Galicien

Galicien ist eine autonome Gemeinschaft im Nordwesten Spaniens. Die fruchtbare, grüne Region grenzt an den Atlantik. Die Kathedrale der Hauptstadt Santiago de Compostela soll angeblich die sterblichen Überreste des biblischen Apostels Jakobus des Älteren beherbergen und bildet den Endpunkt des Pilgerwegs Camino de Santiago. In Galicien liegt das Ziel des sowohl kulturell als auch touristisch bedeutenden Jakobsweges, der Pilger und andere Interessierte zu Fuß, mit dem Rad oder dem Auto bis nach Santiago de Compostela führt. Die Felsen am Kap Finisterre im äußersten Westen der Region galten bei den Römern als das Ende der bekannten Welt.

Provinzen:

Sie gliedert sich in die vier Provinzen A Coruña, Lugo, Ourense und Pontevedra.

Städte:

Bedeutende Städte sind A Coruña, Ferrol, Lugo, Ourense, Pontevedra, Santiago de Compostela und Vigo.


Geographie:

Im Norden grenzt Galicien an das Kantabrische Meer, im Westen an den Atlantischen Ozean. Im Süden grenzt es an Portugal und im Osten an die spanischen autonomen Gemeinschaften Kastilien-León und Asturien.

Gebirge:

Prägend für die Region sind hohe Bergketten, die Galicien vom Rest Spaniens abschotten. Mehr als die Hälfte des Gebietes liegt über 400 Metern hoch. Die höchste Erhebung ist mit 2127 Metern die Peña Trevinca.

Küste:

Der ausgeprägte Küstenverlauf Galiciens mit einer Gesamtlänge von rund 1659 Kilometern, von denen über 800 Kilometer aus Steilküste und rund 300 Kilometer aus Strandabschnitten bestehen, umfasst rund ein Drittel der spanischen Atlantikküste. Charakteristisch für Galiciens Küste sind die Rías, schlauch- und trichterförmige, fjordähnliche Flussmündungen, in die das Meer eingedrungen ist.

Rías:

Im Gegensatz zu Fjorden weisen die Rías allerdings nur eine geringe Tiefe auf. Unterschieden werden die Rías Baixas (span. Rías Bajas) und die Rías Altas. Die Rías Altas im Norden reichen von Ribadeo bis A Coruña. Die Rías Baixas reichen vom Kap Finisterre (galic. Cabo Fisterra) bis zur portugiesischen Grenze. Hauptunterscheidungsmerkmal der beiden Küstenabschnitte ist die jeweils sehr spezifische Küstencharakteristik. Während die Rías Baixas sanft ins Meer laufen, ist der Verlauf der Rías Altas wesentlich steiler. So finden sich an den Rías Altas auch die höchsten Kliffs des europäischen Kontinents. Diese liegen an der Serra da Capeladanordöstlich von Ferrol, und erreichen eine Höhe von 620 Metern. Die größte Ría ist die zu den Rías Baixas gehörende Ría de Arousa. Diese hat eine Länge von 37 Kilometern und eine Tiefe von maximal 69 Metern. Auffällig sind die zahlreichen Holzflöße, an denen Miesmuscheln gezüchtet werden.

Waldlandschaften:

Charakteristisch für Galicien sind überdies die weitläufigen Wälder, die zum Teil aus angepflanzten Eukalyptusbäumen bestehen. Das Waldgebiet in der Autonomen Gemeinschaft entspricht etwa 30 Prozent des Gesamtwaldbestandes in Spanien.

Flüsse:

Die Flüsse, die direkt Richtung Atlantik fließen, sind naturgemäß recht kurz; den wichtigsten Fluss im Inneren Galiciens stellt der Rio Miño dar. Dieser fließt durch Lugo und Ourense, sowohl durch diese Provinzen wie durch ihre namensgebenden Hauptstädte, und hat im Río Sil einen bedeutenden Nebenfluss.


Klima:

Das Klima in Galizien ist ein ozeanisch geprägtes Klima mit ganzjährig milden Temperaturen. Im Landesinneren sind die klimatische Verhältnisse deutlich kontinentaler geprägt, als im Küstenhinterland. An der Küste selbst findet man ein ausgewogenes Klima vor mit sehr milden Jahrestemperaturen. Die Winter sind kühl (Inland) und mild (Küste) mit wenig Frosttagen und Schneefall. Die Sommer sind angenehm warm und halbwegs trocken. Die Niederschlagsmenge ist sehr hoch, mit Ausnahme der Sommermonate. Mengen von über 250 mm im Winter pro Monat sind nicht ungewöhnlich. Die heissesten Sommertemperaturen werden in der Stadt Ourense und deren Umland gemessen. Hier liegen die sommerlichen Tagestemperaturen bei +30°C. Die mittlere Sonnenscheindauer liegt bei 1.989,4 Stunden pro Jahr.

Temperaturen:

Die mittleren Temperaturen an der Küste liegen im Jahresdurchschnitt in A Coruña bei 13,8 °C und in Vigo bei 14,7 °C. Im Binnenland erreicht Ourense 14 °C. In den Bergen liegen die Durchschnittstemperaturen deutlich darunter, so etwa bei 9,7 °C im „Alto de Rodicio“ oder 8 °C in „Pedrafita do Cebreiro“.

Niederschlag:

Der Nordwesten Galiciens weist rund 150 Regentage im Jahr auf und ist damit die regenreichste Region Spaniens. Diese Zahl reduziert sich zunehmend in Richtung Südosten. Hier werden rund 100 Regentage und weniger im Jahr registriert. Am regenintensivsten sind in abnehmender Reihenfolge der Winter, der Herbst und der Frühling. Die mittlere Niederschlagsmenge liegt bei 1.404,8 l/m².

Wetterphänomene und Winde:

Das feuchte Klima, häufige Nebel und Winde sowie die grüne bergige Landschaft – insbesondere im Herbst und im Winter – lassen Assoziationen mit Irland oder der Bretagne aufkommen.

Baiona:

Lugo:

Ourense:

Vigo:


Wichtigsten Städte und Kulturelle Zentren:

Zu den größeren galicischen Städten gehören Santiago de Compostela, A Coruña, Pontevedra, Vigo und Lugo. Noch weiter im Inland liegt die Stadt Ourense. Zu den wichtigsten Industriestädten gehört Ferrol.

A Coruña:

Diese Stadt ist mit knapp 250.00 Einwohner die zweitgrößte Stadt Galiziens. Zudem besitzt die Stadt auch mit den größten Hafen der Region. Das Zentrum der Stadt ist sehenswert, während die umliegenden Vorstädte eher abschreckend sind. Die Stadt trägt den Beiname “Ciudad de Cristal” (Kristiallstadt), da die vielen vergasten Balkone (galerías und mirradores) im Sonnenlicht blitzen und sich gegenseitig spiegeln. Die Paseo Marítimo ist eine freundlich Promenade und beherbergt viele Museen, wie das Museo Domus. Ein weiteres Museum ist das Casa de los Peces (Haus der Fische), das ein Aquarium aufweist und den Naturraum des Meeres.

Kloster Oia:

Das möglicherweise bereits im 7. Jahrhundert errichtete Kloster wurde 1185 dem Zisterzienserorden angeschlossen. Es unterstellte sich der Primarabtei Clairvaux. Die Stiftung soll bereits durch Alfons VII. erfolgt sein und wird auf die Zeit um 1132 datiert. Im Jahr 1547 schloss es sich der kastilischen Zisterzienserkongregation an. In verschiedenen Aktionen des Seekriegs im 17. und 18. Jahrhundert spielte das Kloster eine Rolle. Die Säkularisation der Regierung Mendizábal brachte 1836 das Ende des Klosters. Die Kirche wurde zur Pfarrkirche und das Kloster kam in private Hände. Von 1910 bis 1932 nutzten portugiesische Jesuiten das Kloster. Die Kirche wurde 1931 unter Denkmalschutz gestellt. Im Spanischen Bürgerkrieg diente das Kloster als Gefängnis. Die Kirche wurde ab 1190 errichtet. Sie ist eine dreischiffige Anlage zu vier Jochen in Form eines lateinischen Kreuzes mit Querschiff und rechteckigem Chor. Die je zwei Kapellen an der Ostseite des Querschiffs sind leicht gestaffelt angeordnet. Der Raum unter der Westempore ist mit einem gotischen Rippengewölbe versehen. Die Kirche hat eine Barockfassade. Die nördlich der Kirche gelegenen Klostergebäude wurden in den letzten Jahren renoviert. Das Kloster Oia (spanisch Oya oder Santa María la Real de Oia) ist ein ehemaliges Zisterzienserkloster in der Provinz Pontevedrain Galicien in Spanien. Es liegt in der Gemeinde (Concello) Oia in der Comarca O Baixo Miño zwischen Baiona und A Guarda fast unmittelbar an der Atlantikküste der Rías Baixas rund 14 km nördlich der Grenze zu Portugal.

Pontevedra:

Das Zentrum Pontevedras bildet die von drei Plätzen umgebene Plaza Ferrería. Der Name stammt von den Eisenschmieden, die vor langer Zeit unter den Kolonnaden ihrer Arbeit nachgingen. Zusammen mit dem berühmten Brunnen Ferrería und dem Konvent San Francisco bilden sie einen für die Stadt charakteristischen Komplex. Die Basilika Santa Maria mit ihrer Plateresco-Fassade veranschaulicht die Macht der Fischereizunft und der Handelsschifffahrtsvereinigung (Gremio de Mareantes), die sich besonders in der Vorstadt Moureira konzentrierten. Pontevedra als Hauptstadt des portugiesischen Jakobsweges war außerdem ein obligatorisches Etappenziel für viele Millionen Pilger, die sich an dem Brunnen Ferrería erfrischten. Die Virxe Peregrina (jungfräuliche Pilgerin) symbolisiert die enge Verbindung der Stadt mit dem Jakobuskult. Die Kirche der Schutzpatronin dieser Stadt ist eine originelle Konstruktion des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Ihr Stil ist eine Symbiose aus Barock und Neoklassizismus mit deutlich portugiesischem Einfluss. Sie hat einen runden, einer Jakobsmuschel ähnelnden Grundriss. Kunstliebhabern bietet sich ein Besuch des Provinzmuseums an. Es umfasst fünf Gebäude und beherbergt eine wertvolle Sammlung keltischer Goldschmiedearbeiten und Utensilien des Neolithikums so wie eine Gemälde- und Bernsteinsammlung. Weitere sehenswerte Monumente sind die Kirche San Bartolomeo, das Kloster Santa Clara, das Kloster San Francisco und die Ruinen der Kirche San Domingos. In den Außenbezirken der Stadt befindet sich das Benediktinerkloster Lérez, dessen Kreuzgang aus dem 16. Jahrhundert zum Teil noch erhalten ist. Seine neoklassizistische Kirche mit der barocken Fassade stammt aus dem 18. Jahrhundert. Bezüglich der höfischen Architektur sind die Pazos (Adelsstammhäuser) erwähnenswert. Empfohlen ist ein Besuch in der Casa del Barón (früher Pazo de Maceda), welche heute ein ParadorNational ist und Besuchern offensteht. Weitere Pazos sind Gandarón und Miradores in Salcedo, der Pazo Lourizán, der Pazo Pedreira in Campañó und das Herrenhaus Santa Maria in Xeve hervorzuheben.

Santiago de Compostela:

Santiago ist die schönste und berühmteste Stadt Galiziens. Sie ist der Hauport und das Ziel des Jakobsweges. Hier befinden sich sehr viele Kirchen und Klöster. Hinzu kommen viele Plätze und Arkadengänge, die von hohen Kathedralen überragt werden. Die Stadt zählt auch zur feuchtesten Stadt Spaniens. Santiago de Compostela ist die Hauptstadt der nordwestspanischen Region Galicien. Bekannt ist die Stadt vor allem als Endpunkt des Jakobswegs (Camino de Santiago) und als vermeintlicher Begräbnisort des biblischen Apostels Jakobus, dessen sterbliche Überreste in der 1211 eingeweihten Catedral de Santiago de Compostela aufbewahrt sein sollen. Die Kathedrale liegt innerhalb der mittelalterlichen Mauern der Altstadt, ihre mit kunstvollen Schnitzereien verzierten Steinfassaden grenzen an herrschaftliche Plätze.

Vigo:

Vigo ist eine Stadt an der Nordwestküste Spaniens. Die Mündung der Meeresbucht Ría de Vigo wird durch die Inselgruppe Illas Cíes geschützt, die Teil des Nationalparks Islas Atlánticas de Galicia sind. Die Illas Cíes sind auch bekannt für ihre reiche Vogelwelt und den halbmondförmigen Strand von Rodas, der 2 der Inseln miteinander verbindet. In der Altstadt steht die neoklassizistische Kirche Concatedral de Santa María, während in der Ausgrabungsstätte Castro de Vigo antike Siedlungen rekonstruiert sind.


Naturlandschaften und -monumente:

Islas Atlánticas Nationalpark:

Der Islas Atlánticas Nationalpark gehört zu den schönsten Naturlandschaften am europäischen Atlantik. Der Nationalpark besticht durch seine traumhafte Küstenlandschaft und der atemberaubenden Vielfalt der Unterwasserwelt. Der Nationalpark schützt die Atlantikküste vor Galiziens und die Inselgruppen der Illas Cíes, Illas Ons, die Inseln Sálvora und Cortegada sowie diverse kleinere Eilande. Er beinhaltet 12 km² Land- und 72 km² Meeresfläche. Er ist der einzige Nationalpark Galiciens und wurde als dreizehnter seiner Art in Spanien im Jahr 2002 gegründet.

Ríaküste:

Die Ríaküste gehört zu den bizarrsten und spektakulärsten Küsten Europas. Die Küstenlandschaft ist geprägt von fjordartigen Mündungsgebieten der Flüsse, in denen sich das Flusswasser mit dem Meerwasser vermischt und somit ein brackiger Lebensraum  für Tier- und Pflanzenarten. In einigen Rías liegen bedeutende Hafenstädte, wie Vigo und La Coruña. Die Ríasküste lässt sich in drei Teilgebiete einteilen:

  1. Rías Altas: liegt im Norden zwischen Eo-Mündung und der Ria von  La Coruña, die Küste ist 240 km lang, Küstenlandschaft wird geprägt von bizarren und felsigen Riffs. Einbuchtungen sind hier seichter und kürzer als den südlicheren Rías.
  2. Rías Gallegas: liegt südlicher und weist ein wärmeres Klima auf, sie liegt südwestlich von La Coruña.
  3. Rías Bajas: die Fjorde graben sich bis zu 70 km weit ins Landesinnere hinein, die Mündungsgebiete können eine breite bis zu 30 km aufweisen, wie zwischen Corcubion und Vigo.