Ussurien

Ussurien ist eine der interessantesten Naturregionen der Erde, und dort begegnen sich in einzigartiger Weise Flora und Fauna der Taiga im Norden und der südlich gelegenen Subtropen. Die Region ist auch Heimat des seltenen Amur-Leoparden und Amur-Tiger (Sibirischer Tiger). Hauptflüsse der Region ist der Amur und der Ussuri. Zentrales Gebiet Ussuriens ist das Ussursiche Gebirge (Sichote-Alin). Die Küste der Region ist zerklüftet, felsig und steinig. Ganz im Norden liegt die Mündung des Amurs. Dieser riesige Fluss wird auch häufig als “Amazonas des Ostens” bezeichnet, da die Tier- und Pflanzenwelt extrem vielfältig ist und sehr seltene Arten beherbergt. Ussurien ist stark bewaldet und meist gebirgig, mit Ausnahmen von weiten Becken und Ebenen. Im Südwesten liegt der drittgrößte See Asiens, der Chankasee. Ussurien ist sehr dünn besiedelt. Nur an den Randgebieten liegen Großstädte, wie Chabarowsk am Amur oder die Hafenstadt Wladiwostok am Japanischen Meer. Die größte Stadt in der Region und deren Umgebung ist Chabarowsk, die zugleich auch Hauptstadt des gleichnamigen Oblast ist. Auf Platz eins liegt Waldiwostok mit 590.000 Einwohner. Im Norden liegt Komsomolsk am Amur auf Platz drei, gefolgt von der Stadt Ussurijsk. Das Klima in Ussurien ist grundsätzlich kontinental und wird im Winter von den Polarwinden, und im Sommer von den ostasiatischen Monsunwinden beeinflusst. An der Küste ist das Klima milder.


Geographie:

Ussurien ist ein riesiges Gebiet im südlichen Fernen Osten von Russland, das sich von der Mündung des Amur südwärts bis zu den chinesischen und koreanischen Grenzen ausdehnt.
Im Westen wird es vom großen Fluss Ussuri und im Osten von den vielen pittoresken Buchten und Meeresarmen des Japanischen Meeres umsäumt.

Chanka-Niederung:

Südwestlich des Sichote-Alin liegt die Chanka-Niederung, die zum Großteil nur 25 m über dem Meerespielg liegt.

Sichote-Alin:

Das Sichote-Alin-Gebirge ist im Schnitt 800 bis 1000 m hoch. Nur wenige Gipfel erreichen eine Höhe von über 2000 m. Die Ostseite des Gebirges, das in Richtung Japanisches Meer blickt, ist zerklüfteter und die Flüsse sind hier wilder und reißender.

Flüsse:

Zu den großen Flüssen des Ussuri-Beckens gehören die Flüsse Chor, Bikin und Bolschaja Ussurka. Die Fließgewässer im östlichen Teil des Sichote-Alin sind viel kürzer.

Landschaften:

Ein Großteil der Ussuri-Region besteht aus hohen Gebirgen und weiten Ebenen. Die Sichote-Alin-Gebirgskette erstreckt sich über etwa tausend Kilometer von der Amur-Mündung im Norden, bis sie mit ihren Südausläufern ins Japanische Meer abfällt.


Klima:

Das Klima in Ussurien wird von zwei Faktoren beeinflusst, zu einem von den polaren Winden und den südlichen Monsunwinden. Die Winter sind im Inland sehr kalt und westwärts des Ussrischen Gebirges deutlich eisiger und strenger, als an der Küste. Aber auch Nachttemperaturen von unter -20°C sind and er Küsten normal. Die Sommer sind an der Küste angenehm warm und im Tal des Ussuri und Amur heiß. Die Sommer sind extrem feucht, da die Wetterlage von den ostasiatischen Monsunwinden beeinflusst wird.

Amurtal:

Das Klima im Amurtal ist ein kontinentales Monsunklima mit sehr kalten Wintern und sehr warmen Sommern. Die kalten Monate sind trocken und schneereich, während die Sommer sehr feucht sind.

Chanka-Niedrung und Küstenhinterland:

Hier ist das Klima deutlich kontinentaler und extreme geprägt, als an der Küste. Die Winter sind spürbar kälter und die Sommer um einige Grade wärmer.

Küste:

Das Klima an der Küste ist deutlich milder, da der Pazifische Ozean einen mildernden Effekt auf das Küstenklima hat. Der Ozean dient im Winter als Winterspeicher und lässt daher die Temperaturen nicht so weit sinken, als im Innenland. Die Sommer sind hier angenehm warm und deutlich kühler, als in den Tiefländern von Chanka und dem Ussuri-Becken.

Ussuri-Becken:

Im Becken des Ussuri herrscht ein kontinentales Monsunklima mit sehr kalten Wintern und heißen Sommern. Die Winter sind trocken, während die Sommer sehr feucht sind. Die Temperaturen im Jahresverlauf reichen von -40°C im Winter bis zu +40°C im Sommer.

Sichote Alin:

Grundsätzlich herrscht im Sichote-Alin ein ozeanisches Klima mit Beeinflussung durch dem Polarklima der Arktis und dem Monsunklima Ostasiens. Die Winter sind sehr kalt und weisen Nachttemperaturen unter -30°C auf. Die Ostseite des Gebirges weist mildere Winter auf, da der Einfluss des Pazifiks stärker und ausgeprägter ist. Die Westseite hingegen ist deutlich kälter und kontinentaler geprägt. Die Niederschlagsmenge ist hoch. Die Winter sind trocken und die Sommer extrem nass, da die Wetterlage in den wärmeren Monaten vom Monsunklima beeinflusst wird.


Naturräume:

Chanka-Niederung:

Das Flachland ist mit Grasvegetation bewachsen und gleicht einer weiten Steppenlandschaft. Die langgezogenen Hügel sind mit Eichen-, Kiefern-, und Aprikosenwäldern bedeckt.

Flusstäler und niedere Waldhügellandschaften:

Die Flusstäler und die niedrigen, dicht bewaldeten Hügellandschaften werden von Amur-Leoparden besiedelt, der durch das Unterholz schleicht. Der Indische Paradiesschnäpper wohnt in den Baumkronen. Neben Lianen und weiteren Pflanzen der tropischen Breiten flattern hier exotische Schmetterlinge herum.

Alpine Taiga:

In den höheren Lagen der Berglandschaften wird die Landschaft spärlicher und düsterer. Hier befindet sich die mystische Welt der borealen Taiga. Hier lebt vor allem der Goldhähnchenlaubsänger. Der Nadelwald ist dicht und endlos weit. Neben den Goldhänchenlaubsänger lebt hier das Sichelhuhn, das Steinauerhuhn und der Braunbär.

Südliche Ussuri-Region:

Hier bestehen die Wälder aus hohen Schwarztannen. In den niederen Schichten wachsen Hainbuchen und viele Baum- und Straucharten aus südlicheren Breiten (z. B.: Mandschurischer Ahorn). In den dichten Wäldern baumeln Lianen von den Baumkronen und Kletterpflanzen bilden den Unterwuchs.


Fauna:

Aufgrund vieler Komponenten, wie die Geologie, ökologischen Bedingungen, das Klima und des Reliefs, ist das Artenreichtum der Tierwelt in der Ussuri-Region sehr hoch. Hier gibt es viele endemische und reliktäre Tierarten. Ussurien ist ein Übergangsgebiet zweier geographischen Tiergruppen, die chinesische und sibirische Tierwelt. Innerhalb dieser Hauptgruppen ist die “mandschurische” Fauna hervorzuheben. Zusätzlich hat auch der Zustrom von Tieren aus dem indo-malayischen Archipel, der Mongolei und Europa einen Einfluss auf die heutige Tierwelt der Region. Erwähnenswert ist die hohe Vielfalt an Vögeln. Knapp 370 Vogelarten leben in der Region von Ussurien. Am häufigsten sind die Vögeln in der mandschurischen Taiga.

Chinesische und indo-malayische Fauna:

Die Chinesische Weichschildkröte ist die einzige Weichschildkrötenart die in Russland vorkommt. Das Verbreitungsgebiet dieser Weichschildkröte in Russland beschränkt sich nur auf Ussurien. Die Schildkröte stammt ehemals aus China, Japan und den Koreastaaten, zudem trifft man sie auf vielen Pazifikküsten an. Im südlichen Teil Ussuriens trifft man eine der schönsten Natterarten an. Die Tigernatter hat eine Länge von ca. 1,1 m und lebt in den sumpfigen Laub- oder Mischwäldern. Die Amurnatter ist eine 2 m lange Schlange und bevorzugt das Buschwerk in den Wäldern, sowie abgestorbenen Baumstümpfe oder Baumlöcher. Auch viele Vogelarten aus tropischen Breiten leben hier, zum Beispiel der Brillenvogel, Drongo oder Stachelbürzler. Neben den exotischen Vogelarten leben hier auch Fliegenschnäpper, Drosseln und Kuckucke. Zu den typischen Vertretern der chinesischen Fauna, gehört die Mandarinente.

Sibirische Fauna:

Die sibirische Fauna in Ussurien kann man in zwei weiteren Untergruppen unterteilen:

  • ochotskischen Fauna
  • ostsibirische Fauna

Ochotskische Fauna:

Die Ochotskische Fauna lebt vor allem in der Fichten-Tannen-Taiga. Die Baumlandschaft besteh aus Zwergbikrengehölzen, Hochgraswiesen und Dickichten aus Zwergzirbelkeifern. Diese Fauna konzentriert sich vor allem in Norden Ussuriens und im Sichote-Alin-Gebirge. Viele Arten sind komplett in der russischen Taiga vorzufinden, jedoch sind in Ussurien einige Untermauern verwerten. Zu den bekanntesten Vertretern der Gruppe gehören: Braunbären, Vielfraße, Hermeline, Wanderlaubsänger, Gelbbranelaubsänger, Tannenmeisen, Fichtenkreuzschnabel, Erlenzeisige, Unglückshäher, Wald- oder Bergechsen und Amurfrösche. Edemiten der ochotskischen Fauna sind das Sichelhuhn, der Blutseidenschwmnz, der Middendorffschwirl und die Sachalinviper.

Ostsibirsche Fauna:

Die Ostsibirsche Fauna (auch Angara-Faunentyp) ist in den Lärchenwäldern und in den ausgedehnten Sphagnum-Mooren vertreten. Zu diesen Faunentyp zählt das Moschustier, der Weißbraunedrossel, der Rußschnäpper und der Altai-Gimpel.


Tierwelt in unterschiedlichen Lebensräumen:

Breitlaub- und Nadel-Breitlaubwäldern:

In diesem Waldgebiet ist hauptamtlich die chinesische Fauna vertreten. Der südliche Teil der Wälder ist liannereich, dunkel und besteht meist aus Hainbuchen- und Nadelwäldern. In diesen Wäldern leben Sikahirsche und Amur-Leoparden. In den Eichenwäldern lebt der seltene Rotwolf. Die Vogelwelt ist überwiegend von der chinesischen und der indo-malayischen Fauna vertreten. Im Süden sind viele Reptilien anzutreffen, wie die Amur- oder Schrencknatter, die Dione-Natter, die Tigernatter, die Dreieckskopfnattern (zwei Arten) und die Korea-Langschwanz-Eidechse. Von der amphibischen Welt sind auch einige Arten vertreten: zu einem der Japanlaubfrosch, die Orientalische Rotbauchunke und zum anderen durch den Ussuri-Krallenfingermolch. Der Graugesichtbussard ist in Ussurien weit verbreitet und brütet in den Laubwäldern.

Eichenwälder:

Die Fauna in den Eichenwäldern ist ärmer. Hier leben Rehe, Wölfe und Füchse, aber auch Braunbären. In den Bäumen krabbeln Raupen vieler Schmetterlingsarten, wie der Zipfelfalter oder Fleckfalter. In den Eichenwäldern leben die Baumstelze und der Weißhand-Kernbeißer.

Flusslandschaften:

Entlang der reißenden Flüssen leben Schuppensäger und Langschnabel-Regenpfeifer. An den gemächlich fliessenden Flüssen jagt die Amurfalke und der Mandschurische Fischuhu. Die Chinesische Weichschildkröte bevorzugt ebenfalls die ruhigeren Ströme und nutzt die Sandbänke, um sich dort zu sonnen. Mandarinenten leben an den schnellfließenden Waldflüssen. In den Flusstälern jagen Besrasperber, ein ruffreudiger Greifvogel.

Taiga:

In den Nadelwäldern der ochotskischen Taiga leben verhältnismäßig wenig Vögel.

Ussuri-Gebirge und Kiefern-Laubmischwälder:

In den Gebirgen findet man viele bizarre und ungewöhnliche Insekten vor, z. B. diverse Schmetterlingsarten, wie Seidenspinner. Auch gibt es hier viele endemische Arten von Harlequinkäfern, Sandlaufkäfern und Laufkäfern. Nebenbei findet man auch seltene Arten von Sinzikaden vor. Im Norden des Sichote-Alin-Gebirge lebt eine veränderte Fauna. Oberhalb von 500 m wird die chinesische und indo-malayische Fauna, von den nordischen Arten der Kiefern-Laubmischwäldern ersetzt. Grundsätzlich ist hier die Artenvielfalt geringer. Aufgrund der vielfältigen Landschaften des Ussirschen Gebirges leben dort unterschiedlichen Vogelgemeinschaften zusammen, zum Beispiel Erddrosseln, Stummelsänger, Goldhänchensänger und Tristram-Ammer. In den sehr hohen Gebieten (Gipfelregionen) leben Waldpieper, Berbraunellen und Weißbraunedrossel.

Waldlose Gebiete: Sümpfe, Grasländer, Steppen:

In den waldlosen Gebieten lebt eine ussurische Unterart von Wildschweinen. In den weiten Fluren rasen Isubrahirsche. Die Amurkatze und der Amur-Tiger (Sibirischer Tiger) sind hier ebenfalls beheimatet. Auch eine ussrische Unterart des Dachses, der Buntmarder, der Amur-Igel, die Wimpernspitzmaus, eine orientalische Rasse des Burunduks und das Mandschurische Eichhörnchen besiedeln die Gebiete. Zu den typischen Insekten in den baumlosen Gebieten gehören Schwärmer und Spanner. Hinzukommen zahlreiche Käferarten, wie der Große Laufkäfer. In den armvorkommenden Wäldern ziehen sich Weichtiere zurück. Zu den Greifvogelarten der offnen Flure gehören der Bussard. Der Malayen-Wesenpenbussard kommt sowohl in den Graslandschaften, als auch in den Mischwäldern vor. Der Chinesenschickra ist ein weiterer Greifvogel im äußersten Süden Ussuriens.


Naturschutzgebiete in Ussurien:

Bolschoi-Chechtsir-Reservat:

Das Reservat schützt einen Teil des Bolschoi-Chechtsir-Gebirge und liegt in der Nähe von Chabarowsk, am Zusammenfluss des Amur und Ussuri. Die Besonderheit ist, dass hier viele seltene Pflanzen gedeihen.

Dalnewostotschnij More:

Im äußersten Süden Ussuriens an der Pazifikküste und in der Nähe von Wladiwosotok liegt ein riesiges Naturschutzgebiet. Hier ist die Landschaft zu 99% bedeckt mit Wäldern. Neben 820 Pflanzenarten, leben hier auch viele marine Tierarten. Das Meeresschutzgebiet ist in drei Meeres- und Festlandgebieten aufgeteilt. Auf den Inseln leben große Seevogelkolonien.

Kedrowaja-Pad-Reservat:

Dieses Reservat liegt im äußersten Süden von Ussurien und liegt im Kedrowa-Becken. Hier erheben sich 600 bis 800 m hohen kegelförmige Hügel. Neben 800 Pflanzenarten, leben hier 350 Tierarten.

Komsomol-Reservat:

Diese Reservat wurde 1963 ausgewiesen und liegt im unteren Teil des Goryun-Beckens. Der Fluss Goryun ist ein großer Nebenfluss des Amur.

Lasso:

Im südliche Teil des Sichote-Alin-Gebirges liegt am Japanischen Meer ein Naturschutzgebiet in der Nähe von Lasso. Die gebirgige Landschaft ist zu 96% bewaldet. Hier leben etwa 1000 Pflanzenarten und knapp 300 Tierarten.

Sichote-Alin-Biosphärenreservat:

Dieses Biosphärenreservat liegt auf den östlichen und westlichen Hängen des Gebirges. 99 Prozent der Landschaft besteht aus Wäldern. Der höchste Gipfel ist ungefähr 1600 m hoch. Hier leben knapp 1000 Pflanzenarten und 400 Tierarten.