornflanken umgeben. Bis auf minimale Randwallrest sind keine deutliche Spuren einer ehemaligen Bebauung erkennbar.


Geschichte:

Graben

Über den Burgstall ist fast nichts bekannt. Heute lässt sich die Lage des Burgturmes deutlich erkennen, dennoch ist die genaue Lage nicht überliefert. Jedoch wurde der Turm und der Burgstall in Urkunden und Chroniken erwähnt. Die erste urkundliche Erwähnung fand 1442 durch den Besitzer Oswald dem Tuchsenhauser statt. Hier wurde der Sedelhof zu Fraßhausen und die angehörigen Gebäude beschrieben und aufgezählt. In dieser Urkunde ist auch das Aussehen des Turmes beschrieben. Das Gebäude war gemauert und von Holzplanken umgeben. Nach einer Chronik von 1442 ist von einem „Turn“ (oder Turm) die Rede. Dieses Gebäude war gemauert und war für damalige Verhältnis ein repräsentatives Bauwerk, da nur adelige Gebäude aus gemauerten Wänden bestanden. In der zweite Erwähnung handelt sich um die Verkauf des Turmes im Jahr 1494 an das Gotteshaus Feldkirchen. Dies geschah aus Geldnot der Tuchsenhauser. Der Kauf wurde von Hans Tuchsenhauser durchgeführt und brachte der Grafschaft 51 fl. Gulden ein. 

Abriss des Turmes (Schleifung):

Dieser Turm wurde im Juni 1494 durch Hans Tuchsenhauser für 51 fl. Gulden (umgerechnet ca. 16.000 Euro) an das Gotteshaus Feldkirchen verkauft. Dies geschah aus Geldnot, da die Tuchsenahauser immer an der Grenze zur Armut standen.²

Zusammenhang mit dem Bau der Filialkirche St. Georg in Feldkirchen:

Die Filialkirche St. Georg wurde um 1500 erbaut.³ Somit wurde die Kirche in Feldkirchen von den Mauersteinen des Burgturms erbaut, da dieser 1494 an das Gotteshaus verkauft wurde und die Kirche selbst um 1500 erbaut worden ist. Der Kirchturm wurde 1872 komplett erneuert und aus Tuffstein erbaut, d. h. de ehemaligen Mauersteine des Burgturmes sind zumindest im Kirchturm nicht mehr vorhanden. Nach der Anfrage in der Denkmalpflege kam heraus, dass der Grund der Kirche und Umgebung unter Schutz eines Bodendenkmals steht, da sich im Boden Mauerreste und Mauersteine aus mittelalterlichen Zeiten vorfinden lassen: „Untertägige mittelalterliche und frühneuzeitliche Befunde im Bereich der kath. Filialkirche St. Georg in Feldkirchen und ihres Vorgängerbaus.”¹


Debatte ob es eine Burg war:

Rechst die nördliche Spornflanke des Burgberges

Nach einer Chronik von 1442 ist von einem „Turn“ (oder Turm) die Rede. Dieses Gebäude war gemauert und war für damalige Verhältnis ein repräsentatives Bauwerk, da nur adelige Gebäude aus gemauerten Wänden bestanden. Dieser Turm wurde im Juni 1494 durch Hans Tuchsenhauser für 51 fl. Gulden (umgerechnet ca. 16.000 Euro) an das Gotteshaus Feldkirchen verkauft. Dies geschah aus Geldnot, da die Tuchsenahauser immer an der Grenze zur Armut standen.²

Interessanter weise wurde die Filialkirche St. Georg um 1500 erbaut.³ Somit wurde die Kirche in Feldkirchen von den Mauersteinen des Burgturms erbaut, da dieser 1494 an das Gotteshaus verkauft wurde und die Kirche selbst um 1500 erbaut worden ist. Der Kirchturm wurde 1872 komplett erneuert und aus Tuffstein erbaut, d. h. de ehemaligen Mauersteine des Burgturmes sind zumindest im Kirchturm nicht mehr vorhanden. Nach der Anfrage in der Denkmalpflege kam heraus, dass der Grund der Kirche und Umgebung unter Schutz eines Bodendenkmals steht, da sich im Boden Mauerreste und Mauersteine aus mittelalterlichen Zeiten vorfinden lassen: 

„Untertägige mittelalterliche und frühneuzeitliche Befunde im Bereich der kath. Filialkirche St. Georg in Feldkirchen und ihres Vorgängerbaus.“¹

Somit erhärtet sich die Aussage, dass die Kirche in Feldkirchen durch die Mauersteine des Burgturms erbaut wurde. Alle drei Beweise sind in den Chroniken, Urkunden und Forschungen des Denkmalamts und Staatsarchiv vorzufinden. 

Einzig die Aussage, dass dort Raubritter lebten ist falsch. Erstmals war der Burgturm höchstens zur Zeit der Andechser bewohnt oder zu militärischen Mittel verwendet worden, aber zur Zeit der Tuchsenhauser und dem Verkauf an das Gotteshaus Feldkirchen war der Turm unbewohnt und daher für die Adelsfamilie unbrauchbar, somit wurde er verkauft. Somit lebten im Burgturm keine Raubritter. 

Der einzige Adelsherr der einen Raubadel durchführte und Reichsstädte heimsuchte, zerstörte, ausraubte  und Menschen umbrachte war Cosmas von Tuchsenahusen. Der 1521 in Worms geköpft wurde, somit war der letzte Herrscher von Fraßhausen ein Mann blutigen Handwerks und wurde wegen der Gräueltaten zur Rechenschaft gezogen. Somit bewahrheitet sich der Teil der Legenden in dem es heisst, dass die Raubritter ihrer gerechten Strafe zugeführt wurden und sie nach Frankfurt gebracht wurden und dort zu Sühne für die Schandtaten hingerichtet worden sind. Einzig ist die Stadt Frankfurt falsch, da in den Chroniken ausdrücklich von der Reichsstadt Worms die Rede ist und 1521 nur dort der Reichstag statt gefunden hat. 

Der Begriff „Raubritter wurde erst im 18. Jh. eingeführt. Nur die Machenschaften von Cosmas waren mit dem eines Raubritters vergleichbar, allerdings waren Überfalle zu dieser Zeit ein angesehen Rechtsmittel und keinesfalls strafbar waren. Nur die Heimsuchungen von anerkannten Reichsstädten wie Nürnberg, Regensburg, Passau oder Worms folgte dazu, dass Cosmas hingerichtet worden ist.


Blick auf den starkbewachsenen Burgstall


Fußnoten:

¹PONGRATZ, Stefan (2018): E-Mail zu Auskunft der Filialkirche St. Georg in Feldkirchen. 20.11.2018.

²ADRIAN-Werburg, Klaus (1963): Die Tuchsenhauser. In: Blätter des Bayerischen Landesvereins für Familienkunde, 26. Jahrgang 1963, Nr. 2, S. 301. URL: https://www.blf-online.de/sites/default/files/blf_quellen_dateien/bblf_jahrgang_26_1963_nr_2.pdf. Zuletzt geprüft: 12.07.2019.

³PAULA, Georg; Wegner-Hüssen, Angelika (1994): Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]): Denkmäler in Bayern. München, Karl M. Lipp Verlag, S. 222.


Weitere Quellen:

ALLE Burgen (o. J.): Kögl. Verschwinde Burg. Beschreibung URL: https://www.alleburgen.de/bd.php?id=34984. Zuletzt geprüft am 02.02.2019.

SCHINZEL-Penth, Gisela (2001): Sagen und Legenden um das Fünfseenland und Wolfratshausen. Andechs-Frieding, Ambro Lacus – Buch- und Bildverlag, S.264. 

URKUNDE durch Aufzeichnung von Oswald Tuchsenhauser im Jahre 1442.

WIKIPEDIA (o. J.): Liste der Baudenkmäler in Egling. Weitere Ortsteile. Feldkirchen. Katholische Filialkirche St. Georg. URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Egling#Weitere_Ortsteile. Zuletzt geprüft am 02.02.19.


Kommentar des Autors:

Dieser Artikel basiert auf eine von mir vorgenommen Heimatforschung. Mit Hilfe des Bayerischen Staatsarchiven und dem Denkmalamt konnte ich viele Informationen über den Burgstall des Kögl-Hofes sammeln. Bisher gab es zu diesem Burgstall keinerlei Informationen, daher war dies mein Anlass eine Erforschung über die Geschichte Fraßhausen im Mittelalter zu beginnen. Dieser Artikel basiert oftmals auf die Angaben in den erhaltenem Urkunden aus dem Staatsarchiv.