Tatarstan

Tatarstan (offiziell Republik Tatarstan, deutsch auch Tatarien) ist eine autonome Republik im östlichen Teil des europäischen Russlands. Tatarstan ist die bevölkerungsreichste der autonomen Republiken Russlands und gilt als besonders eigenständig. Die Bezeichnung Tatarstan kam erst im 19./20. Jahrhundert auf. Der ältere Begriff Tatarei bezeichnete einen wesentlich größeren Raum.


Geographie:

Tatarstan liegt westlich des Uralgebirges in der osteuropäischen Ebene am Zusammenfluss der Flüsse Wolga und Kama, der hier durch den Kuibyschewer Stausee seeartig verbreitert ist. Die maximale Nord-Süd Ausdehnung beträgt 290 km, die maximale Ost-West Entfernung 460 km.

Begrenzung:

Tatarstan grenzt an acht Regionen der Russischen Föderation: im Norden an die Oblast Kirow, im Nordosten an Udmurtien, im Osten an Baschkortostan, im Süden an die Oblast Orenburg, Oblast Samara, Oblast Uljanowsk, im Westen an Tschuwaschien und Nordwesten an Mari El.

Waldlandschaften:

18 Prozent der Fläche sind von Wäldern bedeckt, die überwiegend aus Laubsorten wie Eichen, Linden oder Birken bestehen. Nadelwälder beinhalten Kiefern und Tannen.

Gewässer:

Die Republik Tatarstan verfügt auch über große Wasserressourcen. Das Flussnetz bilden neben der Wolga und der Kama, unter anderen die Belaja, die Wjatka, die Swijaga, die Mjoscha, die Schischma, der Ik, die Tojma, der Isch, der Stepnoj Saj. Insgesamt gibt es 3000 Flüsse. Die Binnenwasserfläche beträgt 4400 km² oder 6,4 Prozent des Republikterritoriums. Auf dem Territorium der Republik Tatarstan befindet sich ein großer Teil des größten Stausees Europas, des Kuibyschewer Stausees mit einer Fläche von 6450 km².

Bodenschätze und Rohstoffe:

Die Republik Tatarstan ist reich an Bodenschätzen, Erdöl ist das wichtigste Rohstoffvorkommen (Fördermenge 1999: 26,34 Millionen Tonnen). Auf dem Territorium der Republik gibt es auch Gips (Gesamtreserven betragen 72 Millionen Tonnen), Bitumenöl (nachgewiesene Reserven 12,5 Milliarden Tonnen), Torf, Ziegelton (73,5 Millionen Kubikmeter), Kalkstein und Dolomit. Im Südwesten Tatarstans gibt es noch Vorkommen an Brennschiefer.


Klima:

Das Klima ist gemäßigt-kontinental, mit warmem anhaltendem, manchmal heißem und dürrem Sommer und gemäßigt kaltem Winter. Die Durchschnittstemperaturenliegen im Januar bei −14 °C und im Juli bei +19 °C. Die Frostperiode dauert von Mitte November bis Anfang April. Die jahresdurchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt 430 bis 500 mm.

Kasan:

Jan.
Feb.
Mär.
Apr.
Mai
Jun.
Jul.
Aug.
Sep.
Okt.
Nov.
Dez.
-6°C-4°C2°C11°C19°C22°C26°C22°C16°C8°C1°C-3°C
-13°C-12°C-6°C2°C8°C11°C14°C12°C7°C2°C-3°C-9°C


Natur:

Fauna:

Die lokale Fauna ist durch 430 Wirbeltierarten repräsentiert.


Geschichte:

prähistorische Zeit:

Die Besiedlung des Gebietes Tatarstans begann bereits im Paläolithikum, vor etwa 100.000 Jahren.

Reich der Wolgabulgaren, Kalifate und Mongolen:

Der erste Staat, das Reich der Wolgabulgaren entstand um das Jahr 900 n. Chr. Im Jahre 922 wurde der Islam zur Staatsreligion, wodurch das Wolgabulgarenreich unter Einfluss des Arabischen Kalifats geriet. Nach hartnäckigem Widerstand gegen die Mongolischen Einfälle fiel das hochentwickelte Reich der Wolgabulgaren 1236 an die Goldene Horde.

Islamisches Reich:

Durch innere Zerrüttung zerfiel die Horde in halbunabhängige Emirate. Auf dem Territorium des heutigen Tatarstan bildete sich 1438 das Nachfolgekhanat Kasan. Die Beziehungen zwischen dem Kasaner Khanat und dem nahe gelegenen Moskau waren kriegerischer Natur (vgl. Moskau-Kasan-Kriege).

Russisches Eroberung:

Der stärker gewordene russische Staat eroberte schließlich unter Iwan dem Schrecklichen das Khanat. Nach der russischen Eroberung wurde die bisherige herrschende Schicht entmachtet und das Khanat Kasan vollständig in den russischen Staatsverband eingegliedert. Der Islam als Religion wurde jedoch toleriert, wenngleich der Einfluss des Christentums zunahm, da sich mehr und mehr Russen im Gebiet des heutigen Tatarstan ansiedelten. Einzelne Versuche zur Missionierung der Tataren durch die Russisch-Orthodoxe Kirche vor allem im 19. Jahrhundert blieben weitgehend erfolglos. Die tatarische Kaufmannschaft behielt auch unter russischer Herrschaft ihre wirtschaftliche Bedeutung vor allem im Handel zwischen Osteuropa und den muslimischen Staaten Zentralasiens. Dadurch wurde Kasan zu einem der wichtigsten industriellen und kulturellen Zentren Russlands und 1708 zum Zentrum des Gouvernement Kasan erklärt.

19. Jh. und 20. Jh.:

Im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert waren die Tataren das wirtschaftlich am weitesten entwickelte der muslimischen Turkvölker des Russischen Kaiserreiches. Kasan hatte als Zentrum des muslimischen Bildungswesens und Erscheinungsort gedruckter Publikationen in den Turksprachen große Bedeutung über das Gebiet Tatarstans hinaus. 1920 erklärten die Bolschewiki Tatarstan zu einer Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik (Tatarische ASSR) innerhalb der RSFSR. Obwohl die Tataren zahlreicher waren als z. B. die baltischen Völker und von Anfang an auch im Staatswappen der Sowjetunion als sechstwichtigste Nation aufgeführt worden waren, erhielt Tatarstan nicht den Rang einer Unionsrepublik (SSR).

1988 wurde in Tatarstan das Tatarische Zentrum gebildet, das für die völlige Unabhängigkeit des Landes und für eine kulturelle Einheit der im Land lebenden Tataren mit denen in Baschkortostan, Tschuwaschien und Sibirien eintrat.

Nach der Auflösung der UdSSR:

Während der Auflösung der Sowjetunion erklärte sich Tatarstan am 30. August 1990 zur souveränen Republik, was 1992 durch ein Referendum bestätigt wurde. Im November des gleichen Jahres wurde die Verfassung der Republik Tatarstan verabschiedet. Den 1994 geschlossenen Föderationsvertrag unterzeichnete Tatarstan im Gegensatz zu den meisten anderen Republiken Russlands nicht in unveränderter Form, sondern vereinbarte mit der russischen Zentralmacht Sonderrechte, die unter anderem eine erweiterte wirtschaftliche Autonomie beinhalten. Erst im Jahr 2000 übernahm die Republik Tatarstan auch die in der Russischen Föderation geltenden Normen zur Ablieferung von Einnahmen an den föderalen Haushalt.


Kulturelle Zentren und Städte:

Kasan:

Kasan ist die Hauptstadt der Republik Tatarstan in Russland. Mit 1.143.535 Einwohnern (Stand 14. Oktober 2010) ist Kasan die achtgrößte Stadt Russlands. Die Stadt an der Wolga liegt rund 800 km östlich von Moskau und ist ein wichtiges Zentrum des russischen Islams sowie ein bedeutender Kultur-, Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort und Verkehrsknotenpunkt. Die Stadt gilt als eine Perle der Architektur, die Orient und Okzident in sich vereint. Der Kasaner Kreml gilt als einer der schönsten seiner Art und ist aus diesem Grund in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen worden. Dort steht auch der ehemalige Gouverneurs-Palast, der von 1843 bis 1853 an Stelle des Khan-Palastes vom russischen Architekten Konstantin Thon errichtet wurde. Darüber hinaus errichtete Thon die daneben stehende Schlosskirche. Anlässlich des erfolgreichen Feldzuges nach Kasan ließ Iwan IV.eine Kathedrale in Moskau errichten: die Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz. Gleichzeitig wurde auf Befehl des Zaren eine kleine hölzerne Kirche im Kasaner Kreml gebaut, die schon nach drei Tagen fertig war. Später wurde diese Kirche umgebaut, und seit vermutlich 1556 steht im Kasaner Kreml eine prachtvolle orthodoxe Kathedrale: die Mariä-Verkündigungs-Kathedrale. Diese Kathedrale ist das älteste Baudenkmal des Kasaner Kremls. Nahe der Mariä-Verkündigungs-Kathedrale befindet sich ein Turm aus rotem Ziegelstein: der Sujumbike-Turm. Der nach der letzten Regentin des Kasaner Khanats benannte Turm entstand im 18. Jahrhundert. Hinter dem Turm befindet sich ein Mausoleum mit den Sarkophagen der tatarischen Khane. Anlässlich des 1000-jährigen Bestehens im Jahre 2005 wurden der Kreml und andere Gebäude renoviert. Der Hauptturm des Kasaner Kremls ist der Spasski-Turm oder der Erlöser-Turm. Dieser Turm wurde im 19. Jahrhundert errichtet. Aber nach der Meinung einiger bekannter Architekten stammt das erste Stockwerk des Turmes aus dem 16. Jahrhundert und wurde noch von den russischen Baumeistern Postnik Jakowlew und Iwan Schirjajew erbaut. Bis zur Oktoberrevolution 1917 befand sich im obersten Stockwerk eine Kapelle und noch heute kann man dort Umrisse der Kirchenfenster erkennen. Ganz oben auf dem Turm ist ein Stern angebracht, der in den 1930er Jahren aufgestellt wurde. Heute wird oft darum gestritten, ob der Stern hier passend ist. Aber die Regierung ist der Meinung, dass ein Kreuz die Tataren und ein Halbmond die Russen beleidigen könnte. Bauwerke in Kasan

  • Burnajewskaja-Moschee
  • Iske-Tasch-Moschee
  • Sujumbike-Turm
  • Mariä-Verkündigungs-Kathedrale
  • Kul-Scharif-Moschee
  • Metro Kasan
  • Staatliche Universität Kasan
  • St.-Katharina-Kirche
  • Peter-und-Paul-Kirche
  • Apanajewskaja-Moschee
  • Nurulla-Moschee

Selenodolsk:

Selenodolsk ist eine Stadt in Russland in der Republik Tatarstan. Sie liegt am nördlichen Ufer der Wolga, 38 km westlich der Republikshauptstadt Kasan, und hat 97.674 Einwohner (Stand 14. Oktober 2010).

Kloster bei Selenodolsk:

21 km entfernt von Selenodolsk gibt es ein Mutter-Gottes-Kloster. Die Stadt selbst verfügt über drei Kulturhäuser, die über große Zuschauerräume verfügen. Diese sind mit Bühnen und Orchestergräben ausgestattet. Ferner gibt es im Stadtteil Mirny eine Kultureinrichtung für Jugendliche, in der mehrere Tanz- und Theatergruppen untergebracht sind. Die Stadt verfügt außerdem über Jugendsportschule, Jugendkunstschule und über eine Musikschule. Der Bevölkerung stehen auch mehrere Bibliotheken (der beiden Kulturhäuser, der Stadtverwaltung sowie mehrere Stadtteilbibliotheken) zur Verfügung. In der Stadt sind ein Museum für Heimatkunde und Ethnographie vorhanden. Außerdem kann man das Museum der Gorki-Schiffsfabrik besichtigen. Das Gymnasium Nummer 3 verfügt über ein Museum für Kosmonautik. In dem Museum sind zahlreiche Kopien der Fluggeräte vorhanden, außerdem Teile der Kosmonautenausrüstung. Unweit der Stadt, auf einer Wolga-Insel gelegen, kann das Swijaschsk-Kloster besichtigt werden, dessen Bauten wichtige Zeugnisse der russischen Baukunst sind.