Tokio und Umgebung

Tokio ist eine Weltstadt in der Kantō-Region im Osten der japanischen Hauptinsel Honshū. Mit 9.460.426 Einwohnern ist sie nicht nur die bevölkerungsreichste Stadt des Landes, sondern als Sitz der japanischen Regierung und des Tennōauch die Hauptstadt Japans. Sie umfasst die 23 Bezirke auf dem Gebiet der 1943 als Verwaltungseinheit abgeschafften Stadt Tokio und ist damit keine eigene Gebietskörperschaft mehr; stattdessen bilden die Bezirke zusammen mit den Städten und Gemeinden der westlich gelegenen Tama-Region und den südlichen Izu- und Ogasawara-Inseln die Präfektur Tokio. Diese bildet wiederum das Zentrum der Metropolregion Tokio-Yokohama, in der mehr als 37 Millionen Menschen leben (Stand 2014), was die Region zum größten Ballungsraum der Welt macht.

Tokio ist heute das Industrie-, Handels-, Bildungs- und Kulturzentrum Japans mit zahlreichen Universitäten, Hochschulen, Forschungsinstituten, Theatern und Museen. Mit den Flughäfen Narita und Haneda und als Ausgangspunkt der meisten Shinkansen-Linien ist es auch das Verkehrszentrum des Landes. Der Finanzplatz Tokio ist nicht nur der größte Japans, sondern zählt neben London, New York und Hongkong auch zu den fünf größten der Welt. Zudem weist die Stadt ein hohes Preisniveau auf und lag in einer Studie 2014 auf Platz 9 der teuersten Städte weltweit. Neben modernen Sehenswürdigkeiten wie dem Tokyo Tower oder Tokyo Skytree bietet sie auch historische Anlagen wie die Kaiserlichen Gärten in Chiyoda, den Ueno-Park oder den Asakusa-Kannon-Tempel. In den vergangenen Jahren wurde Tokio zu einem zunehmend beliebten Tourismusziel und befindet sich mit jährlich bis zu acht Millionen Besuchern aus dem Ausland unter den 20 meistbesuchten Städten.


Geographie:

Tokio liegt an der Bucht von Tokio auf der Insel Honshū, der größten der vier Hauptinseln des japanischen Archipels, in der Kantō-Ebene (Kantō-heiya) durchschnittlich sechs Meter über dem Meeresspiegel. Kantō ist das Gebiet, das in weitem Bogen um die Tokiobucht liegt. Der Name Kantō bedeutet „östlich der Barriere“ – eine historische Bezeichnung. (Kansai, also „westlich der Barriere“, ist das Gebiet um Ōsaka.) Mit „Barriere“ ist die alte Zollschranke gemeint, die West- und Ostjapan trennte, westlich der Stadt Hakone.

Landschaften:

Die Kantō-Ebene ist die größte Ebene in Japan. Durch frühere, gewaltige Vulkanausbrüche des in den letzten Jahrhunderten eher ruhigen Fujisan wurde fast die komplette Ebene mit fruchtbarer, vulkanischer Asche eingedeckt – dem sogenannten kantō rōmu sō. Dazu kommt die große Tokiobucht, die tief genug ist, um als Hafen zu fungieren, und flach genug, um dem Meer größere Flächen abzuringen.


Klima:

Die Stadt befindet sich im Bereich des subtropischen Ostseitenklimas (nach Neef). Laut KöppenscherKlimaklassifikation ist die Stadt dem warmgemäßigten Seeklima zuzurechnen. Die Sommer sind heiß und feucht (30 °C tagsüber und 20 °C nachts), die Winter trocken und sonnig (10 °C tagsüber und um 0 °C nachts); manchmal fällt auch Schnee. Die Regenzeit (Tsuyu) mit täglichen Regenschauern dauert von Ende Juni bis Mitte Juli. Sie wird von feuchten Passatwinden aus dem Westpazifik hervorgerufen. Anschließend – von Mitte Juli bis Ende August – ist es anhaltend heiß mit hoher Luftfeuchtigkeit. Taifune drohen im September oder Oktober, dauern aber selten länger als einen Tag. Sie entstehen meist im Sommer oder Frühherbst im Nordpazifik westlich der Datumsgrenze und nördlich des 5. nördlichen Breitengrades am Rand des Kalmengürtels und wandern dann meistens zuerst nordwestlich in Richtung Vietnam, Philippinen und China. Wenn sie das Festland nicht erreichen, drehen sie in nordöstliche Richtung ab und suchen Korea und Japan heim. In Tokio bringen Taifune starke Windböen und Regenfälle, schwächen sich dann aber allmählich ab, je weiter sie ins Inland vordringen, da sie kein Wasser mehr aufnehmen. Die durchschnittliche Jahrestemperatur in Tokio beträgt 15,6 °C, die jährliche Niederschlagsmenge im Mittel 1466,8 Millimeter. Der wärmste Monat ist der August mit durchschnittlich 27,1 °C, der kälteste der Januar mit 5,2 °C im Mittel. Der meiste Niederschlag fällt im September mit durchschnittlich 208,5 Millimeter, der wenigste im Dezember mit 39,6 Millimeter im Mittel.

Lufttemperatur der Stadt Tokio:

Jan.
Feb.
Mär.
Apr.
Mai
Jun.
Jul.
Aug.
Sep.
Okt.
Nov.
Dez.
10°C10°C13°C19°C23°C26°C29°C31°C27°C22°C17°C12°C
3°C3°C6°C11°C15°C19°C23°C25°C21°C15°C10°C5°C

Klimastationen:


Geschichte:

Die Stadtgeschichte beginnt im Jahr 1446, als Ōta Dōkan in einem Sumpfgebiet am Nordufer der heutigen Bucht von Tokio mit dem Bau der Burg Edo begann, umgeben von einigen Fischerdörfern. 1590 ging diese Burg an Tokugawa Ieyasu, der hier nach seinem Sieg in der Schlacht von Sekigahara sein neues Shogunat und damit die Edo-Zeitbegründete. Edo wurde neben Kyōto zum politischen und kulturellen Zentrum des Landes. Mit der Meiji-Restauration 1868 wurde das Shogunat abgeschafft und der Sitz des Tennō nach Edo verlegt, die Burg wurde zum Kaiserpalast und Edo bekam seinen neuen Namen Tokio, der „Östliche Hauptstadt“ bedeutet. Von da an wuchs auch die Bevölkerung der Stadt, die bereits um 1910 mit rund zwei Millionen Einwohnern zu den größten der Welt zählte. Im Zweiten Weltkrieg war Tokio zahlreichen Luftangriffen durch die USA ausgesetzt, bei denen rund die Hälfte der Stadtfläche zerstört wurde. Nach dem Ende der amerikanischen Besatzungszeit folgte ein rasanter wirtschaftlicher Aufschwung, einhergehend mit einem erneuten Bevölkerungszuwachs.


Sehenswürdigkeiten:

Historischer Stadtkern:

Der historische Stadtkern Tokios im Bezirk Chiyoda wird vom Kaiserpalast Kōkyo dominiert. Die kaiserliche Residenz liegt auf dem ehemaligen Gelände der Burg Edo und ist von einer weitläufigen Parkanlage umgeben. Im südlich und westlich der Palastanlage gelegenen Stadtteil Nagatachō liegt das Regierungsviertel mit dem Amtssitz des Premierministers (Kantei), das Gebäude des japanischen Parlaments und dem Obersten Gerichtshof.

Außerhalb des kaiserlichen Palastes:

Östlich des kaiserlichen Palastes liegt der Stadtteil Marunouchi, das bedeutendste Geschäftsviertel des Landes. Viele der großen Konzerne Japans und eine große Anzahl an Einrichtungen des Finanzwesens haben hier ihre Hauptgeschäftsstelle. Im Jahre 1914 erlangte dieser Bezirk nach der Eröffnung des Hauptbahnhofs große Bedeutung. Im Osten von Marunouchi liegt das größte Einkaufsviertel Tokios. Es erstreckt sich vom nördlich gelegenen Stadtteil Nihombashi bis nach Ginza im Süden. Viele Kaufhäuser, internationale Mode-Marken, traditionelle Spezialitätengeschäfte, Vergnügungslokale und Restaurants haben sich entlang der Straßen dieser Bezirke angesiedelt.

Minato:

Im Stadtbezirk Minato befindet sich der 333 Meter hohe Tokyo Tower, eines der Wahrzeichen der Stadt, und der Hochhauskomplex Tokyo Midtown. Ein weiteres Einzelhandels- und Geschäftszentrum ist der Bezirk Shinjuku um den Bahnhof Shinjuku, wo ebenfalls bedeutende Firmenzentralen und die Präfekturregierung angesiedelt sind.

Weitere Stadtzentren:

Weitere bedeutende Stadtzentren und Sehenswürdigkeiten sind Akihabara, auch als Electric City bekannt, ein großes Elektronik- und Computereinkaufsviertel und Treffpunkt der Otaku, der Tsukiji-Fischmarkt (größter Fischmarkt der Welt), der Tokyo Dome, der Ueno-Park mit der Einschienenbahn Ueno-Zoo, das Kaufhaus Mitsukoshi und die Rainbow Bridge. Im Bezirk Sumida wurde am 18. März 2011 der Tokyo Sky Tree fertiggestellt, obwohl in der Woche zuvor das Tohoku-Erdbeben auch Tokio erreichte. Die Eröffnung erfolgte am 22. Mai 2012. Mit 634 Metern ist der Turm der höchste Fernsehturm der Welt sowie das zweithöchste freistehende Bauwerk nach dem Burj Khalifa im arabischen Dubai.

Sakralbauten:

Bedeutende Sakralbauten sind der Meiji-Schrein und der Sensō-ji in Taitō, der älteste Tempel in Tokio.

Museen:

Im Ueno-Park im Bezirk Taitō befinden sich das Nationalmuseum Tokio, das größte und älteste Museum Japans. Es werden rund 110.000 Exponate der japanischen Kunst und Archäologie gezeigt. Weitere wichtige Kunstmuseen sind das Nationalmuseum für westliche Kunst, das Tokyo Metropolitan Teien Art Museum, das Bridgestone Museum of Art und das Nationalmuseum für moderne Kunst. Das 1871 gegründete Nationalmuseum der Naturwissenschaften zeigt eine Auswahl der 3,5 Millionen Einzelstücke, darunter eine Sammlung zur Wissenschaft vor der Öffnung Japans. Das Edo-Tokyo-Museum und Fukagawa-Edo-Museum befassen sich mit der Stadtgeschichte Tokios. Dort wurde das alte Tokio in Miniatur nachgebaut, einzelne historische Häuser werden auch in Originalgröße gezeigt. Ende September 2017 eröffnete die international bekannte japanische Künstlerin Yayoi Kusama in Tokyo das Yayoi Kusama Museum.


Natur der Stadt Tokio:

Auch wenn in Tokio der Eindruck von dichter Stadtlandschaft mit wenig Grün überwiegt, gibt es im Stadtgebiet über hundert öffentliche Parks, wobei allerdings schon ein Spielplatz mit ein paar Bäumen als Park gilt.

Größten Parks:

Die größten innerstädtischen Parks Tokios sind der Ueno-Park in Taitō, der Yoyogi-Park und der Shinjuku Gyoen, gefolgt vom Shinjuku-Chūō-Park, dem Hibiya-Park und den Grünanlagen rund um den Kaiserpalast (namentlich Ni-no-Maru-Park, Kita-no-Maru-Park, Chidori-ga-Fuchi-Parkund Soto-Bori-Park).

Weitere Parks:

Weitere Parks sind der Inokashira-Park zwischen den Städten Musashinound Mitaka, der Koishikawa-Kōrakuen, ein Landschaftsgarten auf dem Grundstück eines ehemaligen Daimyō-Anwesens direkt neben dem Tokyo Dome, und der Odaiba-Kaihin-Park, ein beliebter Pärchentreff mit Blick auf die Bucht von Tokio. Die bekanntesten Vergnügungsparks in Tokio sind der Tokyo Sea Life Park, Hanayashiki, Toshimaen, Tokyo Disney Resort, der Tama-Zoo und der Ueno-Zoo.

Tama-Zoo:

Der Tama-Zoo ist der größte Zoo von Tokio. Er wurde am 5. Mai 1958 eröffnet und umfasst ein Gelände von 52,3 Hektar. Der Zoo ist in drei ökologische Areale eingeteilt, den asiatischen Garten, den afrikanischen Garten und den australischen Garten. Dazu besitzt er ein Insektarium. In den jeweiligen Gärten werden typische Tiere des jeweiligen Erdteils gezeigt. Er liegt vor dem Bahnhof Tama Dōbutsu Kōen der Keiō-Dōbutsuen-Linie und der Einschienenbahn Tama.

Ueno-Zoo:

Der Ueno-Zoo ist der älteste Tierpark Japans. Er ist kleiner als der Tama-Zoo und befindet sich im Ueno-Park mitten in der Tokioter Innenstadt. Der Zoo ist durch eine in einem Einschnitt liegende Straße in zwei Teile geteilt, die mit einer Brücke und der Ueno-Zoo Monorail verbunden sind.

Hama-Rikyū-Garten:

Der „Hama-Rikyū-Garten“ an der Mündung des Sumida, ursprünglich der Garten der kaiserlichen Villa, ist bekannt für seinen Meerwasserteich, der auch Ebbe und Flut hat sowie seine mit Wisteria bewachsenen Brücken.

Kiyosumi-Garten:

Der „Kiyosumi-Garten“ bekam seine gegenwärtige Gestalt von Baron Iwasaki im Jahre 1878. Ein kleiner Teich mit circa 10.000 Karpfen ist umgeben von großen Felsen, die aus ganz Japan stammen. 1924 wurde er der Stadt Tokio geschenkt.

Chichibu-Tama-Nationalpark:

Sehenswert sind auch die weiter im Westen, hinter den Vororten, gelegenen Teile der schönen Gebirgslandschaft des Chichibu-Tama-Nationalparks.


Naturlandschaften und -monumente:

Aokigahara:

Aokigahara ist ein Wald in Japan. Er befindet sich am Fuß des Fuji an dessen Nordseite, westlich vom Saiko und südöstlich vom Shoji-See zwischen den Gemeinden Fujikawaguchiko und Narusawa der Präfektur Yamanashi, und erstreckt sich über etwa 35 km². In seinem Gebiet liegt die Narusawa-Eishöhle.

Bucht von Tokio:

Die Bucht von Tokio ist eine Bucht an der japanischen Pazifikküste. An ihr befindet sich das zurzeit weltgrößte Ballungsgebiet, die Metropolregion von Japans Hauptstadt Tokio mit etwa 37 Millionen Einwohnern (Stand 2008). An der Bucht befindet sich außerdem einer der größten asiatischen Häfen, nämlich der Hafen Yokohamas.

Fuji:

Der Fuji ist ein Vulkan und mit 3776,24 Höhe über dem Meeresspiegel der höchste Berg Japans. Sein Gipfel befindet sich auf der japanischen Hauptinsel Honshū an der Grenze zwischen den Präfekturen Yamanashi und Shizuoka. Seit 2013 ist er Teil des Weltkulturerbes.

Fuji-Seen:

Die fünf Fuji-Seen liegen am nördlichen Fuße des Fuji in der Präfektur Yamanashi in Japan. Sie enthalten Quellwasser vom Vulkan, dessen erstarrte Lava die an den Hängen niedergehenden Niederschläge über Jahrzehnte filtert und in die Seen entlässt. Die Seen sind, in der Reihenfolge von West nach Ost:

  • der Motosu-See (bei Kamikuishiki)
  • der Shōji-See (bei Kamikuishiki)
  • der Saiko – deutsch: Westsee (bei Fujikawaguchiko)
  • der Kawaguchi-See (bei Fujikawaguchiko)
  • der Yamanaka-See (bei Yamanakako)

Alle fünf bieten einen schönen Blick auf den Fuji, besonders im Frühjahr und im Herbst, wenn sein Gipfel schneebedeckt ist. Die Seen befinden sich in ländlicher Gegend. Es gibt viele Möglichkeiten zum Camping, Bootfahren und Angeln.

Kantō-Ebene:

Die Kantō-Ebene ist die flächengrößten Ebene Japans –, im Norden und Westen aus dem Kantō-Bergland, im Nordosten aus Ausläufern des Abukuma-Berglandes  und im Südosten aus der Bōsō-Halbinsel.