Siebenstromland (Zhetysu)

Das Siebenstromland ist der historische Name für eine Landschaft in Zentralasien. Sie ist benannt nach den sieben Hauptflüssen Ili, Qaratal, Bien, Aqsu, Lepsi, Baskan und Sarqan. Die Landschaft ist Teil der weiten zentralen Steppen Eurasiens, daher ist diese Region sehr geschichtsträchtig und wurde durch viele Kulturen geprägt. Im 6. bis 3. Jh. v. Chr. siedelten hier die Iranischen Sakas, diese gehörten zu den Skythen, und gründeten den ersten Staat. Das staatliche Zentrum war die Landschaft Zhetysu. In der Mitte des 6. Jh. n. Chr. siedelten dort türkische Nomade.


Geographie:

Lage:

Politisch gehört das Siebenstromland heute größtenteils zu Kasachstan, die südlichen und südöstlichen Randgebiete zu Kirgisistan und zum Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang der Volksrepublik China.

Begrenzung:

Es ist eine von den Bergketten des nördlichen Tianshanund des Dsungarischen Alataus zum Balchasch-, Sassykköl- und Alaköl-See geneigte Abdachungsebene.

Landschaft:

An das südliche Flachufer des Balchaschsees schließen sich breite Sandwüsten (Taukum, Saryesik-Atyrau, Ljukkum) an, die von zahlreichen Trockentälern (Bakanas) durchzogen sind. Das im Wesentlichen mit Wüstenvegetation bedeckte Siebenstromland wird als Winterweide genutzt, nur im Nordwesten, im Bereich des wasserreichen Ili, wird Bewässerungsfeldbaubetrieben. Die Vorgebirge sind bis in 2000 Meter Höhe von lichtem Laubwald, darüber von Nadelwald bedeckt.

Scharyn-Canyon


Klima:

Das Klima im Siebenstromland (Zhetysu) ist kontinental und weist unterschiedliche Niederschlagsmuster auf. Die Balchasch-Steppe wiest extrem kalte Winter auf. Der See Balchasch ist jedes Jahr über mehrere Monat zugefroren. In den Ala-Kul-Steppen kommt es in den Wintermonate zu sehr kalten Winden, diese verursachen Schneeverwehungen. Wie über all in Kasachstan, so ist auch hier der Übergang zum Frühling sehr abrupt und die Steppen sind schnell mit blühender Vegetation überzogen. Jedoch bleibt die Blütenpracht nicht lang, da die Sonne die Steppen und Wüsten schnell verdorren lässt. Die Stadt Almaty weist das mildeste Klima der gesamten Region, sogar ganz Kasachstan auf. Aufgrund der Höhenlage werden die Temperaturen gemildert. Die Stadt Karakol (Kirgisistan) weist auch ein vergleichsweise mildes Klima auf. Naryn (Kirgisistan) liegt noch weiter oben in den Bergen und weist schon ein alpin geprägtes Klima auf.

Almaty:

Agayoz:

Bakanas:

Karakol:


Naturlandschaften und -monumente:

  • Tien Shan: das “Himmelsgebirge” erreicht Höhen von 7000 m. Der Peak Khan Tengri ist mit 6996 m fast ein 7000er und gehört zu Kasachstan.
  • Issyk-Kul: ein riesiger Bergsee im nordkirgisischen Bergland. Das Südufer ist dünnbesiedelt und weist interessante Wüstenlandschaften auf. Hinzu kommen bizarre Felsformationen und Trogtäler. Nach dem südamerikanischen Titicacasee ist der im Tianshan-Gebirge liegende See mit 6.236 km² Fläche der zweitgrößte Gebirgssee der Erde.
  • Zailijskij Ala-Tau: das “bunte Gebirge hinter dem Ili” wird das nördlichste Bergmassiv des Tian Shan genannt. Grund für die Bezeichnung sind die bunten Mischwälder der Berge in den Herbstmonaten.
  • Nationalpark Ili-Alatau: hier leben noch einige Exemplare der Schneeleoparden, aber auch Steinböcke, Archare, Braunbären, Rotwölfe, Luchse, Stachelschweine und viele seltene Vogelarten. Die Pflanzenwelt ist mit 1200 Arten vertreten.
  • Kaskelen-Tal: das Tal liegt westlich des Ili-Alatau Nationalparks. Der Üj-Tas ist das bekannteste Touristenziel. Dieser ist ein alter Jurtenstein.
  • Aksaj-Tal: breites Tal und ist im Mittellauf dicht bewaldet. Das Tal zwängt sich durch 3000er und 4000er Berge, die teils vergletschert sind.
  • Naturschutzgebiet Linker Talgar: liegt in den Ausläufern des verzweigten Massivs. Der höchste Punkt ist der Talgar mit 4973 m. Das Tal des Flüsschen Kotyrbulak zwischen Almaty und Talgar sowie die drei Täler des Linken, Mittleren und Rechten Talgar sind gut zum Wandern geeignet. Das Tal des wilden Linken Talgar zieht sich hinauf bis hinauf zu den 4000er an der Grenze zu Kirgisistan. Dort entspringt auch der Fluss. Diese Gebiet weist eine vielfältige Tierwelt auf und ist besonders geschützt.
  • Landschaften des Jesik: das Jesik-Tal ist malerisch bewaldet. Dort liegt auch der Jesik-See. Der See weist eine milchigblaue Farbe auf und wurde früher “Perle des Tian Shan” genannt.
  • Turgen-Tal: malerisches Tal im Zailijskij-Alatau des Flusses Turgen. Es beginnt am Assy-Hochplateau und ist 44 km lang. Wilde Bergbäche münden in den Fluss und eine reiche Flora überziehen eine wunderbare Landschaft. Eine Besonderheit stellt die Tschinturgenskije Jel’niki dar, einen Moosfichtenwald an einem Gletscher.
  • Kungej-Alatau: dieser Bergrücken liegt jenseits des Zailijskij-Alatau. Der Großteil liegt in Kirgisistan. Im Gebiet Uzunbulak/Zhalanasch, wo die Kette des Zailijskij-Alatau immer niedriger wird und schließlich mit den welligen Vorbergen und der Ebene verschmilzt, tritt der Kungej-Alatau jedoch vor den Zailijskij-Alatau.
  • Scharyn-Canyon: das “kasachische Colorado-Plateau”: ein Canyon aus rotem, orangen und ockerfarbenen Sandstein, der vom smaragdgrünen und wilden Scharyn durchflossen wird.
  • Khan Tengri: der “Herrscher des Himmels”, so lautet der Name des höchsten Berges Kasachstans. Der Riese weist eine Höhe von 7010 m auf. Aus mythologischer Überlieferung wird der Berg als Sitz des Gottes Tengri angesehen. Er ist der Beherrscher aller überirdischer Wesen. Hier liegt auch der 60 km lange Inyltschek-Geltscher.
  • Zhongar Alatau: nach der russischen Schreibweise wird das Massiv “Dzhungarskij Alatau” genannt. Dieser erstreckt sich über 300 km bis an die Grenzen zu China. Der höchste Berg ist der Semjonow Tienschanskij mit 4622 m. Die Berglandschaft mit ihren Gletschern und schwerzugänglichen Gipfeln ist eine wahre Wildnis.
  • Ili-Tal: das Tal des Hauptflusses des Siebenstromlandes fliesst durch ein gigantisches Tal, das einer Ebene gleicht. Der Fluss ist fischreich und wird von unterschiedlicher Landschaft begleitet.
  • Ili-Delta: das Delta wird durch tausende kleiner und großer Seen geprägt. Das Flussufer ist durch Sandbanken geprägt. Die Wüstendünen bilden mit den Lilienwiesen, Tugajwäldern und Schilfgürteln einen Kontrast der natürlichen Gegensätze.
  • Nationalpark Altyn Emel’: ein strenges Kontinentalklima und die unterschiedlichen Landschaften, sowie die atemberaubende Natur bilden eine Symbiose und machen den Nationalpark zu einem wahren Paradies. Hier findet man grüne Flusslandschaften, gigantische Sanddünen und glühende Canyons vor.
  • “Singende Dünen”: diese Düne ist drei Kilometer lang und 180 m hoch. Sie besteht aus feinsten Wüstensand, mitten in der Steppe. Der Name kommt daher, dass wenn man über den Kamm läuft, aus der Tiefe bisweilen ein Summen und Dröhnen, wie bei einem Start eines Flugzeuges oder ein monotones Orgelgeräusch vernehmen kann.
    “Weißen und Rote Berge”:
      am östlichen Rand des Altyn-Emel-Nationalparks eine bunte Gesteins- und Felslandschaft vor. Grundfür die Färbung ist der Gips. Die Aktau (Weißen Berge” bestehen aus Gipfskristalle und wurden vor dem Abbau durch Baufirmen verschont und geschützt. Die Katutau, die “roten Berge”, weisen rot-violette Berge auf.
  • Balchaschsee: Der bis zu 18.428 km² große See liegt in einem Becken zwischen der Kasachischen Schwelle und dem Siebenstromland. Er hat eine längliche, halbmondähnliche Form. Das stark zergliederte Südufer ist durch zahlreiche Inseln und Halbinseln geprägt.  Sein Ostteil ist stark salzhaltig (> 7 %), der Westteil enthält Süßwasser beziehungsweise nur leicht salzhaltiges Wasser (0,5-1,5 %) – abhängig von den Schwankungen des Wasserstandes. Der geringe Salzgehalt des Westteils wird durch seine großen Zuflüsse und durch den unzureichenden Wasseraustausch zwischen West- und Ostteil verursacht.
  • Alaköl-Senke: 300 km lang und 60 km breit ist die Senke. Die Landschaft ist eintönig, flach, karg und spärlich bewachsen. Die Winde können im Herbst bis zu 100 km/h erreichen. In der Senke liegen einige Steppenseen.