Sibirien

Sibirien stellt einen Mythos dar, selbst im europäischen Russland. Im westlichen Russland überwiegt das Bild, dass in Sibirien noch “richtige Russen” leben, also jene Russen die sich unverfälscht erhalten haben, großzügiger sind, gastfreundlicher und über einen weiteren Horizont verfügen. Seit dem 18. J. überwiegen die eingewanderten Russen die Urbevölkerung. Von hier stammen auch die freiheitsdurstigen Kosaken. Selbst das Leben mit der eisigen Kälte macht den Sibirjaken nichts aus und wissen die extremen Temperaturen zu nutzen: aus Flüssen werden Straßen oder Autobahnen, Nahrung wird im Garten eingefroren und Milch wird in gefrorener Form verkauft.


Geographie:

Sibirien erstreckt sich jenseits des Urals, also östlich des Gebirges. Das Gebiet hat eine Breite von 7000 km und erstreckt sich über fünf Zeitzonen. Von Ost nach West, also vom Ural bis zum Pazifik, und vom Nord nach Süd, also vom Arktischen Ozean bis nach Kasachstan, China und zur Mongolei. Allein zwei Drittel Russlands wird von Sibirien eingenommen. Insgesamt hat die Großlandschaft eine Fläche von 9,6 Mio. km². Trotz der umfassbaren Größe leben hier nur 20% der Gesamtbevölkerung Russlands. Meist leben die Menschen in den Städten, somit ist der Großteil von Sibirien durch endlose Wildnis geprägt. Die meisten Ortschaften sind nur über den Schienenverkehr, mit Schiffen und per Flugzeug erreichbar.

Sibirische Förderationskreis:

Sibirien liegt in der Verwaltungseinheiten Sibirien und Ferner Osten, wobei letztere sich nicht gern als Sibirien bezeichnet, dennoch liegen in Jakutien (Ferner Osten) die typischen sibirischen Städte, wie Jakutsk oder Werchojansk. Hier liegt auch der Kältepol der Erde, das kleine Dorf Oimjakon. Der Förderationskreis Sibirien beansprucht nur die Hälfte von ganz Sibirien. In diesem Förderationskreis liegen die Großlandschaften, wie das Westsibirische Tiefland, das Nordsibirische Tiefland, das Mittelsibirische Bergland zwischen Jenissei und Lena und das Südsibirische Gebirge. Der Rest von Sibirien liegt im Förderationskreis Ferner Osten.

Großlandschaften:

Im allgemeinen Sprachgebrauch ist Sibirien der zu Russland gehörende Norden Asiens vom Uralgebirge bis zur Küste despazifischen Ozeans. Es erstreckt sich in west-östlicher Richtung zirka 7000 Kilometer weit vom Ural bis zu den Gebirgen der pazifischen Wasserscheide. Von Norden nach Süden umspannt es etwa 3500 Kilometer vom Arktischen Ozean (Nordpolarmeer) bis zum Kasachischen Hügelland und der Grenze zur Mongolei und zur Volksrepublik China. Sibirien lässt sich grob in sieben Großlandschaften einteilen:

Westsibirisches Tiefland:

Das Westsibirische Tiefland ist eine Ebene zwischen dem Ural und dem Fluss Jenissei.

Nordsibirisches Tiefland:

Das Tiefland liegt in der Nähe des Arktischen Ozeans und erstreckt sich von der Mündung des Jenessei bis zur Mündung der Lena.

Mittelsibirisches Bergland:

Abgesehen vom Putorangebirge, ist das Mittelsibirisches Bergland unter 1000 m hoch. Im Süden grenzt es an das Nordsibirisches Tiefland und liegt zwischen Jenissei (Westen) und Lena (Osten).

Mitteljakutische Niederung:

Die Niederung bezieht den Flussverlauf der Lena mit ein. Es liegt zwischen dem Mittelsibirischem Bergland im Westen, und dem Südsibirischen Gebirge und Ostsibirischem Bergland im Osten.

Südsibirisches Gebirge:

Das Südsibirische Gebirge ist eine Gruppe von Hochgebirgen. Es liegt südlich vom Mittelsibirischem Bergland und Mitteljakutischer Niederung. Im Westen grenzt es an die Dsungarischen Pforte und im Osten an das Ochotskischem Meer. Im Süden grenzt es an die Mongolei und durch das Tal des Amur wird es von der chinesischen Mandschurei getrennt und durchschnitten. Das Gebirge erreicht eine Höhe von 4056 m (Belucha im Altai). Nahe der Pazifikküste erreicht das Gebirge nochmals über 2000 m.

Ostsibirisches Bergland:

Als Ostsibirisches Bergland bezeichnet man mehrere über 2000 m hohe Gebirgszüge, die sich ohne trennenden Einschnitt an das Südsibirische Gebirge anschließen. Das Bergland liegt östlich des Mitteljakutischer Niederung und der Lena. Im Norden liegt es am Ochtskischen Meer und westlich des Beringmeeres. Als Ausläufer diese Berglandes stellt die etwa 1200 km lange Halbinsel Kamtschatka dar, sie ragt südwärts in den Pazifik und trennt das Ochtskische Meer von der Beringmeer.

Ostsibirisches Tiefland (mit Jana-Indigirka-Tiefland und Kolyma-Tiefland):

Im Westen, Süden und Osten ist das Tiefland vom Ostsibirischen Bergland umschlossen.


Klima:

Umso weiter man nach Osten gelangt, umso kälter und extremer wird das Klima. In ganz Sibirien herrschen extreme Temperaturschwankungen zwischen Winter und Sommer. Die Temperaturen können von -72°C bis +40°C reichen. Die Großstadt Jakutsk (Republik Sacha {Jakutien} – Ferner Osten) ist die kälteste Großstadt der Erde. Hier liegt die Temperaturdifferenz bei 100°C. Im Winter wurden hier schonmal -60°C gemessen und im Sommer reichen die Spitzenwerte bis zu +40°C. Aufgrund der Wärme und Hitze im Sommer und dem feuchten Boden schwirren Milliarden von Mücken und Moskitos in der Luft.


Natur:

Fauna:

Zu den meist vertretenden Tierarten Sibiriens gehört der Fuchs, Braunbär, Marder, Wiesel, Zobel, Dachs, Iltis und der Hermelin. An den Gewässern und Küsten leben Otter und Robben. Gen Norden nimmt die Artendichte der Landtierarten deutlich ab. Allerdings sind in den polaren Region die wenigen Arten sehr zahlreich vertreten. Zu den typischen arktischen Tierarten zählt der Moschusochse, das Rentier, der Polarfuchs, der Schneehase, das Walross und der Eisbär. Wasservögel sind ebenso stark vertreten, wie Lummen, Alken, Seeschwalben und Wildenten. Zu den zahlreichen Fischarten zählen Heilbutt, Hering, Kabeljau, Lachs und Lodde. Zu den Meeressäugetieren werden Robben, Seehunde und Walrosse gezählt. Eine besondere Fauna lebt im südsibirischen Gebirge, genauer gesagt im Altai- und Sajangebirge. Hier leben die seltenen Riesenwildschafte, Maralhirsche und Schneeleoparden.

Vegetation:

Im Norden liegt am Arktischen Ozean die Zone der Eis- und Frostschuttwüsten. Weiter südlich schliesst sich die 200 bis 800 km breite Tundra an, diese stellt die Vegetationszone der Kältesteppen dar. Diese Zone liegt jenseits des Polarkreises. Hier herrschen Gräser, Moose, Flechten und niedrige Stauden. Am Übergangsgebiet zur Taiga, wachsen in der Tundra spärliche Wälder aus niedrigen Kriechbirken und Weiden. Der Boreale Nadelwald bedeckt einen 1000 bis 2000 km breiten Streifen und bildet eine Linie, die sich nördlich von St. Petersburg, Ufa, Irkutsk und Sachalin erstreckt. Die Wälder bestehen zumeist aus Kiefern, Fichten und Tannen (Westsibirien), während im Ostsibirien maßgeblich die Lärche die dominante Baumart ist. Die Birke macht immerhin ein Fünftel der Taiga im westlichen Sibirien aus, während sie im Osten nur selten zu finden ist. Noch weiter südlicher geht der Nadelwald in Laub- und Mischwälder über. Diese Waldvegetation findet man in der Ebene von Tscheljabinsk und Krasnojarsk, sowie im Amur-Gebiet vor. In der Region um Tuwa gedeiht eine kaltgemäßigte Steppenvegetation.

  • arktisches Klima: Eis- und Frostschuttwüsten – keine Vegetation
  • subarktisches Klima: Tundren (Kältesteppen) – Gräser, Moose, Flechten, Stauden, Kriechbirken, Weiden
  • kaltgemäßigtes Klima: borealer Nadelwald – Kiefern, Tannen, Fichten, Birken, Lärchen
  • kühlgemäßigtes Klima: Laub- und Mischwälder – Korea-Kiefern, Eichen, Breitlaubbäume

Geschichte: