Nationalpark Slītere

Der Slitere-Nationalpark ist der kleinste von insgesamt vier lettischen Nationalparks. Dieser Park ist Teil des Natura-2000-Netzwerkes und befindet sich an der Nordspitze von Kurland um das Kap Kolka. Der Park setzt sich aus einem Binnengebiet (163,6 km²), sowie ein Meeres-, und Wassergebiet (101,3 km² zusammen. Ingesamt ist der Park um die 260 km² groß und wird in diversen Schutzzonen unterteilt. Einzelne Schutzgebiete sind für Besucher absolut verboten. Durch den Nationalpark führen mehrere Rad- und Wanderwege.


Geographie, Geologie und Landschaft:

Die Landschaft des Nationalparks ist sehr wechselhaft:

  • kangari (finn-urgi. für “kangars” = Hügel, Erhebung): bewaldete und lange, sowie meist parallel verlaufende Dünen, manche bis zu 15 km lang
  • vigās (finn-urg. für “viga” = unwirtlich, unbewohnbar): sumpfiges Feuchtland

Beide Landschaftsformen entstanden beim Abschmelzen des Eisschildes am Ende der Weichsel-Kaltzeit. Im Süden des Parks befinden sich die Zilie kalni (lettisch: Blauen Berge). Diese Landschaftsregion weist 35 m hohe Felsformationen auf, die zum Süden und Osten hin, fast in einem Halbkreis steil abfallen. Einst bildeten diese die Küste des Baltischen Eisstausees.


Natur:

Aufgrund der unterschiedlichen Lebensräume besteht auch eine diversifizierte Flora und Fauna mit vielen Pflanzen-, Pilz- und Tierarten, die innerhalb Lettlands oft nur hier vorkommen.

Flora und Vegetation:

Es wurden 128 Moose, 195 Flechten und mehr als 700 Pilze dokumentiert. Die Hänge der Blauen Berge sind mit Bärlauch, Eiben, Baltischem Efeu, Berg-Ehrenpreis und Schildfarnen bewachsen. In Lettland kommt die Wald-Haargerste und die Stumpfblütige Binse nur in diesem Nationalpark vor.

Fauna:

In den Kiefernbeständen lebt der größte in Lettland heimische Käfer, der Mulmbock bzw. dessen Larven vom Totholz. Der in Lettland vom Aussterben bedrohte Grüne Edelscharrkäfer ist im Nationalpark im ursprünglichen Laubmischwald mit vielen alten Bäumen und Totholz als Brutplatz anzutreffen. Die adulten Käfer ernähren sich von Blütenpflanzen, insbesondere dem Echten Mädesüß. Geschützte Amphibien und Reptilien sind die Kreuzkröte, die Europäische Sumpfschildkröte und die Schlingnatter. 125 Vogelarten brüten hier, darunter das Auerhuhn, das Birkhuhn und der Schwarzstorch sowie Fischadler, Schlangenadler, Steinadler und Uhus. Das Gebiet liegt auf dem Weg von Zugvögeln. Am Kap Kolka konzentriert sich der Durchflug: Im Frühjahr und Herbst fliegen hier teilweise mehrere zehntausende Vögel pro Stunde vorbei. Es sind 40 Säugetierarten im Nationalpark nachgewiesen, darunter der Wolf, der Luchs und der Elch. Kleinsäuger sind u. a. die Waldbirkenmaus, die Haselmaus und die Wasserspitzmaus. Der im Nationalpark häufige Biber formt durch den Bau seiner Dämme die Landschaft.


Klima: