Thüringer Wald

Der Thüringer Wald im erweiterten Sinn ist ein etwa 150 km langes, 35 km breites, bis 982,9 m ü. NHN hohes (Großer Beerberg) und waldreiches Mittelgebirge im Freistaat Thüringen(Deutschland). Thüringer Wald im engeren Sinn bezeichnet davon nur den nordwestlichen Teil, der als Kammgebirgebis knapp südöstlich von Neustadt am Rennsteigreicht. Das bis 867 m hohe Mittelgebirge südöstlich der Linie Lichtenau – (Schleusegrund) – Schönbrunn – Gießübel – Altenfeld – Gehren wird demgegenüber Thüringer Schiefergebirge genannt.


Naturräumliche Gliederung:

Die naturräumlichen Haupteinheiten Thüringer Waldund Thüringer Schiefergebirge sind Teil des Thüringisch-Fränkischen Mittelgebirges, das sich nach Südosten bis zum Fichtelgebirge fortsetzt. Naturräumlich wird der etwa 70 km² einnehmende, maximal 470 m erreichende nordwestliche Sporn Nordwestlicher Thüringer Wald vom insgesamt etwa 850 km² umfassenden Mittleren Thüringer Wald unterschieden, dessen Höhenlagen überall 600 m übersteigen.

Nordwestlicher Thüringer Wald:

Der Nordwestliche Thüringer Wald stellt den äußersten Sporn des Gebirges dar. Seine Höhenlagen erreichen maximal 470 m und übersteigen das sich südwestlich anschließende Buntsandstein-Vorland kaum, jedoch ist das Relief ausgeprägt. Bekannt sind insbesondere die Drachenschlucht und die Wartburg. Östlich reicht der Naturraum im Norden bis zum Erbstrom-Nebenfluss (Kleiner) Mosbach nebst gleichnamigem Ort, in Mitte und Süden liegt die Grenze westlicher und folgt der Bundesstraße 19, die zwischen Wilhelmsthal und Etterwinden den Oberlauf der Elte flankiert. Anstehendes Gestein ist das Eisenacher Rotliegend(Rotliegend-Konglomerate und Sandsteine).

Ruhlaer Thüringer Wald:

Der nordwestlichste Teil des Mittleren Thüringer Waldes um das nördlich des Rennsteigs gelegene Ruhla, der nach Südosten bis zur Landesstraße 1027 Schwarzhausen – Bad Liebenstein entlang der Täler von Emse und Kallenbach/Grumbach reicht, steht auf dem Grundgebirge des Ruhlaer Kristallin mit Graniten, Gneisenund Glimmerschiefer. Eine ausgeprägte Kammlinie im Zentrum ist nicht zu erkennen; vielmehr erreichen die Gipfel sowohl nordöstlich als auch südwestlich der Wasserscheide in etwa die Rennsteig-Höhen von um 700 m und darüber.

Brotteroder Thüringer Wald:

Der Abschnitt des Thüringer Waldes um das südlich des Rennsteigs gelegene Brotterode, der sich an den um Ruhla anschließt und nach Südosten bis Tambach-Dietharz reicht, ist geologisch inhomogener als der um Ruhla. Er wird durch die den Tälern von Schilfwasser und Schmalkalde folgende Landesstraße 1026 Friedrichroda – Floh-Seligenthal, an der Kleinschmalkaldeninmitten des Gebirges liegt, in zwei Segmente zerschnitten und durch die den Tälern von Apfelstädt und Flohbach Landesstraße 1028 Georgenthal – Floh-Seligenthal, an der Tambach-Dietharz liegt, in zwei Segmente zerschnitten, die an der Flohbach-Mündung in Floh im Süden verschmelzen. Im Norden des östlicheren Segments liegt Finsterbergen. In diesem Abschnitt ist bereits deutlich ein Kamm erkennbar, der zunächst der Wasserscheide zwischen mittlerer Werra und Hörsel, weiter südöstlich der zwischen Werra und Unstrut bzw. Saale und damit der zwischen den Stromgebieten von Elbe und Weser folgt. Diese Kammlinie wird durch den alles überragenden, vulkanischen (Porphyr) Großen Inselsberg deutlich nach Norden verschoben. Südlich des Inselsbergs steht demgegenüber noch altes Grundgebirge an, im Südosten wurde im Bereich der Ebertswiese früher der wertvolle Hühnberg-Dolerit abgebaut.

Tambach-Oberhofer Thüringer Wald:

Die Bundesstraße 247 von Luisenthal über Oberhof und Zella-Mehlis nach Suhl, die im Norden der Ohra folgt, im Süden einen Abschnitt lang der Lichtenau und schließlich dem Unterlauf des Mühlwassers, trennt zusammen mit der gut zehn Kilometer nordwestlich parallelen L 1028 einen Abschnitt des Thüringer Waldes heraus, der, außer im Süden, durch praktisch keine öffentliche Straße zerschnitten wird und auch nur im Süden – in den Floh-Seligenthaler Ortsteilen Schnellbach und Struth-Helmershof, den Steinbach-Hallenberger Vororten Rotterode, Unterschönau und Oberschönau sowie der Stadt Zella-Mehlis – besiedelt ist. Die vom Rennsteig begleitete Elbe-Weser-Wasserscheide erreicht südwestlich bis westlich Oberhofs an mehreren Stellen um 900 m, ist dabei jedoch kaum in Einzelberge aufgelöst und hat daher ausgesprochenen Gebirgskammcharakter. Als Berge bekannt sind eher die südwestlich der Kammlinie aufragenden Großer Hermannsberg und Ruppberg (s. u.), die auch als Ausflugsziele beliebt sind. Im Nordosten, der eher allmählich abflacht, liegen zwei der drei großen Stauseen des Thüringer Waldes (s. u.). Ferner befindet sich hier im Falkenstein die wohl bekannteste Felsformation des Gebirges.

Gehlberger Thüringer Wald:

Die Bundesstraße 4, die von Ilmenau über Manebach bis Stützerbach flussaufwärts der Ilm/Lengwitz und im weiteren Verlauf über Schmiedefeld und Schleusingerneundorf nach Hinternah der Nahe folgt, trennt zusammen mit der nordwestlich parallelen B 247 (s. o.) den Abschnitt des Thüringer Waldes heraus, der die drei höchsten Berge plus den fünfthöchsten Berg des gesamten Mittelgebirges enthält und die sieben mit deutlichem Abstand höchsten Gipfel. Im Inneren dieses Segments liegen als einzige Orte Gehlberg nördlich und das kleine Vesser südlich des Rennsteigs, jedoch reichen auch Schmiedefeld und der SuhlerNordostausläufer Goldlauter-Heidersbach weit in diesen Abschnitt hinein, den die Bundesautobahn 71 und der Eisenbahn im Nordwesten unterquert (Rennsteigtunnel, Brandleitetunnel). Die Nordostflanke wird durch die Landesstraße von Gehlberg nach Gräfenroda am Nordrand längs der Wilden Gera segmentiert. Anders als im sich nordwestlich anschließenden Abschnitt des Thüringer Waldes ist in Rennsteignähe der Kamm nicht mehr ausschließlich als solcher aufgelöst, sondern trägt auf sich vulkanische (Porphyr) Kegel (Finsterberg, Spitzer Berg) und Doppelkegel (Schneekopf und Großer Beerberg), die fast 1000 merreichen. Die nach Nordosten abzweigenden Rücken flachen rasch auf unter 800 m ab, während das hufeisenförmige Massiv des Adlersbergs auch deutlich südwestlich des Rennsteigs merklich darüber bleibt. Im äußersten Süden liegt das Biosphärenreservat Vessertal. Orts- (Schmiedefeld) und Bergnamen (Eisenberg) erinnern daran, dass diese Region einst zu nicht geringen Teilen vom Erzabbau gelebt hat.

Frauenwald-Neustädter Thüringer Wald:

Der südöstlichste Teil des Thüringer Waldes im engeren Sinne wird nach Nordwesten durch die B 4 (s. o.), nach Südosten durch die Nahtstelle zum Thüringer Schiefergebirge entlang der Flüsse Talwasser (mit Ilmsenbach) und Neubrunn/Schleuse begrenzt. Im Inneren liegen Frauenwald (knapp südlich des Rennsteigs) nebst Allzunah (am Rennsteig) im Westen und Neustadt am Rennsteigim Osten sowie Oehrenstock im Norden; Stützerbach reicht vom Westrand, knapp nördlich des Rennsteigs, aus hinein. Die wenigen den Abschnitt zerschneidenden Landstraßen folgen dem Rennsteig (Landesstraße Schmiedefeld-Neustadt), Bergrücken (Kreisstraße von Frauenwald nach Waldau am Südrand, Staudenkopf-Rücken) oder Bachtälern (Kreisstraße Stützerbach – Ilmenau – Gabelbach). Der Hauptkamm längs des Rennsteigs erreicht an vielen Stellen 800 m und deutlich darüber, jedoch bleibt der höchste und mit Abstand bekannteste Berg der Kickelhahn (s. u.) an der (westlichen) Nordostflanke. Auffällig ist, dass, vom Kickelhahn abgesehen, alle nach Nordosten und Südwesten abzweigenden Rücken eine eindeutige Basis im Kammbereich haben und – vom schroffen Abfall an der Nahtstelle zu den Vorländern abgesehen – sehr gleichmäßig und gleichermaßen schwach nach außen an Höhe abnehmen. Dabei bleiben nach Südwesten gerichteten Rücken knapp unter der 800 m-Marke. Die trennenden Täler sind zuweilen klammartig, wie insbesondere die Gabeltäler südlich des Rennsteigs.


Klima:

Der Thüringer Wald liegt in der mitteleuropäischen Übergangszone zwischen dem vom Atlantik geprägten Seeklima Westeuropas und dem vom Festland geprägten Kontinentalklima Osteuropas. Da feuchte Luftmassen den Thüringer Wald vorwiegend aus westlichen Richtungen erreichen, haben die westlichen Hänge einschließlich der Kammlagen die höchsten Niederschläge. Mit Ausnahme des flacheren Nordwestteils (etwa 650 mm) und der Osthänge beträgt der Jahresniederschlag meistens über 1000 mm, in höchsten Lagen sogar etwa 1300 mm. Das nordöstlich gelegene Thüringer Becken liegt entsprechend im Regenschatten; es erhält kaum mehr als 500 mm/Jahr (je nach Lage 460–590 mm) Niederschläge und gehört zu den niederschlagsärmsten Regionen Deutschlands. Die Durchschnittstemperaturen im Juli sinken mit steigender Höhenlage von ca. 15,5 Grad in 500 m Höhe (Täler) über 14 Grad in 700 Metern bis auf 12,5 Grad in Kammlagen von 900 Metern (zum Vergleich: 18 Grad in niedrigeren Lagen des Thüringer Beckens). Im Januar betragen die Durchschnittstemperaturen -2 Grad auf 500 m, -3 Grad auf 700 m und -4 Grad auf 900 m (zum Vergleich: -0,5 Grad in niedrigeren Lagen des Thüringer Beckens). Die Jahresdurchschnittstemperaturen betragen entsprechend 6,5 Grad auf 500 m, 5 Grad auf 700 m und 4 Grad in Kammlagen (Thüringer Becken: 8,5 Grad). Die Anzahl der Frosttage übersteigt in den Kammlagen 150 Tage, während sie im Thüringer Becken deutlich unter 100 liegt. Lediglich das absolute Temperaturminimum steigt mit zunehmender Höhe um drei Grad von Höhenlagen zu den Tälern und um weitere etwa vier Grad zu den Mulden des Thüringer Beckens.