Reichertshauserer Tal

Das Reichertshauserer Tal ist ein etwa acht Kilometer langer, überwiegend bewaldeter Geländeeinschnitt im bayerischen Voralpenland zwischen Föggenbeuern bei Dietramszell und Egling, dessen Namen im Laufe der Zeit offenbar in Vergessenheit geriet.


Geographie und Landschaft:

Karte des Trockentales

Der Geländeeinschnitt beginnt südlich von Föggenbeuern und schlängelt sich sechs Kilometer fast genau nordwärts, um in der Nähe von Fraßhausen und Wörschhausen nach Westen abzuknicken. Ab hier wurden Anfang des 18. Jahrhunderts vom Abt des Klosters Schäftlarn die drei Thanninger Weiher zur Fischzucht angelegt. Diese werden aus dem Moosbach gespeist, der im Reichertshauserer Tal wenige hundert Meter oberhalb des ersten Weihers im Bereich des Frauenholz’entspringt. In Egling endet das Tal.

Orte im Tal:

  • Reichertshausen (Egling), Thalweber, Thanning, Egling

Angrenzende Orte:

  • Dietramszell: Wallfahrtskirche St. Leonhard, Föggenbeuern, Hölching, Reuth, Linden, Fraßhausen
  • Egling: Wörschhausen, Bullreuth, Öhnböck, Feldkirchen

Moorflächen und Feuchtwiesen des Reichertshauserer Tal:

Das Reichertshauserer Tal ist ein 8 km langes Tal, das vom Moosbach durchflossen wird und in dem die Thanninger Weiher liegen. Auffälligen sind die vielen Feuchtwiesen, -gebiete und Moorflächen die im Tal verstreut liegen. Das Tal beginnt südöstlich von Föggenbeuern, im Wald zwischen dem Ort und der Wallfahrtskirche St. Leonhard bei Dietramszell. Das Ende des Tales liegt bei Egling in Richtung Ascholding. Dazwischen liegen verstreut viele Moor- und Feuchtwiesen. Die größten Moorflächen befinden sich in der Umgebung und zwischen den Thanningern Weihern.
Eine weitere Feucht- und Streuwiese befindet sich zwischen den Weihern und der Siedlung “Thalweber” (Lage der Lokalität: 47.911626, 11.563306). Der Moosbach entspringt in einer riesigen Feuchtwiese südöstlich der Thanninger Weiher (Lage der Lokalität: 47.916904, 11.563774). Südöstlich von Föggenbeuern liegt ein kleiner Tümpel mit umgebenden Schilfgürteln und Feuchtwiesen (Lage der Lokalität: 47.873601, 11.569070)

Reichertshausen


Geschichte:

Auf der Landesvermessungskarte des Königreichs Bayern von 1877 ist das Trockental als Reichertshauserer Thal bezeichnet. Namensgebend war der mittlerweile zu Egling gehörige Ort Reichertshausen. Heute weisen noch Straßennamen Im Thal und der Einzelhof Thalweber auf die vergessene Bezeichnung hin. Die Weiher wurden Anfang des 18. Jahrhunderts vom Abt vom Kloster Schäftlarn zur Fischzucht angelegt. Im hohen bis spätem Mittelalter stand beim Kögelhof (Fraßhausen) ein Burgturm mit samt Sedelhof. Dieser war ein Adelssitz der Fraßhausen, später wurde er von den Tuchsenhauser übernommen. Der Burgturm wurde abgetragen, somit findet man heute jegliche einen Burgstall vor. Der Burgberg befindet sich unmittelbar hinter dem  heutigen Kögel-Hof.

Egling:

Egling wurde 804 erstmals erwähnt. Das Kloster Tegernsee besass die Grundherrschaft in der Gemeinde und besetzte die Pfarrei Egling. Die Eglinger, das Ortsadelsgeschlecht, sind vom 13. bis 15. Jahrhundert nachweisbar. Diese starben um 1511/15 aus. Egling gehörte den Landgericht Wolfratshausen im Kurfüstentum Bayern an.

Föggenbeuern:

Im Jahr 1000 wurde auf den angelegten Tegernseer Entfremdungslisten, der Ort Föggenbeuern erwähnt. Laut der statistischen Beschreibung für das Jahr 1574, gehörte Föggenbeuern dem Amt Thanning des Landgerichts Wolfratshausen an. Anteil an das Dorf hatten das Kloster Tegernsee und Dietramszell. Andere Teile gehörten der Kirche Thannkirchen und Biberg an. Als Eigentümer wurde auch ein Niclas von Vögkenbeuren erwähnt.

Fraßhausen:

1286 wurde der Ort als “Vrauwelshausen” erwähnt. Abt Heinrich III. belehnte Ulrich dem Ascholdinger mit dem Hof zu Vrauwelshausen. Fraßhausen war Ministerialensitz der Andechser Grafen. Später kam der Sedelhof mit Burgturm im Besitz der Fraßhauser, dann der Tuchsenhauser. Durch Oswald dem Tuchsenhauser wurde der Sedel zu Fraßhausen ein Edelsitz. 1430 fiel der Sedel von den Fraßhausern auf die Tuchsenhauser. Nach dem Verschwinden der Tuchsenhauser, fiel das Gut und Sitz Fraßhausen an das Bayerische Herzogtum.

St. Coloman von Reichertshausen

Hans Uhrmüller erwarb Fraßhausen. Seither galt der Sedel als Hofmark und wechselt die Besitzer, darunter die Familien Fendt, Ligsalz und Barth. Den einstigen Sedel stellt heute der Kögl-Hof dar. Noch heute ist der Burgstall des ehemaligen Burgturms erhalten (→ Burgstall Fraßhausen).

Reichertshausen:

Im Jahr 1000 wurde auf den angelegten Tegernseer Entfremdungslisten, der Ort Reichertshausen erwähnt. Die Kirche St. Coloman wurde 1517 errichtet. 1574 bestand laut der statistischen Beschreibung, der Ort mit Anwesen des Eigentums vom Kloster Dietramszell, der Pfarrei und Kirche Thannkirchen sowie der Kirche Warngau.

Reuth:

Auch der Weiler Reuth wurde 1574 in der statistischen Beschreibung erwähnt. Dieser lag im Besitz des Klosters Tegernsee. Die Weilerkapelle von Reuth wird auf das Jahr 1851 bezeichnet.

Thalweber:

Thanning (Egling)

Noch heute ist das ehemalige Bauernhaus des Einzelhofes erhalten. Dieses stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jh.

Thanning: 

Thanning wurde 769 erstmal erwähnt. Ab 1075 war Thanning Grafensitz der Andechser Grafen. Über seine Frau Justitia von Babenberg erbte Otto II. von Wolfratshausen auch die Grafschaft Thanning. Die Pfarrkirche wurde 1774 nach einem Brand neu errichtet.


Gewässer im Trockental:

Thanniger Weiher:

Die Thanninger Weiher liegen in der Nähe von Thanning (Egling), Fraßhausen (Dietramszell) und Feldkirchen (Egling). Den Zu- und Abfluss bildet der Moosbach, dieser entspringt in den sumpfigen Wiesen beim den Weihern. Die Weiher liegen im Schnitt 646-647 m ü. NN. Die Weiher haben eine maximale Tiefe von 3 m, wobei die zweigrößten am flachsten sind. Der Weiher, der zum Baden geduldet wird, stellt den tiefsten Weiher dar. Die mittlere Tiefe beträgt 2 m. Die Seen sind mit Karpfen, Schleien, Hechten, Zander, Europäischer Aal, mehreren Weißfischarten und Forellen besetzt. Im Wasser tummeln sich neben Fischen noch Wasservögel, diese nisten im Schilfgürtel des größeren Weiher.

Moosbach:

Der Moosbach ist ein knapp 11 km langer rechter Zufluss der Isar im oberbayrischen Oberland. Die Quelle liegt auf 650 m im Reichtertshausener Tal, oberhalb des oberen Thanninger Weiher, auf der Höhe von Fraßhausen. Zuerst durchfliesst der Moosbach ein großes Schilfgebiet, um schließlich zu den Thanninger Weihern aufgestaut zu werden. Ingesamt bildet der Moosbach drei Weiher. Daraufhin fliesst er durch Thanning weiter bis nach Egling. Von der Quelle bis nach Egling entwässert der Moosbach das Reichertshausener Tal. Ab Egling macht der Bachlauf einen Knick nach Süden und verläuft durch ein breites Tal bis nach Ascholding, um schließlich mit einem westlichen Knick in die Isar zu münden.


Vegetation im Tal:

 

 

 


Tal bei Föggenbeuern

Tal zwischen den Weihern und Thalweber, an der Forststraße vom Kögel (Fraßhausen) nach Feldkirchen (Egling).

Thalweber

Moorgebiet der Thanninger Weiher