Everglades

Die Everglades sind eine brettflache Ödnis aus Wasser, Schlamm, Mangroven, Seerosen und Alligatoren, die hier so zahlreich und frech herumschwimmen wie andernorts die Enten im Stadtparkweiher. Einst lebten Indianerstämme wie die Miccosukee auf kleinen Inseln mitten in den Everglades. Sie fingen Fische und Frösche, bewirtschafteten ein Gärtchen und bekamen den weißen Mann nie zu Gesicht. Die Indianer sprachen auch mit den Tieren, und wenn sie mit dem Kanu unterwegs und zu müde zum Rudern waren, warfen sie einem Delphin eine Schnur zu und überredeten ihn, das Boot zu ziehen. Heute benutzen sie ein Airboat, eine Art Stahlwanne mit Sitzbänken und Flugzeugpropeller, mit dem man auch über knöcheltiefes Wasser gleiten kann. Überhaupt hat sich vieles geändert in den Everglades. Die Miccosukee betrieben jetzt für Touristen ein Indianerdorf, in dem sie ihr traditionelles Handwerk vorführen und als Höhepunkt des Spaßprogramms ein „Alligator Wrestling“ zeigen. Dabei zupft ein junger Kerl schläfrige Alligatoren am Schwanz, um sie zu Kunststückchen zu animieren. Oder er setz sich auf ihren Ruücken und speilt Tretauto. Es ist nicht alles Fortschritt auf dieser Welt.

Was oft aussieht wie ein Sumpf, ist in Wahrheit ein Fluss: Die Everglades, diee vom Loxahatchee National Wildlife Reserve im Norden bis an die Südspitze Floridas reichen, sind ein gewaltiger, träger 60 km breiter Strom, der sich mit einer Geschwindigkeit von einem Meter pro Stunde fortbewegt. Da er nur wenige Zentimeter tief und fast vollständig von Gras bewachsen ist, sieht man ihm sein Flussdasein nicht an. Es ist ein einzigartiges Ökosystem, das Gleichmaßes der Lebensraum von Schwarzbären und Schlangen, Pumas und Pelikane ist. Nur hier und nirgendwo sonst auf der Welt leben Krokodile und Alligatoren zusammen, nur hier gibt es in den USA noch wilde Flamingos.

Doch die Everglades sind auch ein Naturwunder, dessen Existenz am seidene Faden hängt. Die Hälfte der ursprüngliche Fläche ist inzwischen trockengelegt worden, um sie landwirtschaftlich zu nutzen. Der Wasserspiegel sinkt beständig, weil die Everglades Großstädte wie Miami mit Trinkwasser versorgen müssen und die Verschmutzung durch Düngemittel und Schwermetalle ist längst einem schweren Problem geworden. Deswegen hat die UNESCO, die Everglades den Rang eines Weltnaturerbes verliehen hat, das Feuchtgebiet auf die Rote Liste des gefährdeten Welkeres gesetzt – wie so oft ist der größte Feind der Natur doch kein Farn und kein Tigerpython, sondern der Mensch. Der Everglades Nationalpark ist der größte Nationalpark in Florida.

 

 

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