Ténéré

Die Ténéré ist eine Sandwüste in der südlichen Sahara im Norden Nigers und wird auch die Wüste der Wüsten genannt. Der Name Ténéré stammt aus dem Tamascheq, der Sprache der Tuareg und bedeutet „Land da draußen“ (einfach übersetzt auch „Wüste“). Innerhalb der Wüstenregion unweit der Geländestufe Tiguidit befindet sich eine große Fundstätte von Dinosaurierfossilien.

Geographie:

Die Ténéré liegt im nordwestlichen Teil des Tschadbeckens. Der nördliche Teil der Ténéré-Wüste ist eine nahezu brettebene Kieswüste. Der südliche Teil dagegen besteht vorwiegend aus mehr oder weniger hohen Sand-Dünenzügen, die teilweise über einhundert Kilometer lang sind. Im östlichen Teil der Ténéré befindet sich das Kaouar-Tal mit den Oasen Séguédine, Anney, Dirkou und Bilma. In Nord-Süd-Richtung hat dieser Abschnitt eine Ausdehnung von rund 160 km. Im Westen wird die Ténéré durch das Aïr-Gebirge und im Nordosten vom Plateau von Djado begrenzt. Vom Aïr-Gebirge bis zum Kaouar-Tal beträgt die Entfernung etwa 500 km.

Klima:

In der Ténéré herrscht ein arides Wüstenklima vor. Es wird von den Bewohnern jedoch in drei Jahreszeiten eingeteilt.

Temperaturen:

Von März bis Juni dauert die heiße Jahreszeit, in dieser Jahreszeit werden tagsüber Temperaturen von über 50 °C erreicht, während die Tagesmitteltemperatur im Juni von 25 bis 44 °C erreicht. Die durchschnittliche Jahresmitteltemperatur beträgt etwa 28 °C.

Niederschlag:

Der heißen Jahreszeit schließt sich die Regenzeit von Juli bis August an, es fallen jedoch nur durchschnittlich 20 bis 50 mm Niederschlag pro Jahr. Die Niederschläge in der Ténéré hängen von der Intensität des westafrikanischen Monsuns ab. In Jahren mit einer geringen Monsunintensität erreicht der Wolkengürtel die Ténéré nicht mehr.

“kühle” Jahreszeit und Beeinflussung von Windsysteme:

Der Regenzeit schließt sich die kühle Jahreszeit von September bis März an, in ihr werden Tagesmitteltemperaturen von 10 bis 29 °C erreicht, wobei die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht extrem sein können.  In dieser Jahreszeit beherrscht der trockene Nord-Ost-Passat Harmattan das Wetter der Ténéré.

Extremwerte:

In der Gemeinde Iférouane wurden an einem Tag zwischen −1 °C und 52 °C gemessen.

Lufttemperatur von Bilma:

Nordafrika Klima 2

Niederschlag (mm) von Bilma:

Nordafrika Klima 2 (1)

Natur:

Die Natur weist Wüstenvegetation auf. Durch starke Bejagung sind viele Tierarten aus dem Gebiet verschwunden.

Flora:

Die Wüste ist durch eine relativ karge Vegetation gekennzeichnet. Besonders nach Regenfällen kann es zu kurzzeitigem Pflanzenwuchs kommen. Dann wachsen vor allem das Burzeldorngewächs Tribulus longipetalus, das Geknäulte Zyperngras und das Süßgras Stipagrostis acutiflora.

Fauna:

Dennoch kamen einst zahlreiche Huftiere und sogar große Raubtiere wie Löwen und Wildhunde vor. Letztere sind durch heftige Bejagung seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts verschwunden. Heute leben in den weitläufigen Trockengebieten immer noch Gazellen und Antilopen. Im Südosten der Wüste lebt eine Population von etwa 100 Mendesantilopen. Diese Population war seit 1979 stark zurückgegangen und betrug zeitweilig nur 15 Tiere.

Geschichte:

Im frühen und mittleren Holozän war das Klima der Ténéré völlig anders als heute. Die Region war wasserreich und hatte eine vielfältige Flora und Fauna. In Gobero am Westrand der Wüste wurden 2008 von Archäologen die ältesten Gräber der Sahara gefunden, rund 200 Bestattungen von Jägern, Fischern und frühen Tierzüchtern, die die Region zwischen 7700 und 6200 v. Chr. und wieder von 5200 bis 2500 v. Chr. besiedelten. Hunderte von Felszeichnungen wie die Dabous-Giraffen am Rand des Aïr-Gebirges zeugen von der vielfältigen Fauna in der Jungsteinzeit.

UNESCO-Weltnaturerbe:

Nördlich der Straße Agadez-Fachi erstreckt sich seit 1988 das Aïr und Ténéré Naturreservat, das seit 1991 zusammen mit den nördlichen Teilen des Aïr-Gebirges zum Weltnaturerbe der UNESCO gehört. In diesem Teil der Wüste gibt es Sanddünen von 300 m bis 400 m Höhe. Es ist mit 7,7 Millionen Hektar das größte Schutzgebiet Afrikas. Seit den Aufständen der Tuareg 1992 steht das Gebiet auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes.


desert-2179458_1920