Sundarbans-Nationalpark

Der Sundarbans-Nationalpark ist ein Nationalpark und Teil eines Tigerschutzgebiets und eines Biosphärenreservats im indischen Bundesstaat Westbengalen.


Geographie:

Der Park liegt in den Sundarbans im Gangesdelta und grenzt an den Sundarban Reserve Forest in Bangladesch. Das Flussdelta ist dicht mit Mangrovenwäldern bedeckt. Der Sundarbans-Nationalpark befindet sich zwischen 21° 432′ und 21° 55′ nördlicher Breite sowie zwischen 88° 42′ und 89° 04′ östlicher Länge. Die Durchschnittshöhe im Park ist 7,5 Meter über Meer. Der Park besteht aus 54 kleinen Inseln und wird von verschiedenen Ausläufern des Ganges durchströmt.


Natur:

Es ist eines der größten Lebensgebiete des Königstigers, Heimat vieler unterschiedlicher Vogelarten, von Reptilien wie das Salzwasserkrokodil und von wirbellosen Arten. Der gegenwärtige Sundarban National Park wurde 1973 zum Kerngebiet des Sundarban Tiger Reserve und 1977 zum Naturschutzgebiet erklärt. Am 4. Mai 1984 wurde daraus ein Nationalpark.

Fauna:

Die Sundarbans-Wälder sind der Lebensraum von mehr als 400 Tigern. Der Königs- oder Bengaltiger weist eine einzigartige Form des Schwimmens im Salzwasser auf und ist berüchtigt für Angriffe auf Menschen. Tiger können im Park von November bis Februar beim Sonnenbaden auf Flussbänken gesehen werden. Neben den Tigern sind Fischkatzen, Bengalkatzen, Makaken, Wildschweine, Indische Mungos, Füchse, Rohrkatzen, Flughunde, Schuppentiere und Axishirsche weitere Säugetierarten, die im Park reichlich vorkommen. Folgende Vogelarten kommen in der Gegend vor: Klaffschnäbel, Kappenliest, Schwarzkopfibis, Teichralle, Blässhühner, Fasanblatthühnchen, Schwarzmilan, Brahminenweih, Rohrweihe, Sumpffrankolin, Bankivahuhn, Perlhalstaube, Hirtenmaina, Dickschnabelkrähe, Coromandel-Zwergente, Raubseeschwalbe, Graureiher, Bekassine, Bruchwasserläufer, Grüntauben, Halsbandsittich, Kormorane, Graukopfseeadler, Weißbauchseeadler, Möwen, Eisvogel, Wanderfalke, Spechte, Regenbrachvogel, Uferschnepfe, Zwergstrandläufer, Großer Knutt, Brachvögel, Regenpfeifer, Spießente, Moorente und Zwergpfeifgans. Im Park kommen unter anderem Sägerochen, Medusenfische, Zitterrochenartige, Silberkarpfen, Seesterne, Karpfen, Pfeilschwanzkrebse, Garnelen, Gangesdelfine, Erdkröten und Ruderfrösche vor. Der Sundarbans-Nationalpark beherbergt auch eine Vielzahl von Reptilien, darunter Leistenkrokodile, Warane und Schildkröten. Unter den Schlangen sind Tigerpython, Königskobra, Kettenviper und Gewöhnlicher Krait zu nennen. Der Königstiger, das Leistenkrokodil, die Batagur-Schildkröte, die Oliv-Bastardschildkröte, der Gangesdelfin, die Echte Karettschildkröte und der Mangroven-Pfeilschwanz zählen zu den bedrohten Arten der Sundarbans.

Ökosystem:

Sieben Flüsse und unzählige Wasserläufe formen ein Netzwerk von Kanälen im Mündungsdelta. Alle Flüsse fließen südwärts zum Meer hin. Das Ökosystem der Gegend ist abhängig vom Gezeiteneffekt zweier Fluten und zweier Ebben. Innerhalb von 24 Stunden ergibt sich ein Gezeitenhub von drei bis fünf Metern, bis hin zu acht Metern im Frühjahr. Die gesamten Sundarbans werden unterschiedlich stark überschwemmt. Die Gezeiten lagern Sedimente in den Kanälen ab und heben das Flussbett, sie bilden neue Inseln und Bäche, was zu einer sich ständig ändernden Geomorphologie führt. Im Golf von Bengalen gibt es zwischen 21°00′ und 21°22′ eine natürliche Senke, die „Swatch of No Ground“, in der die Wassertiefe plötzlich von 20 auf 500 m abfällt. Diese mysteriöse Senke treibt die Sedimente zurück und trägt zur Bildung neuer Inseln bei.

UNESCO-Weltnaturerbe:

1987 anerkannte die UNESCO den Nationalpark als Weltnaturerbe. Er erfüllte zwei von vier Kriterien zur Aufnahme in die Weltnaturerbeliste: ein hervorragendes Beispiel für ökologische und biologische Prozesse (ix) und bedeutsame natürliche Habitate für den Artenschutz (x). Laut der UNESCO stellen die Mangroven der Sundarbans eines der biologisch produktivsten Ökosysteme der Welt dar.

Wattenmeer:

Das Wattenmeer der Sundarbans erstreckt sich über die Ganges-Mündung und die Inseln des Deltas, wo langsam fliessendes Wasser auf die Gezeitenströme trifft. Bei Ebbe ist das Watt sichtbar, bei Flut wird es vom Wasser überspült, so dass es sich morphologisch in einem Gezeitenzyklus verändern kann. Die inneren Teile des Watts sind das geeignete Umfeld für Mangroven. Außerhalb des Parks gibt es Teile des Watts, die bei Ebbe von Touristen besichtigt werden. Mit etwas Glück lassen sich dort Seeanemonen, Pfeilschwanzkrebse und kleine Kraken beobachten.


Klima:

Die Temperaturen betragen im Schnitt zwischen 20 °C (minimal) und 48 °C (maximal). Der Regenfall ist stark und die Luftfeuchtigkeit beträgt aufgrund der Nähe zum Golf von Bengalen 80 %. Der Monsun dauert von Mitte Juni bis Mitte September. Der vorherrschende Wind kommt von Oktober bis Mitte März aus Norden und Nordosten, in den übrigen Monaten herrscht Südwestwind. Stürme, die sich bisweilen zu Zyklonen entwickeln können, kommen in den Monaten Mai und Oktober vor.

Klimadaten der Stadt Kalkutta (123 km entfernt):