Lipno-Region

Die Lipno-Region befindet sich im Südwesten der Tschechischen Republik im Böhmerwald. Das Zentrum der Region ist der Lipno-Stausee, der größte See Tschechiens der auch unter den Namen „Böhmisches Meer“ bekannt ist. Der Stausee erreicht eine Länge von 45 km und eine breite von 5km. In den 1950er-Jahren wurde das fruchtbare Tal geflutet. Die Moldau wird durch einen 25 m hohen und 282 m langen Damm aufgestaut. Der Lipno-See stellt den Urlaubsmagnet Südböhmens dar. Die Wasserfläche ist bei Surfern und Seglern sehr beliebt.


Inhaltsverzeichnis:

  1. Geographie
    1. Landschaftsbild
  2. Geologie
  3. Klima
    1. Klimadaten der Stadt Frymburk nad Vltavou
  4. Natur
    1. Fauna
    2. Flora
  5. Kulturelle Zentren 
    1. Černá v Pošumaví
    2. Frymburk nad Vltavou
    3. Horní Planá
    4. Lipno nad Vltavou
    5. Nová Pec
    6. Prachatice
  6. Umgebende Landschaften und Naturwunder 
    1. Böhmerwald
    2. Biosphärenreservat Šumava
    3. Ursprung der Moldau


Geographie:

Die Region liegt im Südwesten der Republik. Der Stausee gehört zur Region Südböhmen (Jihočeský kraj). Nähere Städte in der Umgebung sind Český Krumlov (Krumau) und Vyšší Brod (Hohenfurth). Ehemals war der See ein ehemaliges Tal mit fruchtbaren Felder, dieses Tal wurde in den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts geflutet. Der See ist umgeben von den dichten Wäldern des Böhmerwaldes.

Landschaftsbild:

Die Landschaft um den Stausee wird von den dunklen Nadelwäldern des Böhmerwaldes maßgeblich geprägt. Die Landschaft ist typisch für die Vegetations- und Klimazone. Das Wetter ist feucht und rau, daher findet man hier Nadelwälder, Moore und Heidelandschaften vor.


Geologie:

Im Gebiet der oberen Moldau befand sich bereits im Tertiär ein natürlicher See, der etwa 44 km lang und 7 bis 22 km breit war und der eine Tiefe von 80 bis 100 m erreichte. Zwischen der Teufelswand (tschechisch Čertova stěna) und dem Berg Luč durchbrach dieser See im Tertiär die Felsen, in die er sich seit Jahrtausenden gefressen hatte und schuf beim Durchbruch das Flussbett der Moldau.


Klima:

Die klimatischen Verhältnisse am See sind etwas anders als die im Bezirk Český Krumlov. Charakteristisch ist hier vor allem der kurze Sommer, der zudem kühl und feucht ist. Die durchschnittlichen Jahrestemperaturen liegen hier bei etwa 5 bis 5,5 °C, also rund 2 °C niedriger als im Umland. Die höchsten Temperaturen werden im Juli erreicht, mit durchschnittlich 15 °C, im Umland 17 °C. Die Niederschläge fallen um rund 25 Prozent höher aus als in Budweis. Sommertage (Tage, an denen die Temperatur mindestens 25 °C erreicht) gibt es in wärmeren Zonen des Bezirks Český Krumlov jährlich durchschnittlich 38, in der Umgebung des Sees 34. Frosttage (Tage, an denen die Temperatur unter 0 °C sinkt) gibt es durchschnittlich 120, in der Umgebung des Sees sind es 150 jährlich.

Klimadaten der Stadt Frymburk nad Vltavou:


Natur:

Fauna:

Den See umgeben große Fichtenwälder, zahlreiche Sümpfe sowie größere landwirtschaftliche Nutzflächen. Diese Landschaften bieten zahlreichen Tieren ein Zuhause. Darunter sind zahlreiche Schmetterlingsarten, wie z. B. das Tagpfauenauge, Saateulen und der Kleine Fuchs. Weitere Insekten sind z. B. verschiedene Laufkäfer und Bockkäfer. Weiterhin anzutreffen sind Wachtelkönig, Braunkehlchen, Neuntöter, Birkhuhn, Wanderfalken, Rebhühner, Spechte, Eulen, der Uhu und der Seeadler. Zu den Säugetieren zählen unter anderem Feldmaus, Birkenmaus, Fledermäuse, Hirsche (Elche), Rehe, Wildschweine, Fuchs, Edelmarder, Dachs, Luchs sowie seit einiger Zeit der europäische Elch in den Wäldern bei Svatý Tomáš (deutsch „St. Thomas“). Im See selbst gibt es Karpfen, Hechte, Zander, Forellen, Bachsaiblinge, Peledmaräne, Silberkarpfen, Flussbarsche und Welse, außerdem Flusskrebse und Flussperlmuscheln, die jedoch stark gefährdet sind.

Flora:

Die Wälder bestehen zu einem großen Teil aus Fichten, aber auch Buchen, welche die ursprüngliche Vegetation sind. Weiterhin sind das Große Windröschen, die Schopfige Kreuzblume, Edel-Gamander, Trauben-Gamander, drei Arten von Waldvöglein, Riedgras, Trauben-Pippau, Salbei, Johanniskräuter, Heidekraut (vor allem bei der Teufelswand und dem Berg Luč) sowie Steinkräuter, Blassen Schafschwingel und Berglauch angesiedelt.


Kulturelle Zentren:

Černá v Pošumaví:

Černá v Pošumaví (deutsch Schwarzbach) ist eine Gemeinde mit 815 Einwohnern (2006) in Tschechien. Sie liegt sieben Kilometer südöstlich von Horní Planá im Böhmerwald und gehört zum Okres Český Krumlov.

  • Kirche der unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria – Černá v Pošumav anstelle eines hölzernen Vorgängerbaus aus dem Jahre 1787 errichtet und zwischen 1901 und 1904 im neoromanischen Stil umgestaltet und mit einem Turm versehen;
  • Statue des hl. Johannes Nepomuk;
  • Kapelle bei Dolní Vltavice;
  • Kapellchen Martersäule.

Frymburk nad Vltavou:

Frymburk (deutsch Friedberg, älter auch Friedburg) ist eine Minderstadt im Okres Český Krumlov in Tschechien. Sie liegt in der Region Südböhmen auf einer Halbinsel am linken Ufer des Lipnostausees. Eine Fähre verbindet sie mit dem rechten Ufer und dem Ortsteil Frýdava (Friedau).

  • Bekanntester Bau Frymburks ist die St.-Bartholomäus-Kirche. Sie wurde vor 1277 gegründet und 1530 spätgotisch umgebaut. 1649–1652 wurde sie infolge der Schwedenangriffe renoviert. Weitere Umbauten erfolgten 1735 und 1870. Die Ausstattung der Kirche stammt aus dem Barock.
  • Der Marktplatz wurde nach einem Brand 1856 in den 1880er Jahren zum Park umgestaltet. In der Mitte des Marktplatzes befindet sich seit Ende des 16./Anfang des 17. Jahrhunderts ein künstlicher Bach, der aus dem Podhorský-Bach gespeist wird. Damals noch durch einen Kanal verbunden, dient seit 1950 ein Schlauch zur Wassereinspeisung.
  • Der Brunnen auf dem Platz stammt vermutlich aus dem Jahr 1676. Er wird aus dem Bach gespeist.
  • Der etwa fünf Meter hohe steinerne Pranger trägt die Jahreszahl 1651. Er ersetzte den ehemaligen hölzernen Pranger, der von den Schweden zerstört wurde.
  • Felsblock mit einer Bronzetafel von Hans Rathausky (1902) zum Gedenken an Adalbert Stifter, der Frymburk wegen seiner Jugendliebe Fanny Greipl häufig besuchte. An die Liebesgeschichte erinnert nur noch die Grabplatte von Fannys Eltern an der Kirchenwand in Richtung zur Fähre.

Horní Planá:

Durch die Lage am nördlichen Ufer des Moldaustausees ist Horní Planá ein beliebter Ausflugsort. Jenseits des Stausees liegt im Süden die Ortschaft Přední Zvonková(Vorderglöckelberg). In einer Entfernung von etwa sieben Kilometern verläuft im Südwesten der Schwarzenberger Schwemmkanal und dahinter die Grenze zum österreichischen Mühlviertel. Im Geburtshaus des Schriftstellers Adalbert Stifter wurde 1960 auf Veranlassung der Staatlichen Denkmalpflege Prag eine Gedenkstätte errichtet, die vom Museum in Český Krumlov verwaltet wird. Die Gedenkräume im Stifterhaus wurden nach einem Entwurf des tschechischen Kulturhistorikers und Denkmalpflegers Hugo Rokyta vom Direktor des Krummauer Bezirksmuseums Jan Huleš ausgestattet. Die ursprünglich frühgotische Dekanatskirche St. Margaretha wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet und um 1700 barockisiert. Sie enthält in ihrem ältesten Teil figurale Renaissancemalereien aus dem 16. Jahrhundert. Über dem Stifterdenkmal steht die spätbarocke Gutwasserkapelle von 1777 bis 1779, die der schmerzhaften Muttergottes zum guten Wasser geweiht ist. Der Bau der Wallfahrtskirche ersetzt eine ältere Kapelle. Das gnadenreiche Wirken der Pietà bestimmt Stifters Novelle Der beschriebene Tännling, die Wallfahrtskapelle ist in seinem zeichnerischen Werk festgehalten.

Lipno nad Vltavou:

Die Gemeinde liegt am Ufer des zwischen 1952 und 1959 errichteten Lipnostausees, welcher die Moldau staut, in der Nähe des Naturparks Vyšebrodsko und der Naturschutzgebiete Čertova stěna (Teufelswand) und Luč (Kienberg, 933 m). Hier befinden sich ein Granitmassiv und die Reste eines Urwaldes.

  • Der 675 m lange Baumwipfelpfad bietet im 40 m hohen Aussichtsturm einen Ausblick auf den Lipnostausee und den angrenzenden Böhmerwald. Der Pfad ist mit einem Pendelbus oder mit einem Sessellift erreichbar.
  • Der 42 km lang Lipnostausee mit seiner 25 m hohen Staumauer
  • Active Park Lipno
  • Ferienpark Landal Marina Lipno

Nová Pec:

Nová Pec (deutsch Neuofen) ist eine Gemeinde in Tschechien. Sie liegt 25 Kilometer südlich von Prachatice nahe der Grenze zu Österreich im Böhmerwald und gehört zum Okres Prachatice.

  • Adalbert-Stifter-Denkmal über dem Plöckensteinsee
  • Schwarzenbergscher Schwemmkanal (Schwarzenberský plavební kanál)
  • Hirschbergen-Tunnel in Jelení

Prachatice:

In der Vergangenheit war Prachatitz ein wichtiger Ort am Goldenen Steig, einem alten Handelsweg von Passau nach Prag.

Das historische Stadtzentrum wurde 1981 zum städtischen Denkmalreservat erklärt.

  • Stadtmauer mit Bastion Helvit
  • Unteres Stadttor oder Piseker Tor mit Nepomuk-Kapelle
  • Literatenschule
  • Heydl-Haus, erbaut in den 1550er Jahren
  • Sitr-Haus, auch Zdiarsky-Haus (jetzt Museum) mit Allegorien Justitia (Gerechtigkeit), Patientia (Geduld), Prudentia (Stolz) und Fortitudo (Tapferkeit)
  • Hus-Haus
  • Dekanatskirche St. Jakobus
  • Altes Rathaus mit Darstellung der Tugenden (Medaillons)
  • Neues Rathaus (1902) mit sieben bedeutenden Männern aus Prachatitz (siehe unter Persönlichkeiten)
  • Stadtbrunnen mit Justitia-Standbild
  • Rumpal-Haus mit Lauben
  • Fürsten-Haus mit Sgraffito Weißer Elefant
  • Geburtshaus von Johann Nepomuk Neumann (Bischof von Philadelphia, Heiliger)

Umgebende Landschaften und Naturwunder:

Böhmerwald:

Der Böhmerwald, tschechisch Šumava, ist eine etwa 120 km lange Bergkette, die sich entlang der tschechisch-deutsch-österreichischen Grenze erstreckt. Sie ist das höchste Rumpfgebirge der Böhmischen Masse und bis zu 50 km breit. Der höchste Berg des Böhmerwaldes ist mit 1456 Metern der Große Arber.

Biosphärenreservat Šumava:

Das Biosphärenreservat Šumava ist ein großräumiges Naturschutzgebiet im Südwesten Tschechiens im Böhmerwald(Tschechisch Šumava). Es umfasst den mit 68.064 ha größten Nationalpark der Tschechischen Republik, den Nationalpark Šumava (tschechisch Národní park Šumava), große Teile des 99.624 ha großen Landschaftsschutzgebiets Šumava (tschechisch Chráněná krajinná oblast Šumava) sowie weitere Bereiche, die weder im Nationalpark noch im Landschaftsschutzgebiet liegen. Zusammen bilden sie eines der größten und artenreichsten Schutzgebiete in Mitteleuropa. Sie stellen sowohl einen wertvollen Naturraum, als auch ein beliebtes Ziel für den Tourismus dar. Die Landschaft ist die einer typischen Mittelgebirgsregion mit urwaldähnlichen bzw. von Fichten dominierten Wäldern. Landwirtschaftliche Flächen sind oftmals reich strukturiert durch Hecken, Baumgruppen, Einzelbäume und Streuobstwiesen. Die häufigsten Gesteine sind Granit, Gneis und Glimmerschiefer, die vielerorts an die Oberfläche treten, vor allem auf den Berggipfeln. Im Nationalpark befindet sich nicht nur die Wasserscheide zwischen Schwarzem Meer und Nordsee, sondern auch der Ursprung der Flüsse Moldau und Otava, die im Böhmerwald noch Gebirgsflusscharakter besitzen und in deren Tälern eine Vielzahl historischer Orte liegt.

Ursprung der Moldau:

Die Moldau entspringt in zwei Quellflüssen: der Warmen Moldau in der Nähe von Aussergefild (Kvilda) im Böhmerwaldnördlich des Lusens; und der Kalten Moldau in der Nähe von Haidmühle im Bayerischen Wald am Haidelosthang, in dem sie auch kleine Zuflüsse aus Bayern aufnimmt. Die Kleine Moldau (Vltavský potok) ist rechtsseitiger Zufluss der Moldau, wird aber nicht zu den Quellflüssen gezählt. Die Grasige Moldau (Řasnice) ist ein Zufluss der Warmen Moldau.