Aquitanien

Traumhafte Strände, ein geschichtsträchtiges Hinterland, köstliche Rotweine und frische Austern: Es gibt viel zu entdecken im alten Herzogtum Aquitanien, das schon als römische Provinz die Atlantikküste von der Loiremündung bis zu den Pyrenäen umfasste. An der nördlichen Atlantikküste liegt das weltweit größte Weinbaugebiet von Spitzenweinen. Zudem ist der gesamten Süden von Aquitanien ein Weinanbaugebiet.
Die Dune du Pilat ist die größte Wanderdüne Europas und das riesige Sumpfland der Marais Poitevin beherbergt das “Venise verte” (dt. grünes Venedig).

Aquitanien liegt im Südwesten Frankreichs und hat eine Fläche von 41.407 km² und wird von der Garonne durchflossen. Die heutige Hauptstadt ist Bordeaux. Als historische Landschaft umfasste Aquitanien das fruchtbare Tiefland zwischen den Pyrenäen und der Garonne. Es bildete seit dem frühen Mittelalter ein Nahezug unabhängiges Herzogtum und seit dem Ende des 10. Jh. ein kleines Königreich. Vom 12. bis 15. Jahrhundert gehörte die Region zum englischen Königreich.

Die Düne von Pyla ist mit über 100 m Höhe und fast 3 km Länge die größte Sanddüne Europas. Im Landesinneren findet man die berühmten Weinberge von Bordeaux. Die gesamte Küstenregion von Biscarrosse bis an die Grenze Spaniens wird von einem feinen Sandstrand gesäumt, der im Sommer zahlreiche Touristen anlockt.


Lage und Landschaft:

Die Region grenzte im Norden an die Region Poitou-Charentes, im Nordosten an die Region Limousin, im Osten an die Region Midi-Pyrénées, im Süden an Spanien und im Westen – hauptsächlich mit der Côte d’Argent – an den Atlantischen Ozean.

Landschaften:

Dordogne

Sie umfasste den größten Teil des aquitanischen Beckens, einer recht flachen und erdgeschichtlich jungen Landschaft. Es wird hauptsächlich von Garonne, Adour, Dordogne, Charente und deren Nebenflüssen entwässert, die sehr junge Sedimente angelagert haben. Nur im äußersten Nordosten und Süden finden sich hügelige bzw. gebirgige Gegenden: So liegt am Nordostrand der Region die erste Steilstufe des Zentralmassivs, an der Grenze zu Spanien erheben sich die Pyrenäen, die dort bereits weit über 2000 m ansteigen. Zwischen Zentralmassiv und dem Kerngebiet des aquitanischen Beckens befinden sich ausgedehnte, relativ niedrige Kalkplateaus, deren Ausläufer bis unmittelbar vor Bordeaux reichen.

Boden und Landwirtschaft:

Die Bodenbeschaffenheit ist vielfältig: Die Flussniederungen sind zumeist sehr fruchtbar, ebenso das Vorland der Pyrenäen. Zwischen ihnen ist der Boden jedoch zumeist karg: Die Kalkböden im Nordosten eignen sich für den Weinbau und spezialisierte Kulturen wie Trüffel, Nüsse und Obst, sind aber aufgrund ihrer Durchlässigkeit nicht ertragreich für den Ackerbau. Die weite Schwemmlandebene zwischen Garonneund Pyrenäen weist äußerst magere Lehm- und Sandböden auf, so dass hier jahrhundertelang nur extensive Schafzucht möglich war und Sümpfe das Bild bestimmten. Nach Aufforstung ab dem 18. Jahrhundert befindet sich hier jetzt das größte zusammenhängende Waldgebiet von ganz Frankreich, die Landes de Gascogne.


Klima:

Das Klima in Aquitanien hat ozeanischen Charakter und gehört zur gemäßigten Klimazone. Die Sommer sind machmal heiß oder feucht, während die Herbstmonate mild sind. Im Winter kann es zu Winterstürmen kommen. Das Klima ist – abgesehen von den Hochlagen – ganzjährig mild. An der Atlantikküste beträgt die Jahresdurchschnittstemperatur über 15 °C, in Bordeaux etwa 14 °C, an der Grenze zum Limousin noch 11 °C. Dieser Unterschied kommt insbesondere durch die milden Winter in Küstennähe zustande. Die Niederschläge sind relativ hoch und nehmen nach Süden hin immer mehr zu. Sie fallen vornehmlich im Winterhalbjahr.

Durchschnittliche Klimadaten der Region Aquitanien:

Klima im Weinbaugebiet Bordeaux:

Der nahe Atlantik sorgt für ein mildes, ausgeglichenes Klima ohne extreme Temperaturschwankungen. Die großen Wasserläufe und das ausgedehnte Waldgebiet der Landes üben zusätzlich eine ausgleichende Funktion aus. Die unterschiedlichen Standorte (Hanglage und Geländebeschaffenheit) allerdings schaffen viele Bereiche mit eigenem Mikroklima. Charakteristisch sind in der Regel frostfreie Winter, feuchte Frühjahrsmonate und sonnige Sommer von Juli bis Oktober. Die mittlere Sonnenscheindauer pro Jahr beträgt ca. 2.000 Stunden bei einer Niederschlagsmenge von ca. 900 mm. Das Wetter variiert jedoch von Jahr zu Jahr sehr stark, so dass die Qualität der Jahrgänge sehr unterschiedlich ausfällt. Damit ein großer Jahrgang entsteht, müssen in der Vegetationsperiode vom 1. April bis zum 30. September folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Summe der Durchschnittstemperaturen mindestens 3100 °C
  • Mindestens 15 Hitzetage (Maximaltemperatur über 30 °C)
  • Niederschlagsmenge zwischen 250 und 350 mm
  • Mindestens 1250 Stunden Sonnenscheindauer.

Da sich die Weinlese häufig bis weit in den Herbst hineinzieht, spielt auch das Wetter im Oktober noch eine wichtige Rolle für die Qualität eines Jahrgangs.


Städte und Kulturelle Zentren:

Abbaye St.-Pierre:

Die eindrucksvolle Klosterruine liegt in der Nähe von Maillezais. Die Ruine liegt in der grünen Sumpflandschaft des Marais Poitevin.

Angoulême:

Die Stadt liegt imposant auf einem Plateau über dem Charentetal. Die Altstadt war einstmals eine wichtige königliche Festung. Besonders sehenswert:

  • Cathédrale St.-Pierra aus dem 12. Jh., romanische Kuppelkirche mit Fassadenschmuck
  • Papiermühle Moulin de Fleurac
  • Comicmuseum

Arcachon:

Arcachon ist ein Seebad an der Côte d’Agent mit extravaganten Villen aus dem 19. Jh.

Bergerac:

Bergerac ist Zentrum für Wein und Tabak und liegt an der Dordogne. Die Altstadt besteht aus vielen Fachwerkhäusern und weist ein Tabakmuseum auf.

Blaye:

Blaye liegt am Ostufer der Gironde und weist eine gigantische Zitadelle aus dem 17. Jh. auf. Die Zitadelle diente zum Schutz des reichen Bordeau vor englischen Schiffen.

Bordeaux:

Bordeaux, Zentrum der berühmten Weinbauregion, ist eine Hafenstadt an der Garonne im Südwesten Frankreichs. Bekannte Wahrzeichen der Stadt sind die gotische Kathedrale Saint-André, Bauten aus dem 18. und 19. Jahrhundert sowie erstklassige Kunstmuseen wie das Musée des Beaux-Arts de Bordeaux. Entlang der gewundenen Flussufer erstrecken sich öffentliche Gärten. Auf der imposanten Place de la Bourse, in deren Mitte der Brunnen der drei Grazien steht, sorgt der Miroir d’Eau für faszinierende Spiegeleffekte. Bordeaux ist eine Stadt, die nicht durch herausragende Einzelbauten, sondern durch die grandiose, fast vollständig erhaltene Anlage der Stadt besticht, die ihr historisches Bild bis heute erhalten hat. Darin ist sie Städten wie Amsterdam oder Lissabon ähnlich. Die Stadtanlage veranlasste Victor Hugo zu der Bemerkung, Bordeaux sei eine Mischung aus Versailles und Antwerpen, also aus palastartiger Architektur und Handelsstadt am Fluss. Insbesondere im historischen Zentrum, aber auch darüber hinaus bietet sie immer wieder überraschende Eindrücke, sei es durch die spätbarocke Anordnung der Straßen und Plätze oder durch die beeindruckende Harmonie ihrer Häuserzeilen, durch Parks und Gärten. Die „Fassade“ zur Garonne ist weltberühmt: Auf mehreren Kilometern ziehen sich hohe, schmale Bürgerhäuser am Ufer entlang, unterbrochen durch einzelne Repräsentationsbauten. Dahinter ragen die Dächer von Kirchen und alten Stadttoren empor. Das historische Ensemble gilt als das größte, geschlossenste und schönste von ganz Frankreich und wird als Kulisse für viele Film- und Fernsehproduktionen genutzt.

Cognac:

Cognac ist eine Stadt an der Charente und ist berühmt für ihren feinen Weinbrand. Hier befinden sich mehrere Brennereien.

Fontenay-le-Comte:

Diese Stadt gilt als schönste Stadt der Vendée.

  • Fontaine des Quatre Tias (1542)
  • Kirchen Notre-Dame und Saint-Jean (15. Jahrhundert)
  • Hôtel de la Sénéchaussée (1595)
  • Schloss Terre-Neuve (16. Jahrhundert)
  • Musée de Fontenay

Île d’Aix:

Die Insel Île d’Aix ist benachbart zur Île de Ré. Hier hat Napoleon seine letzten Tage vor der Abfahrt nach St. Helena verbracht.

Île de Ré:

Die Île de Ré ist eine Ferieninsel und liegt vor La Rochelle. Trotz des großem Touristenansturms und den Ausbau des Fremdenverkehrs, hat die Insel wenig von ihrem Charme verloren und weist nicht nur kulturelle Schätze, sondern auch landschaftliche Reize auf. Der größte Ort ist St.-Martin-de-Ré mit der trutzigen Zitadelle.

La Rochelle:

La Rochelle ist eine Küstenstadt in Südwestfrankreich und Hauptstadt des Départements Charentes-Maritime. Seit dem 12. Jahrhundert ist die Stadt ein Fischerei- und Handelszentrum, dessen Seefahrtstradition sowohl im alten Hafen Vieux Port als auch im großen, modernen Jachthafen Les Minimes ersichtlich wird. Die Altstadt wird von mittelalterlichen Fachwerkhäusern und Renaissance-Bauten geprägt, darunter Arkaden aus dem 17. Jahrhundert.

Les Sables-d’Olonne:

Das traditionsreiche Seebad und der bedeutende Fischerhafen liegt an der Côte de Lumiére.

  • La Tour d’Arundel (Stadtteil la Chaume)
  • Yacht- und Fischereihafen
  • Le Remblai (kilometerlange Strandpromenade)
  • La Rue de l’Enfer („Straße der Hölle“, die engste Gasse der Welt)
  • L’Île Penotte (die Muschelstraße)

Der Dolmen de la Sulette liegt in St Hilaire-la-Foret bei Les Sables-d’Olonne. Die meisten Sehenswürdigkeiten können mit einer dafür vom Touristenbüro bereitgestellten Karte abgelaufen und besichtigt werden.

Médoc:

Zwischen Bordeaux und dem Atlantik, sowie am Westufer der Gironde befindet sich das Eldorado für Rotweinkenner. Hier liegen namenhafte Weingüter in sanften Hügeln und weiten Ebenen.

Niort:

Die Stadt wurde zu römischen Zeiten gegründet und liegt an der Sèvre mit einer malerischen Altstadt. Das Kulturerbe von Niort umfasst zurzeit 23 offiziell unter Denkmalschutz stehende Objekte. Besonders sehenswert ist das mächtige Schloss mit Schlossturm.

Périgueux:

Die Stadt weist Sympathie auf und ist die Provinzhauptstadt des Périgord. Überragt wird die Stadt von der romanischen Kuppelkirche.

Poitiers:

Poitiers ist die Hauptstadt des Poitou. Sie ist wichtige Station des Jakobswegs. Besonders sehenswert:

  • romanische Kirche Notre-Dame-la-Grande mit üppig dekorierter Fassade und unheimlich dunklen Innenraum
  • romanische Kirche St.-Hilaire-le-Grand mit zahlreichen, teilweise mit Fresken verzierte Säulen
  • gotische Cathédrale St.-Pierre mit kostbaren Glasfenstern und originellem Chorgestühl
  • Bapistére St.-Jean aus dem 4. Jh., eines der ältesten Sakralbauten Frankreichs

Außerhalb der Stadt liegt der beliebte Hightech-Park Futuroscope. Weitere Stationen des Jakobsweg im Umland sind die mittelalterliche Stadt Parthenay und die romanische Kirche St.-Pierre.

Rochefort:

Das Thermalbad mit großer Vergangenheit als königlicher Marinestützpunkt im 17. Jh. Besonders sehenswert ist die königliche Seilerei Corderie royale. Aus dem Jahr 1900 stammt die eiserne Schwebfähre von Martou.

Saintes:

Saintes war einst eine bedeutende Römerstadt mit Amphitheater und Triumphbogen des Gallienus. Die romanische Abbaye aux Dames stammt aus dem Mittelalter.

St.-Émilion:

Saint-Émilion ist führende Weinstadt und UNESCO-Weltkulturerbe. Die Stadt liegt in der Weinregion Bordelais und hat eine schöne Altstadt. Die Église monolithe aus dem 9. bis 12. Jh. ist die größte Felsenkirche Frankreichs.

St.-Savin-sur-Gartempe:

Die romanische Hallenkirche mit ihren buntem Fresken liegt in der Nähe von Chauvigny. Die Kirche gehöret zum UNESCO-Weltkulurerbe.


Naturlandschaften und -monumente:

Côte d’Argent:

Die “Silberküste” erstreckt sich zwischen Girondemündung und Bayonne. Sie ist ein Urlaubsparadies mit weißen Sandstränden, Pinienwäldern und mehreren Süßwasserseen im Hinterland.

Dune du Pilat:

Die Dune du Pilat ist die höchste Wanderdüne Europas und liegt bei Arcachon. Wer die Atlantikküste bei Bordeaux besucht, wird unweigerlich auf sie stoßen: Die höchste Wanderdüne Europas. Sie liegt am Cap Ferret und ist mit ihrer Höhe von 118 m, einer Breite von 500 m und einer Länge von 3 km die Sehenswürdigkeit der Region. Der gewaltige Sandberg – ein hervorragender Aussichtspunkt – verlagert sich jedes Jahr ein wenig nach Osten.

Gironde:

Die Gironde ist ein gemeinsamer Mündungstrichter der Garonne und der Dordogne, der etwa 20 km nördlich von Bordeaux beginnt und mit einer Länge von 80 km bis an den Golf von Biskaya reicht. Die Garonne trägt zum gemeinsame Abfluss etwa zwei Drittel, die Dordogne etwa ein Drittel bei. Das gesamte Ästuar liegt im Einflussbereich der Gezeiten und Salzwasser dringt bis nach Blaye in die Mündung ein.

Landes de Gascogne:

Die Landes de Gascogne („Heidelandschaft der Gascogne“), auch Forêt des Landes („Heidewald“) oder einfach les Landes (die „Heidegebiete“; das zugrundeliegende Wort lande ist vielleicht verwandt mit keltisch landa: unbebautes Land, Feld) im Südwesten Frankreichs sind das größte zusammenhängende Waldstück Westeuropas. Das heutige Waldgebiet ist ein prägender Bestandteil der Region Nouvelle-Aquitaine und gab dem Département Landes den Namen. Der Wald besteht vor allem aus Seekiefern.

Parc Naturel Régional du Marais Poitevin:

Der Naturpark schützt ein weitläufiges Sumpfland, das seit dem Mittelalter von einem 4000 km langen Kanalnetz entwässert wird. Teilweise wird die Landschaft landwirtschaftlich genutzt.

Venise verte:

Das “grüne Venedig” liegt in der Marais Poitevin und weist dichte Laubwälder zwischen den Kanälen des Sumpflandes auf.


Weinbau in Aquitanien:

Weinbaugebiete im Sud-Ouest:

Die Weinbauregion Sud-Ouest fasst die Anbaugebiete Südwestfrankreichs mit Ausnahme von Bordeaux zusammen. Administrativ handelt es sich um die Regionen Midi-Pyrénées und Aquitanien, geographisch ist es der Einzugsbereich der Flüsse Dordogne, Garonne und Adour. Aus der Sicht von Bordeaux handelt es sich damit um das “Oberland” (Haut pays). Die Anbaugebiete umfassen zusammengenommen 14.700 ha mit einer jährlichen Produktion von 650.000 Hektolitern Qualitätswein (AOC).

Weinbaugebiet Bordeaux:

Das Weinbaugebiet Bordeaux, auf Französisch Bordelais, ist das größte zusammenhängende Anbaugebiet der Welt für Qualitätswein. Es gibt etwa 3.000 Château genannte Weingüter, die die weltberühmten Weine erzeugen. Das Weinbaugebiet von Bordeaux umfasst die für den Qualitätsweinbau geeigneten Lagen des in Südwestfrankreich gelegenen Départements Gironde. Es liegt im Mündungsgebiet der Flüsse Garonneund Dordogne auf dem 45. nördlichen Breitengrad. Die Region lässt sich in fünf deutlich unterschiedliche Gebiete einteilen:

  • Das Médoc beginnt nördlich von Bordeaux und zieht sich über 70 km auf dem linken Ufer der Gironde.
  • Die Graves beginnen südlich von Bordeaux und nehmen das südliche Ufer der Garonne ein.
  • Das Entre-Deux-Mers ist das Hügelland zwischen Garonne und Dordogne.
  • Das Libournais bezeichnet die Umgebung der Stadt Libourne auf dem rechten Ufer der Dordogne.
  • Nordwestlich davon liegen Blayais und Bourgeais nördlich des Zusammenflusses von Dordogne und Garonne.

Zusammenfassend werden Médoc und Graves auch als „Linkes Ufer“ und das Libournais als „Rechtes Ufer“ bezeichnet.