Weichselgebiet

Insgesamt ist der „Schicksalsfluss“ Polens 1068 km lang und entspringt als Schwarze, Weiße und Kleine Weichsel an der Barania. Sie mündet in mehreren Armen wie Nogat und Elbinger Weichsel in die Danziger Bucht. Touristisch interessant ist vor allem das Gebiet zwischen Gdansk und Warschau.


Geographie:

Das Weichselgebiet wird bestimmt durch den polnischen Fluss Weichsel. Im Süden findet man die Berg- und Hügellandschaften der polnischen Karpaten (Tatra-Gebirge, Beskiden) vor. Nach dem Verlassen der Bergländer fließt die Weichsel durch Kleinpolen und Schlesien. Danach schlängelt sich der Fluss durch die zentralen Hügelländer Polens, bis er südlich von Warschau in die Polnische Tiefebene fließt. Bis zur Mündung sucht der Fluss den Weg durch die Ebene.


Weichsel:

Die Weichsel ist ein 1047 Kilometer langer Stromund der längste Fluss in Polen. Das Einzugsgebietumfasst auch Teile der Slowakei, Weißrusslands und der Ukraine. Der längste Gewässerlauf in ihrem Flusssystem sind die 1213 Flusskilometer von der Quelle des Westlichen Bugbis zur Ostsee. Auf alten Landkarten findet man auch die Schreibweisen W(e)ixel oder Wissel.

Oberlauf:

Der Strom entspringt in den Schlesischen Beskiden am 1214 m hohen Barania Góra(deutsch: Widderberg) aus den Bächen Czarna Wisełka und Biała Wisełka, die nach neun beziehungsweise sieben Kilometern in den Stausee Zbiornik Czerniański münden. Nach Verlassen des Gebirges wendet sie sich nach Osten und bildet ein Stück weit die historische Grenze zwischen Oberschlesien und Kleinpolen. Unterhalb des Goczałkowice-Stausees ist sie schiffbar.

Mittellauf:

Sie fließt ostwärts durch in eine tektonische Senke, die nördlich von der Krakau-Tschenstochauer Höhe und dem Kielcer Bergland begrenzt wird, südlich vom Beskidenvorland und dann östlich vom Lubliner Hügelland. Etwa 70 km nach dem Stausee fließt die Weichsel durch die alte Königsstadt Krakau (Kraków). Von Niepołomice 25 km östlich von Krakau bis etwas unterhalb der Mündung des San war die Weichsel von 1815 bis 1916 die Grenze zwischen dem österreichischen Galizien und dem Russischen Reich. 70 km hinter dem Ort mündet der Karpatenfluss Dunajec. Bald hinter Sandomierz mündet von den Karpaten her der San in die Weichsel. Weiter nördlich erreicht sie das polnische Tiefland. Kurz hinter Warschau (Warszawa) gelangt sie in den Bereich überwiegend ostwestlich ausgerichteter Urstromtäler, durch die ihr von Osten, kurz vorher vereint, Bug und Narew zufließen. Hier wendet sie sich stark nach Westen und passiert Płock, Dobrzyń nad Wisłą, Włocławek und Toruń(Thorn). Bei Włocławek besteht seit 1970 ein großes Stauwehr mit Wasserkraftwerk. Bei Bydgoszcz (Bromberg), dessen Stadtzentrum nicht am Strom liegt, verlässt sie das große ostwestliche Urstromtal und durchbricht in einem kleineren den baltischen Landrücken. Dieser umfasst zwischen Weichsel und Oder die Pommersche Seenplatte, zwischen Weichsel und Njemen die Masurische Seenplatte. In den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden am Mittellauf umfangreiche Regulierungsmaßnahmen durchgeführt, um die Schiffbarkeit zu verbessern.

Unterlauf und Delta:

Der Einstrom des Flusses in die Ostseewurde natürlicherweise durch den Dünenrücken der Danziger Binnennehrungversperrt, des westlichen Teils der Frischen Nehrung (Mierzeja Wiślana). Zwischen Landrücken und Dünenrücken hat sich ein Delta gebildet. Kurz hinter Gniew (Mewe) zweigt nach Osten die Nogat ab, die erst 1371 durch ein Hochwasser vom selbständigen Fluss (wieder) zum Weichselarm wurde und im Bereich der Elbinger Niederung in das Frische Haff(polnisch Zalew Wiślany, also Weichselhaff) mündet. Kurz vor dem Dünenrücken verzweigte sich natürlicherweise der Hauptstrom der Weichsel in die Elbinger oder Königsberger Weichsel (Szkarpawa), die ebenfalls ins Frische Haff mündet und bis Anfang des 19. Jahrhunderts der Hauptstrom war, und die Danziger Weichsel, die nahe der Stadt Danzig den Dünenrücken durchbrach und die in die Danziger Bucht(polnisch Zatoka Gdańska) mündete. Im Jahre 1840 entstand bei einem Hochwasser ein neuer Dünendurchbruch auf halbem Wege zwischen der Gabelung und Danzig, woraufhin der westliche untere Teil des alten Mündungsarms versandete. In den Jahren 1889 bis 1895 wurde dann bei der Gabelung der Dünenrücken durchstochen, um die Hochwassergefährdung des Weichseldeltas zu vermindern. Seit der größte Teil des Weichselwassers durch diesen Weichseldurchstich, polnisch Przekop Wisły, in die Ostsee strömt, versandet die Danziger Weichsel insgesamt und wurde zunehmend Tote Weichsel genannt, polnisch Martwa Wisła. Der östliche Weichselarm Szkarpawa hat seinerseits ein Delta ausgebildet. Dessen nördlichster Arm wird weiterhin Wisła Królewiecka (Königsberger Weichsel) genannt.


Klima:

Das Klima der Landschaftsregion ist sehr unterschiedlich. Generell liegt das Gebiet im Übergangsklima vom mitteleuropäischen Atlantikklima und dem osteuropäischen Kontinentalklima. Die Niederschläge sind an den Bergen höher, als in den nördlicheren Regionen. Die Winter sind kalt, lang und frostig, während die Sommer warm sind.

Plock:

Jan.
Feb.
Mär.
Apr.
Mai
Jun.
Jul.
Aug.
Sep.
Okt.
Nov.
Dez.
3°C4°C9°C15°C18°C22°C25°C23°C19°C14°C8°C4°C
-4°C-3°C0°C3°C7°C12°C13°C12°C9°C5°C0°C-2°C

Torun:

Jan.
Feb.
Mär.
Apr.
Mai
Jun.
Jul.
Aug.
Sep.
Okt.
Nov.
Dez.
4°C6°C9°C13°C18°C21°C25°C24°C19°C15°C8°C4°C
-3°C-2°C1°C4°C8°C11°C14°C13°C9°C6°C2°C-2°C

Warschau:

Jan.
Feb.
Mär.
Apr.
Mai
Jun.
Jul.
Aug.
Sep,
Okt.
Nov.
Dez.
1°C3°C8°C14°C19°C23°C25°C25°C19°C14°C7°C2°C
-5°C-3°C-1°C4°C9°C12°C14°C14°C9°C5°C1°C-3°C

Kulturelle Zentren und Städte:

Chelmno:

Chelmno ist eine ehemalige Hansestadt und beherbergt eine Deutschritterorden-Burg, die Kulm genannt wird. Besonders sehenswert ist die Altstadt mit Wehrmauern (14.-15. Jh.) sowie 17 Bastionen. Am Markt befindet sich das Rathaus im Renaissancestil aus dem 16. Jh. und der Kulmer Dom (13.-14. Jh.), zudem eine Franziskaner-, Dominikaner-, und Zisterzienserkirche.

Ciechocinek:

Der Ort ist ein bekanntes Heilbad mit sehenswerten Gardierwerk von 1823.

Gniew:

Gniew wurde ehemals Mewe genannt. Die Ruinen der Deutschordensburg ist die wichtigste Sehenswürdigkeit.

Grudziadz:

Einst hieß die Festungsstadt Graudenz und ist berühmt für die Speicherhäuser aus dem 16. Jh. bis 18. Jh. Die Stadt liegt an der Wechsel und weißt einen romantischen Markt mit Pfarrkirche aus. Zudem findet man den barocken Jesuitenkolleg aus dem 14. Jh. vor. Noch heute wird die Stadt durch die mittelalterliche Stadtbefestigung beherrscht.

Malbork

Malbork, Marienburg, ist die Kreisstadt des Powiat Malborski in der polnischen Woiwodschaft Pommern. Sie ist Sitz der eigenständigen Landgemeinde Malbork, gehört ihr selbst aber nicht an. Die Stadt Marienburg wurde durch die gleichnamige Marienburg (polnisch Zamek w Malborku) bekannt, die als das größte Werk der Backsteingotik gilt. Die Burganlage war von 1309 bis 1457 Sitz der Hochmeister des Deutschen Ordens und somit Haupthausund Machtzentrum des Deutschordensstaates.

Pelplin:

Pelplin ist eine kleine Stadt südlich von Danzig. Besonders sehenswert ist die Zisterzienserabtei mit schöner spätgotisch ausgestatteter Klosterkirche.

Plock:

Das Zentrum der Mineralölindustrie birgt einen sehr sehenswerten Burg- und Kathedralenkomplex aus dem 11. Jh..

Torun:

Die Stadt ist UNESCO-Weltkultuerbe und Geburtsstadt des Nikolaus Kopernikus. Besonders sehenswert:

  • Heilig-Geist-Kirche
  • Altstadt mit Rathaus in Backsteingotik (13. Jh.) u. Kopernikusmuseum
  • Haus „unter dem Stern“ (17. Jh.) mit fernöstlichen Sammlungen
  • Marienkirche, erbaut im gotischen Stil
  • Johanneskirche (14. Jh.)
  • Kopernikushaus mit Museum
  • Ruine der Ordensburg (13. Jh.) mit Museum
  • Palais der Bischöfe von Kujawien (17. Jh.)
  • ehemaliges Zeughaus
  • Völkerkundemuseum

Wloclawek:

Ehemals Lelsau und heute Industriestadt, weist Wloclawek eine Kathedrale aus dem 14. Jh. auf.


Warschau:

Warschau ist seit 1596 die Hauptstadt Polens und zugleich die flächenmäßig größte sowie mit über 1,7 Mio. Einwohnern (2013) bevölkerungsreichste Stadt des Landes. Als eines der wichtigsten Verkehrs-, Wirtschafts- und Handelszentren Mittel- und Osteuropas genießt Warschau darüber hinaus große politische und kulturelle Bedeutung. In der Stadt befinden sich zahlreiche Institutionen, Universitäten, Theater, Museen und Baudenkmäler. Beidseitig am Strom der Weichsel (pln. Wisła) in der Woiwodschaft Masowien gelegen, stellt sie darüber hinaus das Zentrum der zweitgrößten Agglomeration Polens mit rund 3,5 Mio. Einwohnern dar. Ihr Stadtgebiet gliedert sich in insgesamt 18 Stadtbezirke, unter denen Śródmieście (dt. Stadtmitte) die eigentliche Innenstadt ausmacht und das UNESCO-Welterbe der wiederaufgebauten Warschauer Altstadt beherbergt.

Gotteshäuser:

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts entstanden in Warschau die ersten gemauerten Kirchen. Kaum eine der gotischen und Renaissancekirchen hat jedoch die Verwüstungen durch die Schweden im Ersten Nordischen Krieg 1655 bis 1660 unbeschadet überstanden.
Nach dem Krieg wurden die zerstörten Kirchen wiederaufgebaut und im Zuge der Ausdehnung des Stadtgebiets nach Süden neue errichtet. Dieser großen Bautätigkeit verdankt Warschau seine zahlreichen Kirchen des Hochbarock und des Klassizismus, die heute das Stadtbild prägen. Bedeutendster Baumeister des Warschauer Barocks war Tylman van Gameren. Im Stil des Klassizismus schufen Domenico Merlini, Chrystian Piotr Aigner und Simon Gottlieb Zug. Auch die Neorenaissance und Neugotik hinterließen in Warschau zahlreiche Sakralbauten.
Während der russischen Besetzung im 19. Jahrhundert wurden zahlreiche orthodoxe Kirchen in Warschau errichtet, von denen sich bis heute nur zwei erhalten konnten. Die meisten wurden nach der polnischen Unabhängigkeit 1918 abgerissen oder im Zweiten Weltkrieg zerstört. Auch die vielen einstigen Synagogen stammten aus dem 19. Jahrhundert, zwei davon sind erhalten (siehe Nożyk-Synagoge). Viele der Warschauer Gotteshäuser wurden 1944 gesprengt oder schwer beschädigt, nach dem Krieg aber rekonstruiert. Die deutsche Besatzungsmacht ließ die Große Synagoge am 16. Mai 1943 nach dem Aufstand im Warschauer Ghetto sprengen. Die Pragaer Synagoge wurde 1961 abgerissen.

Sehenswürdigkeiten:

  • Kulturpalast im stalinistischen Zuckerbäckerstil
  • Schlossplatz und Sigmundssäule, sowie das Königsschloss
  • St.-Johann-Kathedrale, gotischer Sakralbau
  • Baryckowkapelle, interessanter Barockbau
  • Neustadt im Stil des 18. Jh.
  • Befestigungsanlage Barbakane
  • Altstadtmarkt
  • Benediktinerinnenkirche vom heiligen Sakrament
  • Prachtstraße Ulrica Krakowskie
  • St.-Anna-Kirche
  • Karmeliterkirche
  • Vistantinnenkirche
  • Lazienki-Park
  • Großes Theater, klassizistischer Bau
  • Archäologisches Museum
  • Palais Radziwill
  • Mahnmal zum Gedenken an dem Aufstand im Warschauer Ghetto
  • Synagoge
  • Nationalmuseum
  • barockes Schloss Wilanow mit Sammlung altmeisterlicher Porträts und Schlosspark