Rumäniens Regionen

Rumänien ist aus historisch sehr verschiedenen Regionen mit eigener Geschichte und Bevölkerungsstruktur zusammengewachsen. Die waldreiche Maramuresch und das Szeklerland sind vor allem führ ihre Holzschnitzkunst bekannt, die Bukowina für die bemalten Klosterkirchen. Die Moldau hat den Ruf, ein großer fruchtbarer Garten zu sein. In Siebenbürgen sind die Städte und Kirchbergen die Hauptanziehungspunkte, in der Dobrudscha das Donaudelta und die Schwarzmeerküste. Weniger bekannt sind die malerisch am Nordrand der Walachei gelegenen orthodoxen Klöster.

Moldau:

Die Moldau (rumänisch Moldova” im Nordosten des Landes ist nicht zu verwechseln mit der heute selbständigen Republik Moldawien, obwohl sie eine lange gemeinsame Geschichte und heute den Pruth als Grenze teilen.

1352 gründete Dragos das Fürstentum Moldau, das sich über den Pruth, das spätere nach dem moldauischen Fürsten Basarab benannte Bessarabien und die Bukowina erstreckte. Die Hauptstadt war zuerst Suceava, später Iasi. An die Glanzzeit 1360-1560 erinnern eindrucksvolle Kloster- und Festungsanlagen. Schon im 16. Jäh. kam das Land unter die Oberhoheit des osmanischen Reiches und danach dem türkisch-russischen Krieg fiel Bessarabien an den russischen Zaren. 1859 entstand aus der Vereinigung der Moldau mit der Walachei das Fürstentum Rumänien, die Wiege des heutigen Staates.

Die weitläufige Hügellandschaft der rumänischen Moldau ist bis heute weitgehend agrarisch geprägt, typisch sind die mit Wein überrankten Pergolen der Bauernhäuser. Bekannt sind die Weißweine von Cotnari und Husi. Aus dieser abgelegenen Gegend stammen zwei der bedeutendsten Persönlichkeiten der rumänischen Kulturgeschichte, der Musiker und Komponist George Enescu und der Dichter Mihai Eminescu. Für Eminescu war das 1904 m hohe Cehlau-Massiv der “Olymp der Moldau”; in dem kleinen Bergdorf Durau findet jeden 2. Sonntag im August das Scharfhirtenfestival (Festival de Pastori) statt, bei dem man die Volkskunst der Region kennenlernen kann: Teppiche mit orientalisch anmutenden Mustern, Masken, um den Winter auszutreiben, Keramiken, verzierte Eier sowie in Tannenzweigen geräucherte Forelle. Eine großstädtische Atmosphäre mit gewachsener bürgerlicher Kultur findet man heute lediglich in der Universitätsstadt Iasi. In Suceava hat Ceausescus Abrissbirne nur die alten Kirchen verschont. Eine späte punktuelle Industrialisierung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Region zu den ärmsten im Land zählt.

Bukowina:

Die im Norden anschließende Bukowina, auch Buchenland (Bukowina) genannt, gehört zu einer historischen Landschaft, deren nördliche Hälfte mit der ehemaligen Hauptstadt Czernowitz (Cernauti) heute Teil der Ukraine ist. Entsprechend ihrer wechselnden Zugehörigkeit lebten in ihrem bewaldeten Gebirgsland verschiedenste Völker, Juden, Deutsche, Ukrainer, Rumänen, Armenier und Slowaken. Es entwickelte sich eine multikulturelle deutschsprachige Literatur, zu deren bedeutendsten Vertretern Rose Ausländer, Paul Clean und Gregor von Rezzori gehören. Mit Beginn des rumänischen und deutschen Faschismus endete da friedliche Zusammenleben. Hauptsehenswürdigkeiten heute sind die im 15. und 16. Jh. erbauten orthodoxen Moldauklöster, deren Außenwände nach 1530 bemalt wurden und die mittlerweile zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören.

Siebenbürgen (Transsilvanien):

Siebenbürgen (deutsch auch Transsilvanien. rumän. Transilvania oder Ardeal, ungar. Erdély), das Herzstück Rumäniens, umfasst in historischem Sinne lediglich die mittlere Siebenbürgische Hochebene (Depresiunea Transilvaniei). Der ungarische König Geza II. hatte um 1143 deutsche Siedler, Saxones (Sachsen), als Grenzschützer nach Transsilvanien geholt, in das “Land hinter den Wäldern”, wie die Übersetzung lautet. Diese mitten im Karpatenbogen, zwischen 300 und 800 m ü. d. M. gelegne Region war fruchtbar und reich an Bodenschätzen wie Gold, Salz und Erze. Hier entspringen die großen Flüssen des Landes Olt (Alt), Mures (Mieresch/Marosch), Jiu (Schil), Somes (Somesch), Bistrita (Bistritz) und die Tarnave (Kokel).

Vor allem im 19. Jh. verband man mit Transsilvanien etwas Geheimnisvolles, Düsteres. Jule Verne und Bram Stoker verlegten ihre Romane “Das Karpathenschloss” und “Dracula” hierher: “Schon das Land, im dem dieser Nicht-Tote seit Jahrhunderten gelebt hat, ist voll von geologischen und chemischen Wundern. Es gibt tiefe Höhlen und Risse, die sich unendlich weit in das Innere der Erde erstrecken. Es gibt dort Vulkane, deren Krater noch heute Wasser von besonderer Beschaffenheit ausspeien und Gase, die töten oder heilen. Zweifellos sind einige dieser Kombinationen geheimer Kräfte magnetischer und elektrischer Natur und wirken eigenartig auf das animalische Leben ein…” (Bram Stoker). Heute gehören die “chemischen Wunder”, die Heilbäder Ocna Siviului, Sovata, Baile Tusnad und Mineralwässer (Dorns, Borsec), die mittelalterlichen Städte Sibiu und Brasov, die Kirchenburgen und das berühmte “Dracula-Schloss” Bran zu den Hauptreisezielen. Im Szeklerland, ganz im Osten im malerischen Karpatenvorland, leben die einst als Grenzwächter angesiedelten ungarisch sprechenden Szekler.

Banat:

Das Banat (Banatul), eine historische Region im äußersten Westen Rumäniens zwischen den Flüssen Mures (Marosch), Tisa (Theiß) und Donau, war lange Zeit Zankapfel zwischen Ungarn, Serben und Rumänen, bis es 1920 im Vertrag von Trianon aufgeteilt wurde. Den größte nZipfel erhielten die Rumänen. Der Name leitet sich wahrscheinlich von dem awarischen Fürstentitel Ban (=reich) ab. Diesen übernahmen die Magyaren und nannten die Region Bánság. Wirtschaftliches und kulturelles Zentrum ist Timisoara, wegen der vielen Barockbauten auch “Klein-Wien” genannt. Einen guten Ruf genießen das noch den Charme der vorigen Jahrhundertwende verströmende Baile Felix (Felixbad) und die Weine aus Recas. Da das Land nach den Türkenkriegen nahezu entvölkert war, warb die Habsburger Krone ab 1716 um neue bestenfalls katholische Siedler. Dem Ruf folgten überwiegend Deutsche aus der Pfalz, Schwaben, Bayern, Hessen, Elsässer, aber auch die sog. österreichischen Landler, die alle unter dem Namen Banater Schwaben oder Donauschwaben zusammengefasst wurden. Sie sollten auch ein Gegengewicht zu den bereits hier ansässigen orthodoxen Serben bilden. Außerdem lebten hier schon immer Juden, Kroaten, Bulgaren, Armenier, Rumänien und Slowaken. Im südlichen Banat, nahe der Donau und dem “Eisernen Tor”, wurden Anfang des 19. Jh.s Tschechen angesiedelt, deren und 6000 Nachfahren bis heute an ihren Traditionen festhalten. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die deutsche Bevölkerung teilweise enteignet und auch deportiert, aber nicht systematisch vertreiben. Der Exodus der Banater Schwaben erfolgte erst in den 1980er- und 1990er-Jahren. An ihre Stelle zogen Siedler aus anderen Teilen Rumäniens, überwiegend Rumänien, aber auch Szekler und Roma.

Kreischland:

Das nördlich des Mures anschließend Kreischland (Crisana) ist nach den drei Flüssen Crisul Alb, Nehru und Repede (Weiße, Schwarze und Schnelle Kreisch) benannt, die die Region von Ost nach West durchfließen. Historisch bildete es mit der ungarischen Tiefebene die einstige Region Sathmar. Die größten Städte sind Arad und Oradea, beide noch mit einem Flair des K.-u.-k.-Monarchie. Viele Kultur- und Naturdenkmäler sind im östlichen Apuseni-Gebirge verborgen, neben den traditionellen Holzkirchen gibt es bizarre Höhlen, Schluchten und Hochplateaus.

Maramuresch:

Die Maramuresch (Maramures), eine waldreiche Berglandschaft im Nordwesten, gilt als die ursprünglichste, am meisten in ihren Traditionen verhaftete Region Rumäniens. Alles schient hier langsamer zu gehen. Ein Sprichwort sagt, die Uhren messen nicht die Stunden, Spendern die Ewigkeit. Der abgelegene Winkel wurde nie von Römern besetzt und blieb dakisch. Um 900 n. Chr. eroberten die Ungarn die Region und machten sie 1386 zum Komitat Máramaros. Heute gehört der nördliche Teil zur Ukraine, der südliche zu Rumänien . Neben Rumänen, Deutschen, Ungarn und Juden lebten hier immer auch viele Russinen (auch Ruthenen genant), ein kleine slawische Minderheit. Die größten Städte Satu Mare, Baia Mare und Sighetuzu Reichtum. Der Holzreichtum, um 1900 war der Landesteil noch fast vollständig bewaldet, förderte die Entwicklung einer qualitätvollen Handwerkerkunst. Aus Holz entstanden kunstvoll mit Ornamenten und Symbolen geschnitzte Tore, die berühmten Holzkirchen mit spitzen Türmen (Ieud, Surdesti und Desesti), aber auch Arbeitsgeräte und Gebrauchsgegenstände wie Löffel und Schalen. Ein besonderer Anziehungspunkt ist der “Fröhliche Friedhof” von Zapata. In der Maramuresch widersetzen sich die Bauern lange einer Zwangskollektivierung; stattdessen hielten sie an ihren Traditionen fest wie Teufels- und Schellentänze am Heiligen Abend (24.12.), Winteraustreibung als Bärentanz oder große Feuer zur Sonnenwende (21.6.).

Walachei:

“Geh doch in die Walachei!” ist ein verbreiteter Ausdruck, wenn man jemanden möglichst weit fortwünscht. Doch wo die Walachei (rumän. Tara Romanesca = Rumänisches Land) genau liegt, ist den Wenigsten bekannt. Der Name der historischen Landschaft im Süden Rumäniens geht auf das über Südosteuropa verbreitet romanischsprachige Volk der Walachen zurück.

Der Olt teilt die Walachei in die Kleine Walachei (Oltenia, im Westen) und die Große Walachei (Muntenia, im Osten). Ab 1324 war die Walachei ein selbständiges Fürstentum, bis 1330 unter ungarischer Oberhoheit, ab 1395 als tributpflichtiger Vasallenstaat des osmanischen Reiches. Das Königreich Rumänien entstand 1862 durch die Vereinigung der Walachei mit der Moldau. Die Hauptstadt Olteniens war Craiova, die Munteniens abwechselnd Tragoviste und Bukarest, alle drei ehemalige Fürstensitze.

Die Landschaft zwischen Südkarpaten im Norden und der Donau im Süden bestimmt ein Wechsel von Bergland und Tälern. Das überwiegend flache Muntenien ist die “Kornkammer Rumäniens”; größte Stadt ist die rumänische Hauptstadt Bukarest. Große Vorkommen an “Schwarzem Gold” haben zur großflächigen Ölförderung und Verschandelung eigner Regionen wie um Pitesti geführt. Touristisch interessant sind neben alten Badekurorten wie Baile Govora und Calimanesti vor allme die othodoxen Klöster Horezu, Tismana und Cozia sowie die alten Fürstenstädte Curtea de Arges und Targoviste. Sehenswert Sund auch das Prahova-Tal, der elegante Kurort Sinaia mit Schloss Peles, der einstigen Sommerresidenz der rumänischen Könige. Targu Jiu, Heimatstadt Constantin Brancusis, besitzt ein bemerkenswertes Skulpturenensemble des bekannten Bildhauers.

Dobrudscha:

Die Drobudscha (Dobrogea) erstreckt sich vom Unterlauf der Donau entlang der Schwarzmeerküste bis nach Bulgarien. Bereits im 7. Jh. v. Chr. gründeten Griechen hier bedeutende Seehäfen wie Tomis, das heutige Constanta. Später folgten die Römer und ab dem 7. Jh. n. Chr. gehörte das Gebiet zum neu gegründeten slawo-bulgarischen Staat. Benannt ist es nach dem um 1383 herrschenden bulgarischen Bojaren (Fürsten) Dobrotica. Nach seinem Tod 1396 fiel die Dobrudscha an das osmanische Reich und wurde mit Türken besiedelt. Im 19 Jh. wanderten deutsche Siedler, vor allem Bauern aus dem Zarenreich in die Dobrudscha ein. Seit dem Berliner Kongress 187 gehört die Nord-Dobrudscha zu Rumänien, die Süd-Dobrudscha kam 1940 endgültig zu Bulgarien. Und auch wenn sich nach dem 2. Weltkrieg die Zusammensetzung der bunt gemischten Bevölkerung zugunsten der Rumänen versnoben hat, leben in der Dobrudscha bis heute Rumänen verschoben hat, leben in der Dobrudscha bis heute Rumänen, Bulgaren, Türken, Tatren, Lipowaner, Ukrainer, Griechen, Juden, Armenier, Roma und Dobrudscha-Deutsche.

Seit der antike wird Weinbau betrieben, die bekanntesten Weingüter sind Murfatlar, Oltina und Niculitel. Im Süden werden vor allem Weizen und Meins angebaut. Neben der Schwarzmeerküste mit ihren flachen Sandstränden und den bekannten Badeorten Mamaia und Mangalia, Kläster und antiken Stätten gehört das Donaudelta zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Dobrudscha.


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