Korsisches Bergland

Zum Großteil besteht die Insel aus einem Hochgebirge im Westen und einem Mittelgebirge im Osten. Etwa 86 % der Insel sind Bergland und nur 14 % Küstentiefland. Lediglich die Ostküste besitzt einen ebenen Streifen, der maximal 10 km breit ist. Korsika hat eine durchschnittliche Höhe von 568 m (Sardinien: 344 m, Sizilien: 441 m). Auf Korsika ragen 50 Zweitausender in den Himmel.

Das Gebirge wird auf seiner ganzen Länge durch den GR 20 (im Regionalen Naturpark Korsika) erschlossen, der als schwierigster Wanderweg Frankreichs gilt.


Gebirgslandschaften:

Grundgebirge:

Das Grundgebirge im Westen besitzt einen von Nordwesten nach Südosten ziehenden über 2000 m hohen, meist gratförmigen Hauptkamm mit S-förmigem Verlauf und zeigt typischen Hochgebirgscharakter.

Hauptkamm:

Vom Hauptkamm aus, der gleichzeitig die Wasserscheide darstellt, laufen zahlreiche steil abfallende Seitenkämme und Seitentäler hinunter bis zur buchtenreichen Westküste.

Direkt im Hauptkamm beziehungsweise unweit davon befinden sich die höchsten Berge der Insel:

  • Monte Cinto (2706 m)
  • Monte Rotondo (2622 m)
  • Punta Minuta (2556 m)
  • Paglia Orba (2525 m)
  • Monte d’Oro (2389 m)
  • Monte Renoso (2352 m)
  • Capu Tafunatu (2343 m)

Östliches Schiefergebirge:

Das östlich gelegene Schiefergebirge bleibt mit seinen Gipfelhöhen deutlich unter 2000 m und besitzt damit den Charakter eines Mittelgebirges.

Aiguilles de Bavella:

Erwähnenswert sind ferner die schroffen Felstürme der Aiguilles de Bavella, die auch als die korsischen Dolomiten bezeichnet werden, obwohl sie aus Graniten aufgebaut sind.

Pässe:

Der Hauptkamm des Gebirges wird von insgesamt vier Pässen durchquert (Col de Bavella, Col de Verde, Col de Vergio, Col de Vizzavona), von denen der Col de Vergio mit einer Höhe von 1470 m der höchste und der Col de Vizzavona (1163 m) der verkehrsreichste ist. Weitere Passstraßen erschließen in über 1000 m Höhe die Seitenausläufer.

Gletscherlandschaften:

In den Zungenbereichen der ehemaligen Gletscher liegen heute noch ausgedehnte Schutt- und Geröllhalden, die nicht selten bis in die Sommermonate hinein von abfließendem Schmelzwasser durchströmt werden.

Südliches Gebirge:

Nach Süden hin nimmt das Relief der Insel deutlich an Prominenz ab. Bei Bonifacio befinden sich die berühmten Kreidefelsen.

Calanche:

Die Calanche (Les calanches de Piana, aber auch Les calanques de Piana) ist eine bizarre Felsenlandschaft südlich von Porto im Regionalen Naturpark Korsika. Die Felsen aus rötlichem Granit liegen in etwa 400 m Höhe über dem Meeresspiegel direkt an der Küste, sie scheinen bei entsprechendem Sonnenschein rot zu glühen. Die enge Straße von Porto nach Piana (D81) führt direkt durch die Calanche. Die Felsen sind von der Straße, besser aber zu Fuß zu erreichen. Mehrere ausgeschilderte Spazierwege führen durch die Felslandschaft und zu den besten Aussichtspunkten. Die gesamte Gegend hat sich zu einem stark besuchten Touristenziel entwickelt. Zusammen mit der Girolata-Bucht, der Bucht von Porto und dem Naturpark La Scandola wurde die Calanche 1983 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt.


Geologie:

Korsika entstand wie die Alpen im Tertiär. Es besteht zu zwei Drittel aus einem kristallinen Granitsockel, vor allem im Westen. Der Osten besteht überwiegend aus Schiefer, der sich aus Meeressedimenten gebildet hat, und aus Schwemmland. Die Grenze dazwischen verläuft ungefähr entlang einer Linie von L’Île-Rousse im Nordwesten bis Sari-Solenzara im Südosten. Im Grundgebirge finden sich überwiegend variszische Granite und Tiefengesteine, wie z. B. der Quarzporphyr aus dem Karbon. Das östliche Schiefergebirge besteht aus gefaltetem Schiefer (Tonschiefer, Glanzschiefer). Stellenweise weist der Tonschiefer fein verteilte Pyrit­einschlüsse auf. Die Glanzschieferdecke ist weniger klastisch geprägt und enthält dafür zahlreiche Radiolarite. Am Südende bei Bonifacio trifft man großflächig sedimentierte Dolomit-Kalke an, die vermutlich durch sekundäre Dolomitisierung von Kalkschlamm marinen Ursprungs entstanden. Geologisch interessant ist auch der Küstenabschnitt im Westen zwischen Porto und Piana, der als „Calanche de Piana“ und für seine Tafoni-Verwitterungen bekannt ist. Die wissenschaftliche Bezeichnung Tafone wurde der korsischen Sprache entlehnt.


Entstehung:

Eozän:

Die Entstehung des östlichen Schiefergebirges geht auf die gewaltigen Landmassenbewegungen während der Auffaltung der Alpen in der geologischen Epoche des Eozän zurückgeht.

Pleistozän:

Während der Hochzeit der letzten Eiszeit des Pleistozäns, also vor 30.000 bis 20.000 Jahren, war Korsika stark vergletschert. Als Überbleibsel dieser Zeit finden sich in den Bergen Kare, die zum Teil mit Wasser gefüllte Karseen bilden, und zahlreiche durch Gletscher geformte Täler mit Endmoränen.

Erosion:

Die verkarsteten Kalkfelsen von Bonifacio sind sowohl von den Gezeiten als auch von Stürmen eindrucksvoll gezeichnet.