Landschaften des spanischen Jakobsweges und Nordspanien

Als Jakobsweg (spanisch Camino de Santiago) wird eine Anzahl von Pilgerwegen durch ganz Europa bezeichnet, die alle das angebliche Grab des ApostelsJakobus in Santiago de Compostela in Galicien (Spanien) zum Ziel haben. In erster Linie wird darunter der Camino Francés verstanden, jene hochmittelalterliche Hauptverkehrsachse Nordspaniens, die von den Pyrenäen zum Jakobsgrab führt und die Königsstädte Jaca, Pamplona, Estella, Burgos und León miteinander verbindet. Diese Route, so wie sie heute noch begangen wird, entstand in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts.


Naturraum Nordspaniens:

Nordspaniens Naturräume rufen Erinnerungen an Irland, manchmal an Kanada und durchaus an den Schwarzwald wach. Sie sind ein landschaftlich nuancenreiches Mosaik, denn der Jakobsweg führt von den Pyrenäen über alpine Bergwiesen, durch Weinfelder und karstige Halbwüsten nach Santiago de Compostela. Um Java und Roncesvalles erheben sich majestätisch die 3000er Berge; die weite Hochfläche von Meseta dagegen lässt das Auge kilometerweit schweifen, und ganz im Westen gruppieren sich winzige Fischerdörfer an der teils klippengesäumten, teils feinsandigen Atlantikküste.

catalans-1006869_1920

Panaroma von den Katalanischen Pyrenäen auf das französische Pyrenäenvorland


Großlandschaften und Naturräume Nordspaniens und des Jakobsweg:

Pyrenäen, Weinfelder der La Rioja und Ebrotal:

Die Pyrenäen, die sich vom Mittelmeer zum Atlantik über 430 km Länge ausdehnen, bilden eine massive geographische Grenze zwischen Spanien und Frankreich. In gut 250 Mio. Jahren entstand dieses geologisch interessanteste Gebiet am Jakobsweg, dessen heutige Struktur vor allem ein Werk der Eiszeit ist. Im Aragón erheben sich die höchsten Gipfel: 3355 m hoch ist der Monte Perdido („verlorener Berg“), sogar 3404 m der Pico de Aneto. Zu den mehr als 3000 Pflanzenarten zählen seltene Lilien, Frühlingsenzian und der nur hier wachsende Pyrenäen-Steinbrech, der niedrige, blaugrüne Polsterstauden bildet. Auf den Almwiesen kommt es im Frühjahr zu regelrechten Farbexplosionen, wenn Windröschen, Enzian und Schwertlilien ihre farblichen Akzente setzen. Nirgendwo am Jakobsweg nach Galizien ist die Landschaft so reich an Tier- und Pflanzenarten wie auf den Pyrenäen-Etappen. In Höhenlagen bis zu 1000 m wachsen Kastanien, Eichen und Tannen, oberhalb gedeihen Ebereschen, Birken und einige frostresistente Kiefern. Auf dem Weg bergab Richtung Pamplona blüht im Frühling goldgelber Ginster, während sich rund um die Stadt der Stiertreiber silbrig grüne Getreidefelder erstrecken.

ordesa-valley-1796356_1920

Odesatal

Wenige Kilometer westlich von Jaca schweben in den Pyrenäentäler Hecho und Ansó zahlreiche Gänsegeier, Schmutzgeier und Habichtsadler nahezu bewegungslos im Suchflug an den Steilwänden vorbei. Habichtsadler können ein Kaninchen noch aus 1,5 km Entfernung erspähen. Einst ging man hier auf Bärenjagd, doch die Braunbären sind in diesem Teil der Pyrenäenausläufer lässt ausgestorben. Dafür überleben Wildkatzen, Auerhühner, Gämsen und auch die Murmeltiere, die Umweltschützer als „Adlernahrung“ aus den Alpen importiert haben, um andere Tierarten vor dem Aussterben zu bewahren. Südlich von Olite, in Navarras Wildem Westen, ist die Lagune Pitillas Aufenthaltsort für Wildenten und andere Zugvögel, die sich von einem Beobachtungszentrum per Fernrohr fürs Auge einfangen lassen.

panticosa-1800477_1920

highlights-1589579_1920

In den höheren Lagen der Rioja führen sich Wildschweine, Marder, Sperber und Fischotter zu Hause, während auf der kastilischen Hochebene vor allem Gäste auf dem Weg von und nach Afrika unterwegs sind: die Störche. Im Frühsommer sind die Weißstörche allgegenwärtig. Sie brüten auf Strommasten und Kirchtürmen, in Baumwipfeln oder auf Hausdächern. Ging es von der Gebirgslandschaft steil abwärts Richtun→g Pamplona, führt der Weg rund um Logroño über leicht begehbare Landwirtschaftswege. Auf der blutroten Erde der Rioja wachsen in Reih und Glied niedrige Rebstöcke, hier wird Rotwein in großen Mengen angebaut. Der überwiegende Teil der südlichen Rioja besteht aber nicht aus flachem Ackerland, sondern aus den mittelhohen Sierras Urbión und Cebolla, die bereits zum Iberischen Landgebirge gehören. Dort wachsen vor allem Eichen, Kiefern und Eschen.

la-rioja-345139_1920

Doch das fruchtbare Becken des wasserreichen Ebro versorgt auch die weitflächige Spargelfelder und Ostbaumplantagen. Dazwischen bilden Weiden, Ahorn, Linden und Erlen einen natürlichen Schutz für die Tierwelt.

Kastilische Hochebene:

→Kastilien

Auf durchschnittlich 800 m Höhe liegt das spanische Kernland, umgeben von 2000 m hohen Bergketten und durchflossen vom Duero und seinen Nebenflüssen. Nur dort können Pappeln und andere Bäume wachsen, ansonsten ist die Meseta weitgehend baumlos, einstige Wacholder- und Eichenwälder fielen im Hochmittelalter und der Neuzeit dem Schiffbau und der Viehzucht zum Opfer. Vorbei sind die Zeiten, wonach ein Eichhörnchen und sprichwörtlich von Baum zu Baum bis nach Andalusien hüpfen konnte, ohne den Boden zu berühren. Das macht vor allem den Wanderern zu schaffen, die im Hochsommer über die trockene Meseta gehen. Die landschaftliche Monotonie lässt Auge wie Gedanken oft sehr weit schweifen, denn die Gegend ist flach und spärlich besiedelt. Beeindruckend ist der Klatschmohn, der im Frühsommer in Navarra, der Rioja und Ostkastilien ganze Felder in riesige, hellrote Flächen verwandelt.

plain-1975229_1920

Grüne Nordwesten:

Die Übergangsräume zwischen Kastilien-Leon und Galizien prägt eine sattgrüne Landschaft. Vor allem die knapp 2000 m hohe Serra do Ancares mit ihrem üppigen Mischwald wirkt anziehend auf Naturliebhaber. Nur einige wenige Häuser aus Granit und Schiefer sind in dem dünn besiedelten Gebiet zu sehen. Ihre Bewohner verkaufen am Jakobsweg häufig selbst produzierten Honig.

Ribeira Sacra

Ribeira Sacra

way-of-st-james-1180776_1920

Rund 1200 km lang ist der stark zerklüftete Küstenstreifen, der immerhin 30% der Gesamtküste Spaniens ausmacht. Die fjordartigen Rías-Buchten, geformt vom Landhunger des Atlantik und durch Erdabsenkungen, unterscheiden sich regional sehr. Hohe Steilwände und Klippen charakterisieren die Rías Altas nördlich der herben Todesküste (Costa da Morte) bis hin zum nördlichsten Punkt der Iberischen Halbinsel, dem Kap Estaca de Bares. Besonders attraktiv ist die rund 600 m hohe Steilküste Serra da Capella, wo nach wie vor kleinwüchsige Wildpferde durch die Eukalyptuswälder streifen. Dagegen zeigen sich die Rías Baixas hin zur portugiesischen Küste weitaus sanfter. In Galliens kühlen Wäldern im Landesinneren leben Wölfe und Wildpferde, Ginsterkatzen, Dachse, Igel und Auerhühner. Ab und an verirrt sich auch einer der wenigen Braunbären Asturiens in das angrenzende Galicien.

lighthouse-968938_1920

Rias Baixas

Die steilen Kaps wie Fisterra und vorgelagerte Inseln wie die Islas Cies sind Nistgebiete für Kormorane, Trotellummen, Basstölpel und Weißkopf-Lachmöwen, die auf den Islas Cies so zahlreich sind wie nirgendwo sonst (ca. 20.000 Paare).

Islas Cies

Islas Cies

Im und am galicischen Atlantik tummeln sich zahllose Fisch- und Vogelarten. Wer sich ein Bilde von der Unterwasserwelt machen möchte, sollte unbedingt in A Coruña das attraktive Meeresmuseums besuchen.

beach-1763791_1920


Klima und Reisezeit:

Die klimatischen Unterschiede sind je nach Region und Monat enorm. Während zwischen Burgos und Leon der Werbeslogan „Alles unter der Sonne“, zumindest im Sommer voll zutrifft, müsste es in Galicien heißen: „Alles unter dem Regenschirm“. Die regenreichste Stadt Spaniens, Santiago de Compostela, liegt in der Provinz Galicien. Doch auch in dieser Region regnet es nicht ständig. Der August ist oft nahezu regenfrei, auch im Juli und September gibt es nur mal den ein oder anderen Schauer. Der Monat Dezember ist mit 27 Regentage sehr verregnet. Hinzu kommt noch die angenehme Brise des Atlantiks.

Beste Reisemonate:

Beste Reisemonate für den Jakobsweg und Galicien sind Ende Mai bis Ende September, wobei es im Hochsommer in der Weite der Meseta sehr heiß und dazu sehr voll werden kann. Santiago ist vor allem rund um den 25.07. gut besucht. Dann ist es beim Jakobsfest in der kleinen Stadt oft sogar brechend voll.


galicia-1743681_1920