Podlachien

Die Woiwodschaft Podlachien (polnisch województwo podlaskie) ist eine der 16 Woiwodschaften, die die Republik Polengliedern. Die 1999 aus den Woiwodschaften Białystok und Łomża sowie aus einem Teil von Suwałki hervorgegangene Provinz liegt im Nordosten Polens, wird von den Woiwodschaften Ermland-Masuren, Masowien und Lublin umschlossen und grenzt in einem Vierländereck an die russische Oblast Kaliningrad und an Litauenim Norden sowie weiter an Weißrussland im Osten. Die Hauptstadt Białystok hat rund 295.000 Einwohner, ansonsten ist Podlachien allerdings die am wenigsten besiedelte und strukturierte Woiwodschaft Polens. Hier leben Angehörige einer weißrussischen und einer tatarisch-muslimischen Minderheit.


Geographie:

Die Geographie der Region ist sehr variantenreich. Der Norden wurde durch die Baltischen Gletscher geschaffen, während der restlichen Teil der Landschaft aus den Gletschern Mittelpolens entstand. Der höchste Punkt der Region ist der Rowelska mit 298 m. Die Erhebung liegt im nördlicheren Teil der Woiwodschaft. Der Norden wird durch Seen und Hügelländer dominiert. Die Topographie wird durch kleine Becken und Flusstälern geprägt.

Waldlandschaften:

Podlachien ist bekannt für seine riesigen Wäldern. Viele unter diesen Wäldern haben ihren urtümlichen Charakter behalten, und werden als Urwälder kategorisiert. Die bekanntesten Waldgebiete sind:

  • Białowieża
  •  Augustów
  • Knyszyń
  • Kurpiowska

Die Waldvegetation der Region ist extrem Vielfältig, sowie auch die Tierwelt. Im Bialowieza-Wald und Knyszyn-Wald leben Elche, Luchse und Wisente.

Flüsse:

  • Biebrza
  • Supraśl
  • Westlicher Bug (Grenzfluss)
  • Narew

Klima:

Podlachien weist ein Kontinentalklima mit warmen Sommern auf. Zudem befindet sich in an der Grenze zu Weißrussland und in den dort liegenden Nadelwälder ein feuchtes Borealklima. Die Winter sind lang und frostig, während die Sommer warm sind. Die Temperaturen sind um einiges unterschiedlicher, als die des restlichen Polnischen Tieflandes. Podlachien ist eine der kältesten Genügenden in Polen. Die Durchschnittstemperatur im Januar liegt bei -5°C, während die Durchschnittstemperatur im Juli auf +17°C steigt. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt +7°C. Die Anzahl der Frosttage reicht von 50 bis 60 Tagen. An 90 bis 110 Tagen liegt eine Schneedecke. Die Summe des Niederschlages im Jahr liegt um 550 mm. Die Vegetationsperiode dauert 200 bis 210 Tage an.

Podlachien – das polnische Sibirien:

Podlachien ist die kälteste Region Polens und liegt im äußersten Nordosten des Landes. Zudem befindet sich die Woiwodschaft an der Grenze zu Weißrussland (Belarus) und Litauen. Die Region hat ein kontinentales Klima, das durch hohe Sommertemperaturen und sehr kalten Wintertemperaturen charakterisiert wird. Die Wetterlage wird beeinflusst durch die eisigen und kalten Luftströmungen von Skandinavien und Sibirien. Im Winter sinken die Temperaturen jährlich auf -15°C.

Białystok:


Naturschutz:

Der polnische Teil des Białowieża Biosphärenreservat (UNESCO-Weltnaturerbe) gehört zu Podlachien. Zudem gibt es vier weitere Nationalparks:

  • Białowieża
  • Biebrza
  • Narew
  • Wigry

Hinzu kommen noch drei Naturparks:

  • Knyszyn
  • Łomża
  • Suwałki

Des Weiteren findet man 88 Naturreservate und 15 Landschaftsschutzgebiete. Podlachien wird auch als „Grüne Lunge“ Polens genannt.


Kulturelle Zentren und Städte:

Białystok:

Białystok liegt rund 180 km nordöstlich der Landeshauptstadt Warschau nahe der weißrussischen Grenze an dem kleinen Fluss Biała, der im Nordwesten der Stadt in den Supraśl mündet, der sich wiederum einige Kilometer weiter westlich in den Narew ergießt. Sehenswert sind das barocke Rathaus (barokowy ratusz miejski), der Branicki-Palast (Pałac Branickich), heute Medizinische Universität, das Dom-Ensemble (alte Kirche aus dem 16. Jahrhundert mit prachtvoller Ausstattung aus dem 18. Jahrhundert sowie der in neugotischem Stil gebaute Dom aus den Jahren 1904 bis 1915 – dort befinden sich mehrere Kunstwerke wie der Hauptaltar und die Kanzel). In Białystok befinden sich auch mehrere orthodoxe Kirchen, unter anderem die St.-Nikolai-Kathedrale und die Hagia Sophia. Etwa 80 km von der Stadt entfernt befindet sich der Białowieża-Nationalpark, wo viele seltene Tiere leben, darunter auch Wisente.

Tykocin:

Tykocin (jiddisch: Tiktin) ist eine polnische Stadt im Kreis Białystok der Woiwodschaft Podlachien und zugleich Sitz einer Stadt- und Landgemeinde. Es liegt etwa 20 Kilometer westlich von Białystok im Talkessel der Biebrza am Fluss Narewund besitzt einen der am besten erhaltenen historischen Stadtkerne Polens. Vor dem Zweiten Weltkriegwar Tykocin eines der wichtigsten Zentren des polnischen Judentums. Heute ist es ein touristisch beliebter Ort und erhielt unter anderem eine Auszeichnung als Europäisches Storchendorf. Sehenswert:

  • Dreifaltigkeitskirche und Ensemble des ehemaligen Missionarsklosters (1742–1749)
  • Barocker Marktplatz
  • Große Synagoge von 1642, heute Museum für jüdische Kultur
  • Kleine Synagoge, heute Stadtmuseum
  • Talmud-Haus, heute Museum und jüdisches Restaurant
  • Kleiner Markt, ehemaliges Zentrum des Judenviertels
  • Ehemaliges Spital aus dem Jahre 1755
  • Ehemaliges Militärveteranenheim 1634–1638, das älteste Polens
  • Komplex des zwischen 1771 und 1790 auf Initiative Jan Klemens Branickis errichteten Bernhardinerklosters
  • 2005 teilweise wieder aufgebaute Ruinen des Schlosses König Sigismund Augusts
  • Jüdischer Friedhof
  • Denkmal für Stefan Czarniecki aus dem Jahre 1763, das wohl älteste weltliche Denkmal Polens


Naturlandschaften und -monumente:

Białowieża Nationalpark:

Das Weltnaturerbe und Biosphärenreservat der UNESCO ist auf polnischer Seite 200 km² groß. Auf weißrussischer Seite ist das Biosphärenreservat 1.771 km² groß. Das Kerngebiet ist 157 km² groß mit einer Pufferzone von 714 km² und einer Übergangszone von 900 km². Der Nationalpark und das Weltnaturerbe sind zusammen 876,1 km² groß. Der ausgedehnte Waldkomplex von Białowieża erstreckt sich über eine Gesamtfläche von 1.500 km² beiderseits der polnisch-weißrussischen Grenze.

Białowieża-Urwald:

Der Białowieża-Urwald (polnisch Puszcza Białowieska, weißrussisch Белавежская пушча), deutsch Belowesche Heide, ist ein Naturschutzgebiet auf beiden Seiten der polnisch-weißrussischen Grenze. Der Wald gilt als eines der letzten verbliebenen Urwaldgebiete in Europa. Das Gebiet liegt 150 bis 170 Meter über dem Meeresspiegel. Die Geländefläche beträgt über 1.500 Quadratkilometer, davon befinden sich 620 Quadratkilometer auf der polnischen Seite. Das als UNESCO-Weltnaturerbe anerkannte Gebiet umfasst auf beiden Seiten der Grenze 876 Quadratkilometer. Der weißrussische Teil steht komplett als Nationalpark unter Schutz, auf polnischer Seite ist nur ein Teil Schutzgebiet. Der Nationalpark Białowieża umfasst nur 15 Prozent des polnischen Urwaldgebietes. Er ist Lebensraum für über 12.000 Tierarten mit allein 9000 Insektenarten. Viele der Tier- und Pflanzenarten sind endemisch, d.h. nur im Naturschutzgebiet Białowieża anzutreffen. Auch stehen dort mit die höchsten Laubbäume Europas: Es sind bis zu 50 Meter hohe Eichen und bis zu 40 Meter hohe Eschen. Die Natur ist wegen der minimalen Eingriffe des Menschen sehr vielgestaltig: So bilden die nicht entfernten verrottenden Baumstämme und -reste besondere Lebensbedingungen, wie sie in konventionell bewirtschafteten Wäldern nicht anzutreffen sind. Die Ursprünge des Waldes reichen bis 8000 v. Chr. zurück.

Suwalski Park Krajobrazowy:

Der Park ist ein Geschützes Gebiet im nordöstlichen Polen. Die Gründung war im Jahr 1976 und bedeckt ein Gebiet von 62,84 km². Der Park liegt in der Landschaft Podlachien in der Nähe der Stadt Jeleniewo. Im Park selbst befinden sich drei weiter Naturreservate.